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Buchstabensuppe – Blog der Stadtbüchereien Düsseldorf

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Warum ich eBooks lese

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Ein paar einfache Fragen:

Lest ihr am liebsten ganz klassisch die Printausgabe oder lieber das eBook? Gedruckt oder digital? Lieber ein Hardcover oder das kleinere Taschenbuch? Oder vielleicht lieber auf dem Tablet, dem Smartphone, dem eReader oder sogar an eurem PC?

Wenn ihr jetzt kurz überlegen musstet und die Fragen doch nicht so eindeutig zu beantworten wisst, wie ihr vielleicht nach dem ersten Satz dachtet, oder wenn ihr antworten wolltet „kommt drauf an“ dann freut euch, denn ihr seid in guter Gesellschaft. Denn zumindest meiner Wenigkeit geht das genauso. Und ich bin mir sicher, dass wir (also ihr und ich) nicht die einzigen sind. Weiterlesen „Warum ich eBooks lese“

Diskussion mit Daniel Fiene: „Sozial, digital, alles egal?“ – Wer diskutiert da eigentlich? #sozialdigitalegal

bookAm 24. November wird in der Zentralbibliothek Düsseldorf live, analog und unzensiert über das Thema „Sozial, digital, alles egal? Leser, Autoren, Buchbranche und die schöne neue Welt der digitalen Möglichkeiten“ diskutiert. Doch wer sitzt da eigentlich genau auf dem Podium? Wir stellen Euch heute die Diskussionsteilnehmer genauer vor.

 



11811350_941264699253818_1248266870960267968_nWir freuen uns sehr, dass wir Daniel Fiene (@fiene) aus Düsseldorf als Moderator gewinnen konnten – einen ausgewiesenen Experten für alles, was „Digital“ ist: Daniel Fiene ist Journalist, Redakteur bei RP ONLINE und Moderator bei Antenne Düsseldorf. Seine Radiowurzeln liegen bei Radio Q, dem Campusradio für Münster und Steinfurt. Zusammen mit Herrn Pähler moderiert Daniel Fiene seit 2004 u.a. das wöchentliche Medienmagazin “Was mit Medien” bei DRadioWissen. In der Rheinischen Post hält er uns regelmäßig mit Berichten und Einschätzungen zu Neuheiten aus „Digitalien“ auf dem Laufenden.

Auf dem Podium

Pilzer_6_aHarald Pilzer ist Vorsitzender des „Verbandes der Bibliotheken des Landes NRW“ für die Öffentlichen Bibliotheken und seit 2001 Direktor der Stadtbibliothek Bielefeld. Sein Studium der Geschichte, Politikwissenschaft, Germanistik, Pädagogik und Soziologie und zahlreiche Veröffentlichungen vornehmlich zur Bibliotheksgeschichte und zur Situation der Öffentlichen Bibliotheken machen Ihn für uns zu einem Experten, um das Thema aus Bibliothekssicht zu beleuchten.

 

Dr. Jonas WinnerDr. Jonas Winner (@Jonas_Winner) ist Autor und lebt in Berlin. Er ist promovierter Philosoph, arbeitete nach dem Studium in Berlin und Paris als Journalist, Redakteur für das Fernsehen und als Drehbuchautor u.a. für ARD, ZDF und Sat.1. Sein Selfpublishing-Bestseller „Berlin Gothic“ sorgte im Netz für Furore. 2012 feierte er mit dem Thriller „Der Architekt“ einen großen Erfolg, 2014 folgte „Das Gedankenexperiment“. Er wird die Sicht der Autoren einbringen.

 

 

wibke_ladwig_c_Michael_OrealWibke Ladwig (@sinnundverstand) ist Buchhändlerin, Social Web Ranger und Ideenkatalysator aus Köln. Mit ihrer „Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt“ begleitet sie Menschen im Landschaftsraum Internet. In Vorträgen, Seminaren und Workshops vermittelt sie Verständnis und Wissen über Social Media. Außerdem unterstützt sie Unternehmen dabei, kreative und eigenständige Storytelling-Ideen zu entwickeln und sie umzusetzen. Dabei ist sie auch Illustratorin und Autorin, hat als Onlinerin in Buchverlagen gearbeitet, ist Gründerin der Wortweide, einer Crowdsourcing-Plattform für Wörter, und Mit-Gründerin des Büros für Kreativitätscoaching “Die Herbergsmütter”. Wibke Ladwig sagt: „Mir persönlich geht es darum, mit ermutigenden und inspirierenden Projekten die Welt ein wenig besser zu machen und kreative Menschen zu ermächtigen, die digitale Öffentlichkeit für sich und ihre Ideen zu nutzen.“

book Dr. Constanze Kurz ist Informatikerin mit Schwerpunkt Datenschutz, Autorin, Sprecherin für den Chaos Computer Club Deutschland, Berlin. Sie ist promovierte Informatikerin, Sachbuchautorin und Herausgeberin mehrerer Bücher. Sie war Sachverständige in der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages und beim Bundesverfassungsgericht anlässlich der Beschwerdeverfahren gegen Wahlcomputer, Vorratsdatenspeicherung, Hackerparagraph und Anti-Terror-Datei. 2011 platzierte die Computerwoche Constanze Kurz auf Platz 38 der 100 „bedeutendsten Persönlichkeiten in der deutschen IT“. In diesem Ranking wurde sie – nach Martina Koederitz und Regine Stachelhaus – als drittwichtigste Frau eingeschätzt.

Sarah Mirbookschinka ist Sales Managerin beim Lübbe Verlag in Köln und wir die Sichtweise der Verlage in der sich wandelnden Branche einnehmen und vermitteln. Dort „ist sie außerdem für die Umsetzung des Print-Programms als E-Book, Rechte-Nachverhandlungen und Sonderprodukte wie Bundles und Anthologien verantwortlich.“ (buchreport.de, 14.09.2015)

 

Der Eintritt zur Podiumsdiskussion ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Hashtag ist: #sozialdigitalegal

E-Books können nun zurückgegeben werden

Es passiert schon mal. Das E-Book habe ich ausgelesen und möchte es vor Erreichen des Ausleihendes anderen Leserinnen oder Lesern zur Lektüre zur Verfügung stellen. Oder: Ich habe ein E-Book ausgeliehen, trotz Leseprobe habe ich den Inhalt jedoch falsch eingeschätzt, es interessiert mich nicht. Muss ich nun das E-Book bis zum Ende der Leihfrist behalten und so anderen Interessenten den Zugang zu der Lizenz versperren? Nein, denn ab sofort können E-Books – und auch digitale Zeitschriften – wie physische Bücher zurückgegeben werden, sofern sie über Adobe Digital Edition ausgeliehen worden sind. Eine gute Anleitung befinden sich hier, eine Videoanleitung erklärt dies sehr anschaulich hier. Die Onleihe Akademie enthält noch viele weitere anschauliche Tipps zur Nutzung der onlineBibliothek.

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(kph)

Fack ju #Gutenberck – Farinas Geschichte

CovermitTitelJoshua taucht

Mein Name ist Joshua Wilson, und ich weiß, dass keiner von euch gerne mit mir tauschen würde.

Ich muss zugeben, dass es besser laufen könnte. Aber habt ihr schon mal versucht, den Ozean zu durchschwimmen, während um euch herum vier Meter hohe Wellen toben?

Der Himmel ist heute grau wie Zement.

Beim Frühstück überlege ich die ganze Zeit, ob ich schwänzen und Videospiele spielen oder zur Schule gehen soll. Als hätte meine Mutter so eine Art siebten Sinn für ihren Sohn, fragt sie mich, ob sie mich nicht im Auto mitnehmen könnte. „Es liegt ohnehin auf meinem Weg.“

Sie klingt optimistisch, aber ich kenne sie zu gut, um die Verzweiflung darin zu überhören.

„Danke, Mom. Das wäre echt cool.“

Natürlich ist es alles andere als cool, in der zwölften Klasse noch zur Schule gefahren zu werden, aber ich will sie nicht im Stich lassen. Sie versucht noch immer, mir zu helfen. Prompt fühle ich mich schlecht bei dem Gedanken daran, ihr Gesicht zu sehen, wenn sie erfährt, dass ich vorhabe blauzumachen. Doch mein schlechtes Gewissen kann nicht schlimmer sein als das, was mich in der Schule erwartet.

Die Highschool, die ich besuche, ist ein hässliches Backsteingebäude, welches mich eher an ein Gefängnis als an eine Bildungsstätte erinnert. In gewisser Weise ist es auch so – ich bin der Häftling, der von allen anderen Insassen terrorisiert wird. Wollt ihr wissen, wie oft man mir meine Sportsachen aus dem Spind geklaut hat? Wie oft ich am Tag in den Gängen angerempelt und geschubst werde, sodass mir meine Sachen auf den Boden fallen? Wie viele Beleidigungen mir an den Kopf geworfen werden, wenn ich in der Cafeteria zu Mittag esse? Wie oft man mich schon verprügelt hat?

Nein, das wollt ihr nicht. Wirklich nicht.

Angefangen hat alles an dem Tag, als Rebecca Prince mir vor einer wichtigen Kursarbeit zugeflüstert hat, ich dürfte bei ihr abschreiben. Damals war ich vierzehn und fuhr total auf sie ab. Sie hatte langes rotes Haar und hellblaue Augen, und sobald sie mich auch nur ansah, begann in meinem Kopf immer wieder der gleiche Film abzulaufen, in dem sie die Hauptrolle innehatte und nicht ganz jugendfreie Dinge mit mir anstellte.

Aber sie blieb unerreichbar. Ich glaube, sie wusste nicht einmal meinen Namen. Zumindest nicht bis zu dem Moment, als sie sich auf ihrem Stuhl zurücklehnte und sich dabei wie beiläufig an meinem Tisch abstützte. Meine Hände begannen vor Aufregung augenblicklich zu schwitzen.

„Du heißt doch John, oder?“, fragte sie plötzlich, den Kopf in meine Richtung drehend.

„Joshua“, brachte ich heiser hervor. Ich hielt still wie ein verängstigtes Kaninchen, das von einer Schlange fixiert wurde und gleich gefressen werden würde. Irgendwo in meinem Kopf schrillten die Alarmglocken. Rebecca redete mit mir!

Sie sah mich prüfend an.

„Bist du gut in Mathe, Joshua?“

Ich wünschte, ich hätte Ja sagen können. Dabei wusste so ziemlich jeder, dass ich einer der Schlechtesten im ganzen Kurs war.

„Ich bin eher mittelmäßig“, log ich mit ausgetrocknetem Mund. Mein Gesicht wurde glühend heiß und vermutlich so dunkelrot wie der Wein, den meine Mutter jedes Wochenende trank.

„Das macht nichts.“ Rebecca lächelte zuckersüß. „Ich kann dir helfen.“

Helfen?, dachte ich verwirrt. Wobei?

„Die Klausur. Dritte Stunde, Joshua.“ Sie betrachtete mich aus ihren unnatürlich blauen Augen, als wollte sie Löcher in mein Gesicht starren. Ich musste nicht lange nachdenken, um ihr eine Antwort geben zu können.

„Ja. Klingt gut.“ Ich nickte sehr langsam, darauf hoffend, dass ich nicht wie ein Vollidiot aussah, sondern sehr lässig rüberkam. In meinem Kopf herrschte das reinste Chaos. Ich konnte nicht fassen, dass jemand wie Rebecca sich dazu entschied, einem Typen wie mir zu helfen. Ich war ein totaler Nerd mit allem, was dazugehörte: Brille, unauffälligen Klamotten und bis zum Rand angefüllt mit unnötigen Fakten über alle möglichen Videospiele, die mir in meiner Schullaufbahn noch nie viel genutzt hatten.

„Na gut. Dann setzt du dich gleich neben mich, okay?“ Rebecca lächelte mich noch einmal an. Mein Herz klopfte wie wild.

„Okay.“

Zwei Jahre später weiß ich, dass es eine Wette gewesen ist. Sie und ihre Freunde wollten testen, ob ich darauf hereinfalle. Was ich natürlich getan habe. Keine zehn Minuten nach Beginn der Arbeit meldete sich Rebecca plötzlich, während ich gerade Nummer zwei von ihrem Blatt abschrieb und darauf achtete, absichtlich ein paar kleine Fehler mit einzubauen, damit auch ja niemand merken würde, dass ich abgeschrieben hatte.

„Mr. Hayes“, rief sie in die Klasse hinein, „Joshua guckt ab.“

Ich hob den Kopf. Ihre Worte brauchten ein paar Sekunden, bis sie in meinem Gehirn angekommen waren. Was soll das?, dachte ich panisch, es war doch deine Idee?!

Mr. Hayes – wie ich ihn hasse, den alten Sack – schritt gemächlich zu meinem Tisch, nahm mir meine Blätter ab und lächelte unheilverkündend. Ich warf Rebecca einen fragenden Blick zu, aber sie hatte sich schon längst wieder über ihr Blatt gebeugt. Ihr gehässiges Grinsen sah ich trotzdem noch.

Seit diesem Tag haben sie es auf mich abgesehen und lassen mich nicht mehr in Ruhe. Weil sie wissen, dass ich leichte Beute bin und dass es einmal geklappt hat. Also muss es immer klappen.

Als meine Mutter mich vor dem Schulgebäude absetzt, hat meine Laune längst einen Tiefpunkt erreicht. Wenn ich könnte, würde ich auf der Stelle kehrt machen, aber ich muss warten, bis meine Mutter wegfährt.

„Viel Erfolg!“, ruft sie noch, und ich murmele ein leises „Nicht nötig“, bevor ich mich umdrehe und so tue, als würde ich auf den Eingang zugehen. Ich mache ein paar schlurfende Schritte geradeaus und lausche auf das Geräusch des Motors, welches langsam verschwindet. Erst, als ich nichts mehr höre, wage ich es, vom Tor wegzutreten. Ich gehe in meinem Kopf die Möglichkeiten durch, die sich mir bieten. Ich könnte nach Hause gehen, aber meine Mutter käme in einigen Stunden schon wieder von der Arbeit zurück, und das würde sich nicht lohnen. Ins Einkaufszentrum kann ich auch nicht gehen. Erst gestern wurde mir mein Taschengeld aus dem Portemonnaie gestohlen, während ich auf der Toilette war.

Der See, schießt es mir durch den Kopf. Keiner wird dich finden, wenn du zum See gehst.

Der See liegt irgendwo weiter nördlich von meiner Schule und ist von kleinen Bäumen und hohem Gras umgeben, was es schwer macht, jemanden zu finden. Außerdem gibt es ein schmales Stück Sand. Manchmal spielen die kleinen Kinder aus der Nachbarschaft dort mit ihrem Ball.

Ich werfe einen kurzen Blick auf meine Armbanduhr. Kurz nach acht. Ich wäre sowieso zu spät zum Unterricht gekommen.

Nach fünf Minuten Fußmarsch kann ich in unmittelbarer Nähe die spiegelglatte Oberfläche des Wassers erkennen. Ich laufe schneller, weil meine Füße ein wenig schmerzen und ich angefangen habe zu schwitzen. Die Sonne steht noch nicht hoch am Himmel, aber heiß ist es trotzdem. Erleichtert stapfe ich durch die hohen Sträucher und Gräser auf das Wasser zu, das verlockend glitzert.

Ich entscheide mich dazu, den schweren Rucksack abzulegen, meine Schuhe und Socken auszuziehen und mit den Füßen ins knöcheltiefe Wasser zu gehen. Die Hitze wird langsam immer drückender.

Mit nackten Füßen laufe ich vorsichtig auf dem Sand entlang zum Wasser. Es dauert ein wenig, bis ich mich an die deutlich kühlere Temperatur gewöhnt habe, aber dann wird es angenehm. Ich kicke ein paar Kieselsteine umher, die das Wasser spritzen lassen und um die sich für ein paar Sekunden konzentrische Ringe bilden, sobald sie wieder untergehen.

Es vergehen etwa fünfzehn Minuten, bevor ich die Stimmen höre. Lautes Gelächter, das immer deutlicher wird. Ich erstarre zur Salzsäule. Wer könnte um diese Uhrzeit hierhin kommen? Angespannt lausche ich auf die Stimmen.

„Mensch, Kevin!“, ruft jemand. Ich versuche mich zu erinnern, ob ich jemanden namens Kevin in meinem Jahrgang habe.

„Komm, beeil dich mal.“ Eine tiefe Stimme erklingt irgendwo links von mir. Ich bleibe wie angewurzelt stehen und rühre mich erst, als es schon zu spät ist.

„Hey, guck mal, wer hier ist!“, ruft jemand triumphierend, und ich weiß auch so, dass es sich nur um Andrew Webster handeln kann, denn seine Stimme hat diesen bescheuerten heiseren Klang, sobald er lauter wird. Er ist ungefähr so intelligent wie ein Stein.

Andrew ist nicht alleine, als er hinter einem dicht gewachsenen Strauch hervortritt. Er hat Kevin mitgebracht, und zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass ich ihn kenne. Der Junge, der mich mit zusammengekniffenen Augen ansieht, hat mich noch vor vier Wochen verprügelt, weil ich an meinen Spind wollte, der sich direkt neben seinem befindet. Ich habe ihn aus Versehen mit meinem Rucksack angerempelt, und ganz offensichtlich dachte er, ich wollte ihn provozieren. Oder vielleicht hat er auch nur einen Grund gesucht, eine Schlägerei anzuzetteln.

Kevin spannt seine Muskeln an. „Dich kenne ich“, sagt er langsam.

Ich erwidere nichts. Die Art, wie er spricht, verrät mir, dass er mich noch immer nicht leiden kann und keineswegs vorhat, mich einfach so davonkommen zu lassen. Ich bin geübt darin, andere Leute einzuschätzen. Aber leider bin ich nicht so geübt im Abhauen. Ich versuche, wortlos an den beiden vorbeizugehen, aber plötzlich schnellt Andrews Arm vor und packt mein Handgelenk.

„Du bist Joshua aus meinem Biokurs“, stellt Andrew fest. Ich sehe ihn nicht an. Mein Herzschlag beschleunigt sich, als ich daran denke, wie schmerzhaft meine letzte Prügelei ausgegangen ist. Ich hatte ein blaues Auge, zwei geprellte Rippen und eine aufgeplatzte Lippe. Dazu noch unzählige blaue Flecken. Nicht zu vergessen: Meine Würde, die mir irgendwann zwischen dem Schlag aufs Auge und dem Tritt in die Weichteile abhanden gekommen ist.

Eine Stimme in meinem Kopf schreit mich an. Du bist ein Versager. Du schaffst es nicht einmal, dich zu wehren!

Das stimmt. Ich bin nicht sonderlich stark, weswegen ich mich aus Prügeleien raushalten sollte, wenn ich nicht ständig herumrennen will wie ein lädierter Sandsack, auf den jeder schon mal draufgehauen hat. Was ich ohnehin tue, ob ich will oder nicht. Man wird ja nicht gefragt, ob man verhauen werden möchte oder lieber doch nicht.

„Lass mich los“, sage ich schwach. Ich weiß, dass es keinen Zweck haben wird, weil Kevin dieses breite Grinsen aufsetzt, das sie alle aufsetzen, wenn sie mich verprügeln.

„Kommt nicht in Frage. Ich war noch nicht fertig mit dir.“ Andrew hält mich noch fester, als Kevin auf mich zukommt. „Da will man rauchen gehen und findet einen Schulschwänzer. Was willst du hier, du Loser?“

„Nichts“, entgegne ich heiser. Ein Teil von mir hofft immer noch, dass ich vielleicht davonkommen kann, ohne wieder als Sandsack herhalten zu müssen.

„Ja, genau. Ich denke, du brauchst mal wieder eine Abreibung.“

Andrew muss lachen, als ich versuche, seinem Freund auszuweichen. „Guck mal, der macht sich gleich in die Hose.“ Er lacht nur noch lauter, und wenn ich könnte, würde ich ihm meine Faust ins Gesicht rammen. Kevin sieht mich lange an, bevor er etwas sagt. „Kannst du gut schwimmen, Feigling?“

Ich schweige. Was denken sie sich wohl jetzt wieder aus?

„Wenn du nicht bis zum Grund tauchst, dürfen wir dich schlagen, bis du nicht mehr weißt, wer du bist, du Idiot.“ Kevin lächelt mich beinahe freundlich an.

Ich werfe einen Blick auf das Wasser. Es sieht nicht so tief aus, soweit ich das beurteilen kann. Ich möchte nicht schon wieder, nicht zum tausendsten Mal mit Verletzungen nach Hause kommen und meiner Mutter erklären müssen, was passiert ist und warum ich so aussehe. Wenn ich es schaffe…

„Wenn du es schaffst“, spricht Kevin meine Gedanken aus, „dann darfst du gehen. Einfach so. Als wärest du uns nie begegnet.“

Ich sehe ihn an. Meint er es ernst? Das ist schon beinahe ein faires Angebot. Ich nicke. „Na gut.“

„Los.“ Andrew gibt mir einen Schubs, und ich falle beinahe hin. Es ist kalt an meinen Beinen, als ich langsam ins tiefere Wasser gehe. Nach einigen Metern geht mir das Wasser bis zur Brust. Ich versuche, meine Angst zu verbergen, als ich mich umdrehe und zum Ufer blicke, an dem Kevin und Andrew mit verschränkten Armen dastehen und mir zuschauen. Das müsste ich schaffen. Es sind allenfalls fünf Meter Tiefe. Dann hole ich tief Luft. Und tauche.

Ich sehe nichts, obwohl meine Augen weit aufgerissen sind. Es ist dunkel; schwarzes Wasser. Ich frage mich, wie ich überhaupt wissen soll, wo der Grund ist, und ob es hier sowas wie riesige Raubfische gibt. Kann ich es überhaupt schaffen?

Das Wasser schmeckt abgestanden in meinem Mund, und die Dunkelheit verwirrt mich. Ich kann noch immer nichts sehen. Vielleicht bin ich um die drei Meter getaucht, aber ich spüre noch immer nicht den Grund unter mir. Der Druck auf meine Ohren ist so unangenehm, dass es sich anfühlt, als würde mein Trommelfell jede Sekunde platzen. Nach einiger Zeit – vielleicht einer Minute – verspüre ich ein immer stärker werdendes Stechen in meiner Lunge. Ich müsste jetzt auftauchen zum Luftholen. Als die Luft immer knapper wird, ist es mir plötzlich egal, ob Kevin mich nochmal verprügelt. Ich will nur noch nach oben. Auftauchen. Atmen. Luft holen.

Mein Brustkorb schmerzt, als ich versuche, mich wieder umzudrehen und nach oben anstatt nach unten zu tauchen. An die Wasseroberfläche. Aber ich kann nichts sehen. Ich werde panisch. Ich trete wie wild mit den Beinen, um mich nach oben zu stoßen, doch da ist kein Grund, an dem ich mich kraftvoll abstoßen könnte. Stattdessen befinde ich mich irgendwo zwischen Boden und Wasseroberfläche.

Helle Punkte kreisen vor meinen Augen, und ich weiß, dass ich es nicht schaffen kann, wieder aufzutauchen, denn das letzte bisschen Luft in meinen Lungen entweicht jetzt.

Ich ertrinke.

Am Ufer des Sees warten Kevin McFuller und Andrew Webster noch immer darauf, dass Joshua Wilson auftaucht.

Erst, nachdem einige Minuten vergangen sind, wird ihnen klar, dass er dazu längst nicht mehr imstande ist.

Fack ju #Gutenberck – Leons Geschichte

CovermitTitel„Jason, komm, mach schneller, wir müssen noch Susi abholen!“, sagt Rick. Jason beeilt sich und springt auf den Truck von Rick. Sie fahren zu Susi, wo auch schon Vanessa und Mike auf sie warten. Sie steigen alle auf den Truck und fahren zu Rebekka, die ihren Geburtstag bei einem Campingausflug feiern möchte. Rick betont nochmal, dass sie aufpassen sollen, da der Truck seinem Vater gehört. Sie wussten, dass Ricks Vater bei der Bundeswehr war und hatten deswegen alle Angst vor ihm.

Nach mehreren Stunden Fahrt weiß keiner mehr genau, wo sie sich befinden. Als sie an eine Abzweigung der Straße gelangen, fahren sie den schmalen Weg hinunter, der sie in den Wald führt. Rick fährt eine Weile auf diesem Weg bis dieser mitten im Wald endet.

„So Leute, wenn das hier kein gruseliger Platz zum Campen ist, dann weiß ich auch nicht“, ruft Rick begeistert. „Nehmt eure Taschen aus dem Truck und schlagt die Zelte auf. In der Zeit mache ich das Feuer, denn bald wird es dunkel “, sagt Mike.

Jason und Rick gehen zum Truck und holen die Getränke zum Feiern von Rebekkas 18. Geburtstag. Zur selben Zeit stellt Susi lautstark an ihren neuen Boxen, die sie extra für diesen Ausflug gekauft hat, die Musik an. Sie feiern bis spät in die Nacht und schlafen erst in den frühen Morgenstunden ein.

Vanessa wacht am nächsten Morgen als Erste mit starken Kopfschmerzen auf. Sie trinkt erstmal einen Schluck Wasser und bemerkt plötzlich, dass Mike nicht da ist .Sie ruft nach ihm und geht ihn suchen, aber sie findet ihn nicht. Verzweifelt weckt sie die anderen und erzählt ihnen, dass Mike nirgends zu finden ist. Zusammen begeben sie sich auf die Suche. Dazu teilen sie sich in kleine Gruppen auf. Plötzlich hören Rick und Susi Hilfeschreie aus einer naheliegenden Höhle. Rick sagt zu Susi, dass sie die anderen holen soll. Er läuft schnell in die Richtung, aus der die Schreie kommen. Rick erkennt schon von Weitem wie Mike hilflos auf dem Boden liegt. Als er dort ankommt, findet er ihn in einer Blutpfütze vor. Er läuft zu ihm und fragt „Was ist passiert?“, doch bevor Mike antworten kann, stirbt er.

Als letztendlich die anderen auch ankommen, sehen sie ihren regungslosen Freund am Boden liegen. Susi und Vanessa können es nicht fassen und brechen in Tränen aus. Rebekka steht wie erstarrt vor ihm und gibt keinen einzigen Ton von sich. Jason und Rick wissen vor lauter Panik nicht was sie machen sollen. Rick packt den Leichnam von Mike auf seine Schultern und schreit „Zurück zum Truck, wir fahren nach Hause!“.

Am Truck angekommen bemerkt Jason, dass die Reifen durchstochen sind. Rick legt Mike auf den Boden ab. Er sagt zu den anderen „Packt eure Sachen, wir laufen zu Fuß zur Straße“. Susi und Rebekka packen alles zusammen. Rick, Jason und Vanessa überlegen, was sie mit Mike machen sollen. Jason legt eine Tüte auf den Boden und wickelt ihn damit ein. Rick packt ihn wieder auf die Schulter und ruft den anderen zu „Kommt schon, macht schneller, wir müssen jetzt los!“.

Beim Aufbruch zur Straße fängt es an zu regnen und der Weg, der sie zur Straße führt, ist nun von den Regenmassen vollkommen zerstört und nicht mehr wiederzuerkennen. Sie gehen immer weiter geradeaus und verlaufen sich. Jason schlägt vor, eine weitere Nacht im Wald zu verbringen und am nächsten Morgen weiter zu gehen.

Sie schlagen ihre Zelte wieder auf und machen ein Feuer. Zwei von ihnen sollen immer Nachtwache halten und sich alle paar Stunden abwechseln. Rick und Susi beschließen zusammen die erste Wache zu halten. Spät in der Nacht, als alle anderen bereits schlafen, wacht Rebekka auf und flüstert „Rick und Susi, geht jetzt schlafen, wir haben morgen einen langen Tag vor uns. Ich halte jetzt hier die Stellung“. Doch einige Minuten später schläft sie ein.

Am frühen Morgen wacht sie auf und läuft zum ersten Zelt um Rick und Susi zu wecken, dann geht sie zum zweiten Zelt von Jason und Vanessa, doch dort ist niemand mehr, es ist leer. Jason und Vanessa sind nun ebenso verschwunden wie der Leichnam von Mike.

Rebekka und Susi geraten in Panik, Rick versucht sie zu beruhigen, damit sie zusammen die anderen suchen können. Sie suchen sie über mehrere Stunden, doch die Suche ist vergeblich. Jason und Vanessa sind nirgends zu finden. Rick schreit: „Wir müssen zurück zum Truck, im Handschuhfach liegt eine Karte.“ Ohne zu zögern laufen Susi und Rebekka Rick hinterher. Als sie am Truck sind, holt Rick die Karte und sagt: „Mein Vater versteckt seine Gewehre hinter der Rückbank im Truck.“ Er holt drei Gewehre raus und gibt Susi und Vanessa jeweils eins. Sie schauen auf die Karte und entdecken einen Highway, der in der Nähe des Waldes liegen soll. Die Gruppe, die jetzt nur noch aus den übrigen dreien besteht, macht sich verzweifelt auf den Weg.

 

Nach mehreren Stunden, die sie mittlerweile durch den Wald gegangen sind, bemerkt Rick ein kleines abgelegenes Haus, das sich nur schwer aus der Ferne erkennen lässt. „Seht ihr das Haus dort hinten? Womöglich wohnt dort jemand, der uns weiterhelfen kann. Lasst uns dahin laufen, seid dennoch auf alles gefasst, wer weiß, was uns dort erwartet.“

Da fast schon die Abenddämmerung bevorsteht, müssen sich die Drei beeilen um anzukommen bevor es dunkel wird. Sie beginnen zu rennen vor lauter Furcht und Angst als nächstes das Opfer einer mysteriösen Mordtat zu werden. Als sie sich immer weiter dem Haus nähern bemerken sie, dass dort ein kleines Licht brennt. Es ist jedoch schwer zu erkennen, ob sich jemand im Haus befindet. Die Fenster sind mit dunklen Vorhängen abgedunkelt und es herrscht eine beunruhigende Stille vor dem Haus. Rebekka packt Susi am Arm, lässt sie vor lauter Angst beinahe gar nicht mehr los und drückt sie immer fester.

Die Drei nähern sich der Eingangstür, Rick entsichert sein Gewehr, hält es schussbereit und rückt immer langsamer die kleine Treppen hinauf. Plötzlich geht die Tür langsam auf. Rick schreit auf und schießt mehrere Male ins Leere.

Er dreht sich um, um nach Rebekka und Susi zu schauen, doch die sind plötzlich auch verschwunden.

 

Fack ju #Gutenberck – Lailas Geschichte

CovermitTitelEr kam mal wieder nicht nach Hause. Es war Dienstagabend 22 Uhr und dieser Junge dachte gar nicht daran wenigstens anzurufen. Ob er sich diese Nacht überhaupt noch hier blicken lassen wollte? Wahrscheinlich ist er auch heute nicht zur Schule gegangen. Ich hatte es aufgegeben ihn davon zu überzeugen, dass er sich doch wenigstens dreimal pro Woche dort blicken lassen sollte. Doch diesmal ging er zu weit. Mir war es inzwischen egal, ob er zwei Tage lang wegblieb nur um total verschmutzt hier aufzukreuzen, etwas zu essen und dann wieder abzuhauen. Doch für dieses Mal hatten wir vereinbart, dass er heute spätestens um 21 Uhr zuhause sein sollte, damit er seinen Vater begrüßen konnte. Mein Mann kam heute von einer zweimonatigen Geschäftsreise zurück. Er und mein Sohn sahen sich sowieso viel zu selten.

Ich lag auf dem Rücken und blickte in den Himmel. Hier in der Stadt war es sowieso zwecklos, nachts in den Himmel zu schauen. Man sah doch eh keine Sterne. 22:33 Uhr, er würde wohl bald zuhause ankommen.

Es war mir egal, er interessierte sich doch eh nicht für mich. Wenn ich ihm noch etwas bedeuten würde, wäre er öfter zuhause. Oder wenn meine Mutter ihm noch etwas bedeuten würde. Ständig wartete sie auf ihn. Und wenn er dann mal kam, für zwei Wochen oder so, dann spielte sie die glückliche Familie und tat so, als wäre alles in Ordnung. Doch das war es schon lange nicht mehr. Ja, ich hatte ihn einmal geliebt. Er war mein Vorbild, doch das war er jetzt schon lange nicht mehr.

“Hey, was ist los? Was sitzt du hier so alleine rum?“. Marc kam auf mich zu. Er war ein alter Freund. Wir kannten uns schon lange.

„Ach“, antwortete ich, „es ist nichts“.

„Nichts?“, Marc zog skeptisch eine Augenbraue hoch, „dann komm doch rüber, alle warten auf dich“. Er kannte mich zu gut.

Ich hatte jetzt keine Lust ihm von meinen Problemen zu erzählen. Aber ich sagte nichts, zu den anderen gehen zu müssen hatte ich jetzt mal so gar keinen Bock. Ich überlegte, Gefühle waren nicht so mein Ding. Ich erzählte nicht gerne etwas über mich und ich wollte auch nichts über die Gefühlswelten der anderen wissen. Ob Freunde oder Familie, es interessierte mich nicht. Es war mir viel zu anstrengend mich mit so etwas auseinanderzusetzen.

„Ja, ja, ich komme gleich“, sagte ich. Aber ich kam nicht. Ich hatte einen Plan. Heute würde sich mein Leben ändern. Ich würde entfliehen aus diesem falschen, tristen Leben indem jeder jeden anlog, um selber den besten Profit aus seiner Situation herauszuschlagen. Aber ich wollte nicht so enden. Ich wollte etwas Größeres schaffen als all diese trägen Junkies, die zahlreich in meinem Viertel abhingen.

Es tat mir Leid für meine Mutter, sie hatte immer nur das Beste für mich gewollt. Aber wenn ich hierblieb, würde ich in diesem Alltag zerfließen. Ich würde, wenn ich meine Schule geschafft habe, in einem Büro genau wie mein Vater, der Versager, arbeiten. Und dann würde ich sterben ohne etwas erreicht zu haben. Alle würden mich vergessen. Ich wäre bedeutungslos für diese Welt. Einer von vielen, in der Masse verloren gegangen. Nein. Ich musste jetzt gehen. Es war höchste Zeit.

„Leo, wo bist du?“, die Stimme von Ophelia. Sie war hier. Ich drehte mich um und ging. Es wäre zu schmerzhaft für mich gewesen, sie noch einmal zu sehen. Sie nochmal in meinen Armen zu spüren. Sie war der einzige Mensch, den ich jemals geliebt habe. Aber ich musste mich von ihr lösen. Ich war nicht gut für sie. Ich ging unter der Brücke hindurch, fort von New York, fort von meinem alten Leben. Es war 22:53 Uhr.

Marie Luise wartete auf ihren Sohn und ihren Mann. Es war zwecklos. Sie entschied sich dazu, in das Auto einzusteigen und ihren Sohn zu suchen. Es regnete. Eine zierliche Frau mit dunkelgrünen Augen und braunen lockigen Haaren fuhr die nasse Straße zum Wackberg hinauf. Es regnete immer stärker. Die Frau konnte fast nichts mehr erkennen. Da, plötzlich erschien ein Junge mit blaugrünen Augen und schwarzem Haar. Er war es, daran gab es keinen Zweifel. Sie versuchte zu bremsen, der Wagen geriet ins Schleudern. Sie bekam Panik, der Wagen schlitterte unaufhaltsam dem Abhang entgegen. Es war zu spät, das erkannte Marie Luise als der Wagen sich überschlug, einige Sekunden in der Luft blieb, um dann mit einem lauten Krachen zwischen den Gebüschen stehenzubleiben.

Das Dach war komplett demoliert, die Autotür der Fahrerseite war in das Auto eingedrückt. Leo rannte auf das Auto zu. Als er seine tote, entstellte Mutter sah, fing er an zu schreien. Er schmiss sich auf die regendurchnässte Erde. Er stand unter Schock. Er würde niemals mehr in der Lage sein, seiner Mutter all die Liebe zu geben, die sie ihm geschenkt hatte.

Das musste er nun unter Schmerzen erkennen.

Fack ju #Gutenberck – Katharinas Geschichte

CovermitTitelAlles sollte sich ändern

Ich lief, einfach immer geradeaus. Ich wusste nicht wohin, aber das war auch erst mal egal. Hauptsache weg.

Nachhause konnte ich nicht mehr, meine Eltern würden mich nicht lassen. Aber das war mir auch egal, zu denen wollte ich nicht mehr. Zu meinen Freunden wollte ich auch nicht, sie waren eh schon von mir genervt, weil ich anders war. Aber auch das interessierte mich nicht mehr, also lief ich weiter.

Bis ich an einem Wald landete. Hier war ich schon mal, aber ich konnte mich nicht mehr erinnern mit wem oder wann, es hatte sich alles verändert. Also beschloss ich einfach noch weiter zu laufen, es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Doch irgendwann war ich an einem Punkt angekommen, wo ich mich sicher fühlte, ich wusste weder wo ich war noch weshalb ich mich hier wohlfühlte, aber es war so.

Also suchte ich mir in der Nähe einer alten Buche ein sicheres Versteck, wo ich diese Nacht verbringen konnte.

Nachdem ich eine windgeschützte Stelle gefunden hatte, legte ich mich hin um zu schlafen, doch ich konnte nicht, vor meinem Auge schwebten Bilder. Die Menschen, die dort waren, kamen mir nicht bekannt vor, trotzdem wollte ich wissen, wer sie waren. Ich wollte nur ein paar Antworten, doch ich hatte niemanden, der sie mir geben konnte, ich war allein, irgendwo im Nirgendwo, aber ich hatte weder Angst noch ein schlechtes Bauchgefühl. Das Einzige, was in meinem Kopf vor sich ging, waren die Bilder und die Müdigkeit.

Es war wie in einem Teufelskreis. Ich schloss die Augen um zu schlafen, doch ich sah wieder diese Gesichter und als ich sie öffnete, konnte ich nicht schlafen. Also blieb ich bis tief in die Nacht wach, um über alles nachzudenken, doch ich musste schlafen um für den nächsten Tag genug Kraft zu haben um nach Antworten zu suchen.

Nach weiteren schlaflosen Stunden schloss ich die Augen, ich war so müde, dass ich keine Kraft mehr hatte um mir die Bilder vorzustellen, doch selbst in der Nacht verfolgten sie mich noch. Am nächsten Morgen wachte ich auf und mir wurde schmerzlich bewusst, dass ich nichts mehr hatte, keine Familie, keine Freunde, nur mich und das Nichts in meinem Kopf.

Plötzlich bewegte sich etwas in meiner Nähe, ich schreckte auf und wollte gerade losrennen doch ich hörte eine Stimme, die mir bekannt vorkam. Wieder einmal wusste ich nicht, wem diese Stimme gehörte, also drehte ich mich langsam um, um zu sehen, wer da hinter mir stand. Als ich dieser Person eigentlich direkt in die Augen blicken müsste, war dort niemand zu sehen. Stattdessen bewegte sich etwas zu meiner Linken, ich drehte mich so schnell ich konnte um, aber wieder war niemand zu sehen. Beim dritten Knacken, diesmal zu meiner Rechten, versuchte ich mich langsam und geräuschlos umzudrehen. Und es funktionierte, vor mir stand ein scheinbar verängstigtes kleines Mädchen.

Sie sah komisch aus, ich hatte noch nie so ein dürres, dreckiges, kleines Mädchen gesehen. Und auch wenn ich mich an sonst nichts erinnern konnte, war ich mir sicher.

Ich hatte in mir Glücksgefühle, weil ich mich endlich wieder an etwas erinnern konnte, auch wenn diese Erinnerung nichts mit meinem früheren Leben zu tun hatte. Denn außer an meine Eltern und meine besten Freunde erinnerte ich mich an nichts mehr.

Ich wurde von einem erneuten Knacken aus meinen Träumen geholt. Und mir wurde bewusst, dass dieses Kind immer noch vor mir stand. Es ging mir ungefähr bis zu meinen Ellenbogen, ich schätzte das Mädchen so auf sechs bis sieben Jahre, sicher war ich mir aber keineswegs. Ich wollte den Namen des Kindes wissen, doch ich hatte das erste Mal seit langem ein Gefühl von Angst, denn mir wurde gerade bewusst, dass das Mädchen nicht mit Dreck voll war. Ich war mir nicht sicher, aber das Zeug auf ihren halb zerrissenen Klamotten sah aus wie getrocknetes Blut.

Ich bekam innerlich Panik, doch ich wusste, wenn ich jetzt eine zu hastige Bewegung machen würde, wäre das Kind wieder weg. Also beschloss ich mich hinzuhocken, um vielleicht mit ihr reden zu können. Als ich gerade in die Hocke gegangen war, machte das Kind einen hastigen Schritt nach hinten. Wenn man dies überhaupt einen Schritt nennen konnte, es war eher ein kleiner Sprung. Sie stand auch nicht, sondern hockte eher so wie ich, nur dass sie sich auf ihren Händen aufstützte. Insgesamt wurde die Lage für mich immer komischer, doch jetzt hatte ich keine Möglichkeit mehr einfach zu gehen.

Also versuchte ich sie zu fragen wie sie hieß, doch es kam kein Ton aus meinem Mund, er war viel zu trocken. Ich versuchte es noch einmal, es war eher ein Kratzen doch ich war sicher, dass sie es verstehen würde. Sie guckte mir jetzt direkt in die Augen, es machte mir Angst. Sie hatte schwarze Augen, das hatte ich noch nie gesehen. Sie öffnete ihren Mund und es kam ähnlich wie bei mir ein leises Kratzen heraus, das ich als Jane deutete. Ich wiederholte es noch einmal und sie nickte. Jane, was für ein schöner Name, dachte ich mir.

Jetzt wo ich ihren Namen kannte, kam sie mir gar nicht mehr so gruselig vor. Ich versuchte mich ihr langsam zu nähern. Und ich wunderte mich, als sie in ihrer Position blieb.

Ich wusste immer noch nicht, was ich von ihr halten sollte, doch ich wollte nicht länger dort sein, also versuchte ich mit ihr zu reden. Doch wie zuvor kam kein vernünftiger Ton aus meinem Mund. Nach weiteren Versuchen kam endlich ein Ton heraus, ich fragte sie, ob sie wüsste, was sie hier macht, doch sie schüttelte schnell ihren Kopf. Schade, dachte ich mir.

Ich stellte ihr viele weitere Fragen, doch sie konnte mir keine meiner Fragen beantworten, was ein Mist. „Wie lang bist du schon hier allein im Wald?“, fragte ich sie. Und zu meiner Überraschung schien sie nachzudenken. „Lange!“, kam es eiskalt aus ihrem Mund, ihre Kinderstimme hörte sich sehr dunkel an, nicht wie bei einem normalen Mädchen in ihrem Alter.

Ich wunderte mich, doch beschloss nicht weiter darauf einzugehen, genug Angst hatte ich eh schon. Ich streckte ihr meine zittrige Hand entgegen und wunderte mich erneut, als sie ihre kleine Hand in meine legte. Ich zog sie langsam näher zu mir und als sie nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt war, wollte ich ihre Hand loslassen, doch sie hielt sie fest.

Ok, wenn sie es möchte. Also schloss ich sanft meine Hand wieder. Ich beschloss mit Jane an einen kleinen Bach zu gehen, den ich leicht rauschen hörte. Als wir nach wenigen Minuten angekommen waren, zog ich sie bis zu den Knöcheln in das kühle Wasser. Ich empfand es als sehr angenehm und Jane schien es ebenfalls zu gefallen, denn sie ließ meine Hand los und ging weiter in den Bach hinein.

Tief war er nicht, vielleicht fünfzig Zentimeter, ihr ging er allerdings bis zu den Oberschenkeln. Ich beschloss mich etwas mit dem Wasser zu waschen, also machte ich auch ein paar Schritte in das Wasser hinein. Als wir uns beide gewaschen hatten, fiel mir auf, dass ihre zuvor braunen Harre jetzt blond waren und auch ihre blutigen Klamotten waren sauberer als vorher. So gruselig schien sie gar nicht mehr, nur ihre Augen machten mir noch Angst, sie waren schwarz wie die Nacht.

Nachdem wir beide wieder einigermaßen trocken waren, suchten wir einen Unterschlupf für die Nacht, denn mir war nicht aufgefallen, dass es bereits anfing zu dämmern. Als wir einen geeigneten Platz gefunden hatten, schlief Jane ziemlich schnell ein. Es wunderte mich, dass sie ihren kleinen dünnen Arm um mich gelegt hatte. Mir schien es, als ginge es uns ähnlich, wir beide waren allein und wie es mir vorkam, konnte sie sich auch an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern.

Als ich aufwachte war es noch dunkel, mir kam es vor, als hätte ich drei Tage durchgeschlafen. Als ich in Janes Gesicht blickte und sie mir mit zittriger Stimme erklärte, dass ich fast eine Woche geschlafen hätte, wurde mir klar, dass etwas nicht mit mir stimmte. Ich versuchte aufzustehen, doch mir wurde schnell bewusst, dass ich mich nicht rühren konnte. Als ich wieder zu Jane sah und ich erschrocken feststellen musste, dass wir beide gefesselt waren, wurde mir wieder schwarz vor Augen.

Als ich wieder wach wurde, stand ein Mann vor mir. Er schaute mir direkt in die Augen, es machte mir Angst, doch ich beschloss dem eisernen Blick standzuhalten. Als ich bemerkte, dass er sich mit kleinen Schritten von mir entfernte, fiel mir ein Stein vom Herzen.

Ich fing an nach Hilfe zu schreien, doch es schien, als würde mich niemand hören. Ich weinte solange wie ich in meinem Leben noch nie geweint hatte. Aber da wurde mir wieder schmerzlich bewusst, dass ich mir gar nicht sicher sein konnte, ob ich jemals geweint hatte, denn ich konnte mich ja an nichts mehr erinnern.

Ich schreckte hoch, als ich Schritte hörte. Es war wieder dieser Mann, doch diesmal war er nicht allein. Sie waren zu dritt. Als der eine eine Pistole auf mich und Jane richtete, wobei Jane nichts davon mitbekam, denn sie schien zu schlafen, wollte ich wieder losweinen. Doch ich ließ es, denn ich wollte wenigstens einmal stark bleiben. Der Typ mit der Pistole in der Hand fing an zu lachen, doch es war kein normales Lachen, es klang eher wie ein Kratzen. Plötzlich hörte ich einen Schuss, ich drehte mich instinktiv zu Jane um nach ihr zu sehnen, doch sie schien in Ordnung zu sein. Zwar hatte sie nun ihre Augen geöffnet, doch nur wegen dem lauten Knall der Pistole, die immer noch in der Hand des Mannes verweilte. Zwei der drei Typen waren bereits gegangen und nach ein paar Minuten folgte ihnen der Dritte, nachdem er uns die ganze Zeit angestarrt hatte.

Jane und ich wechselten die restliche Zeit kein Wort. Irgendwann schlief ich wieder ein, denn mein Körper hatte sein Zeitgefühl verloren. Ich wusste weder wie lange wir schon hier waren noch wie viel Uhr es gerade war.

Als ich meine Augen öffnete, lag Jane nicht mehr neben mir. Ich schnellte hoch, doch konnte sie nirgends entdecken. Ich hörte einen lauten schrillen Schrei, bevor ein Knall ertönte. Ich schrie los, aus Angst um Jane. Auch wenn wir nicht viel redeten und ich eigentlich gar nichts über sie wusste, war sie wie eine Schwester für mich. Einer der Männer, die bereits einmal bei mir gewesen waren, kam in das Zimmer, in dem ich lag. Er drohte mir, dass, wenn ich nicht sofort leise wäre, genau dasselbe mit mir passieren würde wie mit meiner Freundin. Ich sah ihn erschrocken an, ich öffnete meinen Mund, um ihn zu fragen, was mit Jane passiert ist und siehe da, ich konnte reden. Meine Stimme klang zwar etwas ängstlich, doch ich versuchte es so gut es ging zu überspielen. Doch der Mann antwortete mir nicht, er drehte sich einfach um und verschwand.

Ich lag weitere Stunden, Tage und Wochen in dem Zimmer allein. Jeden Tag um dieselbe Zeit bekam ich etwas zu essen, Brot und Wasser.

Ich fühlte mich so allein wie noch nie, Jane war tot und ich wusste nicht wie lange ich hier noch bleiben würde, bis ich wieder bei ihr war. Bei diesem Gedanken wurde mir kalt ums Herz, denn kurz bevor Jane gestorben war, hatten wir uns geschworen, dass wir, egal was passieren würde, versuchen würden zu fliehen, egal ob die andere tot war. Ich wollte sie nicht enttäuschen also schmiedete ich einen Plan.

Nach weiteren Tagen, wie viele genau wusste ich nicht, denn nach siebzig hatte ich aufgehört zu zählen, war die Zeit gekommen.

Einer der Männer hatte vor ein paar Wochen sein Messer fallen lassen und es war ihm nicht mal aufgefallen. Ich versuchte gerade das Seil, das um meine Hände gebunden war, zu lösen, als sich die schwere Eisentür, die zu meinem Zimmer führte, öffnete. Ich wusste, es würde jetzt Essen geben und es war meine einzige Chance zu flüchten, denn die Türe war immer verschlossen, wenn ich alleine im Zimmer war.

Ich hatte gerade das Seil durchtrennt, als der Mann das Essen vor mich stellte. Es wurde mir immer gewaltsam in den Mund gezwängt. Jetzt war genau der richtige Augenblick.

Also zog ich das Messer hinter mir hervor und stach es dem Typen direkt ins Herz. Er fiel sofort um und ich stand auf um wegzurennen.

Bei den ersten Schritten war ich sehr wackelig auf den Beinen, doch nach einigen Metern fühlte ich mich so frei, dass es mir egal war wo ich lang rannte. Einfach weg.

Als ich nach gefühlten Stunden an einer Straße angekommen war, sah ich in der Ferne eine Stadt und ich wusste, würde ich es bis dorthin schaffen, war mein Überleben fürs Erste gesichert.

Noch einmal drehte ich mich um und sah in den Wald zurück, in dem ich festgehalten wurde, hier wollte ich nie wieder sein.

Ich rannte los.

Fack ju #Gutenberck – Hendriks Geschichte

CovermitTitel27

„Schatz, hast du auch alles gepackt?“, rief die Mutter aus der Küche.

„Ja, ich denke schon“, entgegnete der Vater genervt.

Kurze Zeit darauf stiegen die Eltern mit ihren Kindern Tom, Sara und Leon in das Auto ein und fuhren in Richtung wohlverdienten Urlaub. Nach fünf Stunden Fahrt kamen sie am Hotel an, es war genau wie sie es sich vorgestellt hatten: große Poolanlage, kurzer Weg zum Strand, an dem sich wohl bemerkt eine kilometerlange Promenade befand, auch der versprochene Panoramaausblick vom Zimmer aufs Meer war vorhanden. Voller Vorfreude betraten sie das Hotel, es war ein sehr altes Hotel, in einer der besten Lagen.

„Guten Tag, Schneider mein Name, wir haben zwei Zimmer für das Wochenende gebucht.“, sagte der Vater zur freundlich aussehenden Dame an der Rezeption.

„Oh ja genau… hier ihre Schlüssel. Zimmer 7 und 9.“

Der Vater nahm die Schlüssel, bedankte sich und brachte zusammen mit seiner Frau das Gepäck auf das Zimmer. Sie räumten ihre Sachen aus und bestaunten das Zimmer. Die drei Kinder suchten direkt nach einer Beschäftigung, das Einräumen des Zimmers hatte schließlich noch Zeit.

Sie gingen an die hoteleigene Poolanlage und freuten sich schon auf das Programm. Jedoch fand an diesem Tag kein Programm statt, so stand es zumindest auf einem kleinen Schild neben der Poolanlage. Enttäuscht und gelangweilt gingen sie wieder ins Hotel.

Gerade als sie die knirschende Hoteltreppe hinaufgingen, fiel Leon, dem ältestem Sohn, ein, dass sie doch Verstecken spielen könnten. Da wie immer keiner freiwillig suchen wollte, lösten sie das Problem wie immer: Sie spielten „Gerade – Ungerade“. Tom, das jüngste der drei Kinder, zog mit seinem Bruder Leon jedes Mal dieselbe Masche durch, sie sprachen sich ab, so dass ihre Schwester, Sara, jedes Mal suchen musste. So war es auch dieses Mal.

Leon versteckte sich im Zimmer der Eltern unter dem Bett. Tom ging über die knirschende Hoteltreppe hoch in den 4. Stock, er war verlassen. Alle Türen waren geschlossen, bis auf die Hinterste. Es lag ein leicht modriger Geruch in der Luft, es war ein beißender Geruch, der mit jedem Schritt intensiver wurde. Jedoch wollte er nicht riskieren als Erster gefunden zu werden, weswegen er sich der leicht geöffneten Tür am Ende des Gangs näherte. Er öffnete die Tür einige Zentimeter, sie quietschte, es erschütterte ihn bis ins Mark. Mit leicht zittrigen Knien betrat er das Zimmer.

Auf der Tür war nur noch schwer erkennbar die Nummer 27 zu sehen. Als er ein paar Schritte in das verwaiste Zimmer machte, knallte die Tür hinter ihm zu wie durch einen heftigen Windstoß. Sofort versuchte Tom die Tür zu öffnen, doch es klappte nicht, egal wie feste und lange er es auch probierte.

Zur selben Zeit hatte Sara Leon schon im Zimmer ihrer Eltern gefunden, da es so üblich war, musste Leon nun mit suchen. Minuten, fast Stunden vergingen, ohne dass sie Tom fanden. Als sie noch einmal das ganze Hotel durchsuchen wollten, begegneten sie den Eltern in der Eingangshalle, sie kamen wohl gerade von einem Besichtigungsgang durch das Hotel.

„Und habt ihr auch viel Spaß, Kinder? Wo ist denn Tom?“, fragte die Mutter neugierig. „Ja…wie sollen wir es sagen, wir haben Verstecken gespielt und suchen Tom schon seit fast zwei Stunden. Wir haben das ganze Hotel schon durchsucht.“

Völlig außer sich erzählte die Mutter dem Vater, was passiert war.

Währenddessen entdeckte Tom, auf der Suche nach einem anderen Ausgang des Zimmers, eine weitere Tür hinter einem Vorhang. Mit zittrigen Knien und vor Nervosität leicht feuchten Händen stand Tom nun vor dem Vorhang der versteckten Tür. Mit langsamen Schritten ging er auf den Vorhang zu, mit einem Ruck riss er den Vorhang beiseite.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Eltern immer noch außer sich, doch der Hotelmanager versuchte mit ihnen zu reden und sie zu beruhigen.

„Wir werden ihn schon finden, behalten sie nur die Ruhe.“, sagte er zu ihnen.

Gerade als sie sich auf die Suche machen wollten, kam ein weitere Vater zu dem Hotelmanager. Völlig aufgelöst erzählte er dem Manager, dass er seine Tochter vermisse und schon seit über einer Stunde suche. Auch ihn versuchte der Hotelmanager zu beruhigen und schlug vor gemeinsam nach den Kindern zu suchen. Natürlich hatte keiner der Eltern etwas dagegen einzuwenden.

Zur gleichen Zeit öffnete Tom vorsichtig die Tür, nach einigen Sekunden hielt er inne. Er hörte ein leises Schluchzen, fast schon ein Weinen. Er öffnete die Tür nun ganz, er konnte keinen Meter weit gucken, so eine Dunkelheit hatte er vorher noch nie erlebt. Da war es schon wieder, das Schluchzen aus der hintersten Ecke. Seine Knie fingen immer mehr an zu zittern, ängstlich stand er nun da in dem düsteren Raum. Er bemerkte noch ein weiteres Kind. Ein Mädchen, welches weinend in der Ecke hockte.

„Spielst du auch Verstecken?“ fragte er sie. „Nein.“, sagte sie schluchzend „Ich wollte nur in mein Zimmer, aber der Mann vom Hotel hat mich dann hier eingesperrt.“

Daraufhin fängt sie wieder an zu weinen, Tom kniete sich neben sie und versuchte sie zu trösten.

Bei der Suche nach den Kindern fiel Toms Vater auf, dass der Hotelmanager komischerweise alleine nach den Kindern suchen wollte. Das fand der Vater merkwürdig, denn der Hotelmanager hat sich seit dem Verschwinden der Kinder sehr seltsam verhalten. Deswegen folgte er dem Hotelmanager heimlich in den dritten Stock, dies war schwerer als gedacht, da die Hoteltreppe bei jedem Schritt quietschte. Plötzlich stieg der Manager in den Aufzug, der Vater musste jetzt schnell handeln. Er beschloss, kurz bevor sich die Türen schlossen, mit in den Aufzug zu steigen. Mit erschrecktem und nervösem Blick schaut der Manager den Vater an. Nach wenigen Sekunden drückt der Vater voller Zorn den Notschalter. Der Aufzug blieb mit einem kräftigen Ruck stehen. Ein Schweigen lag in der Luft. Der Vater baut sich vor dem Hotelmanager auf, das Licht flackert und geht aus.

Fack ju #Gutenberck – Farinas Geschichte

CovermitTitelD1527

Das Nichts beginnt mit lauwarmem Salzwasser, welches meine Füße umspielt. An mehr erinnere ich mich nicht.

Wann immer ich versuche, mich zu entsinnen – denn ich weiß, dass es mehr geben muss -, verspüre ich ein Gefühl der Leere in mir. Auf seltsame Art und Weise bereitet mir dies mehr Sorgen als alles Andere. So einen großen Teil meiner selbst nicht zu kennen, schmerzt mich.

Ich bin jetzt sechzehn. Das sagen sie zumindest. An sechzehn Jahre meines Lebens erinnere ich mich nicht. Der größte Teil meiner Gedanken ist umgeben von Schwärze. Wenn ihr wissen wollt, wie es sich anfühlt, dann macht die Augen zu. Versucht, nichts zu hören oder zu riechen. Denkt an nichts. Was ich eigentlich sagen will: Hört auf zu existieren. Neustart.

Wacht auf. Ihr seid verwirrt, nicht wahr?

Ich war es.

Das Metall ist eiskalt an meiner Haut. Instinktiv versucht mein Körper, den Kontakt mit der kühlen Oberfläche zu vermeiden. Zu meiner Überraschung muss ich feststellen, dass ich an den Operationstisch festgekettet bin. Die Haut an meinen Handgelenken ist aufgerissen und getrocknetes Blut klebt daran. Was ist passiert? Habe ich geschlafen? Oder geträumt?

Nein. Die wenigen Erinnerungen, die ich habe, sind so klar und gestochen scharf wie die verrückte Wirklichkeit. Ich vermute mal, dass ich eine Gefangene bin. So geschwächt, wie ich bin, wäre ich niemandem eine Gefahr. Der bloße Gedanke ist so lächerlich, dass ich kurz lachen muss. Der Laut hallt gespenstisch wider, bis er von der Dunkelheit verschluckt wird.

Ich weiß nicht, wie lange ich auf dem Tisch gelegen habe, als ich Schritte höre. Das Klicken eines sich öffnenden Schlosses dringt an mein Ohr. Sekunden später geht das Licht an. Es ist so gleißend hell, dass ich zuerst nichts erkennen kann. Grüne Punkte tanzen vor meinen schmerzenden Augen. Schließlich kann ich zwei in weiß gekleidete Gestalten ausmachen. Sie mustern mich aufmerksam. Ich beginne, mich unwohl zu fühlen. Das Einzige, was ich trage, ist ein dünner Kittel. Ansonsten nichts – darunter ein hilfloser Mensch, der sich nicht zu helfen weiß. Das dachte ich zumindest.

Sie fangen an, mir von Experimenten zu erzählen, an denen ich teilgenommen habe. Wichtige Entscheidungen und Fortschritt. Ich bin ein Fortschritt in der Forschung und wertvoll für die Menschheit. Schnell wird mir klar, dass dies nichts Gutes für mich bedeutet. Ich höre ihnen zu, wie oft sie mich aufgeschnitten haben. Wie sie mir alles herausgenommen und künstliche Organe eingesetzt haben. Wie kann ich noch ein Mensch sein, wenn ich keiner mehr bin…?

Alles, was sie mir sagen, hat mit verrückten und neuartigen Operationsmethoden zu tun. Also klinke ich mich aus und spiele vor meinem inneren Auge meine einzigen Erinnerungen ab. Stundenlang laufe ich am Strand entlang und konzentriere mich nur auf den kühlen Wind, der meine nackte Haut liebkost. Wenn ich wieder in der Wirklichkeit ankomme, kann ich das Salz beinahe auf meinen Lippen schmecken.

Obwohl ich alles mitkriege, werden meine Erinnerungen und mein Gedächtnis nicht angesprochen, was mich zu der Annahme treibt, dass etwas nicht stimmen kann. Ein Fehler im System. Aber ich mache mir nicht die Mühe, sie darauf hinzuweisen. Was würden sie tun? Etwas sagt mir, dass sie damit nicht einverstanden wären. Ich bin ihr Experiment. Sie haben mich erschaffen. Und ich bin kein gewöhnlicher Androide, zusammengesetzt aus Fleisch und Knochen. Meine Fähigkeit, ungewöhnlich schnell zu lernen und Unbekanntes rasch aufzunehmen und zu verarbeiten macht mich besonders. Besonders unberechenbar.

Und eines Tages höre ich etwas, was nicht für meine Ohren bestimmt ist. Ich weiß es, weil ich das Flüstern aus dem angrenzenden Labor vernehmen kann. Mein Gehör ist in etwa dreimal so gut wie das eines Hundes.

Sie sollte kontrollierten Ausgang bekommen. Früher oder später muss sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, sonst bekommen wir keine Gelder mehr. Sie sollte an all das gewöhnt werden. Falls etwas schief läuft, können wir ja eingreifen und mögliche Fehler beheben.

Mein Herzschlag beschleunigt sich. Werde ich diesen Ort wirklich verlassen? Der Gedanke lässt meine Knie unangenehm weich werden. Ich stehe vom Boden auf und fange an, nervös auf- und abzulaufen. Mein Atem geht schneller. Irgendwann schließe ich die Augen und laufe. Aber nicht in meiner Zelle, sondern an einem weißen Sandstrand, der so schön ist, dass es in meiner Brust schmerzt. Zufriedenheit und Ruhe durchfluten mich und löschen jeden weiteren Gedanken aus.

Es ist ein ruhiger Tag. Geradezu ordinär. Seit meinem Erwachen sind genau dreiundsechzig Tage vergangen. Trotzdem ist etwas anders. Die Aufregung meiner Erschaffer ist fast greifbar. Alle Mitarbeiter sind hektisch. Nur ich strahle Ruhe aus. Ich weiß jetzt, was ich tun muss. Jede Faser meines Körpers ist angespannt. Wir laufen einen Flur entlang, der vom Labor und den Forschungsräumen zum Ausgang führt. Ich werfe nicht einen Blick über meine Schulter. Da ist nichts, was mir fehlen könnte. Meine Aufpasser eskortieren mich zu der massiven Stahltür und geben einen zwölfstelligen Zahlencode ein. Erst dann öffnet sie sich. Ich atme tief ein, als die frische Luft mir entgegen strömt. Zum ersten Mal fühle ich, wie alles, was mich beschwert hat, von mir abfällt. Mit jedem Atemzug steigt die Gewissheit, dass ich das Richtige tue. Die Wächter klammern sich unruhig an ihre Gewehre. Ich weiß, dass sie mit einem lähmenden Nervengift geladen sind, welches sie bei Bedarf injizieren würden. Aber dazu wird es nicht kommen. Ich werde warten, bis sie sich entspannen und mich nicht mehr beachten.

Es dauert zwölf Minuten und siebenundvierzig Sekunden, bis einer von den Beiden seinen Blick schweifen lässt. Höchstwahrscheinlich fragt er sich, wie lange wir hier noch stehen müssen. Nicht mehr lange, denke ich mit grimmiger Entschlossenheit.

Und dann passiert es.

Bevor sie reagieren können, renne ich los. Meine Muskeln registrieren lediglich ein leichtes Ziehen, während ich mich zwinge, so schnell zu laufen, wie ich nur kann. Die Wächter stoßen einen überraschten Aufschrei aus, als sie begreifen, was hier gerade geschieht. Ich muss ziemlich schnell sein. Jeder Zentimeter meines Körpers wurde genetisch so verändert, dass ich keine Erschöpfung verspüre und ihn effektiv einsetzen kann. Wie eine Maschine.

Erst nach vier Sekunden trifft mich einer der Betäubungspfeile am Rücken. Da ich nicht stoppen darf und will, lasse ich ihn stecken und renne weiter. Innerhalb weniger Minuten wird der ganze Komplex die Nachricht erhalten haben, dass D1527 einen Fluchtversuch gestartet hat, also bleibt mir nicht viel Zeit.

Das Labor liegt mitten im Nirgendwo. So viel wird mir klar, als ich die Gebäude hinter mir lasse. Um das Gelände zieht sich ein Zaun. Ich kann von weitem bereits den Stacheldraht erkennen. Meine ganze Konzentration richtet sich jetzt auf das letzte Hindernis vor mir. Mein Gehirn rechnet aus, in welchem Winkel und an welcher Stelle ich springen muss, um nicht in vollem Lauf gegen den Zaun zu stoßen. Schließlich stoße ich mich kraftvoll mit dem linken Fuß vom grasbewachsenen Boden ab und spüre die Erschütterung, als mein Körper auf den dünnen Maschendraht trifft. Meine Finger krallen sich um den kalten Draht, als ich mich immer weiter hochziehe. Die Stacheln sollten meiner Haut eigentlich nichts anhaben können, doch ein Stachel bohrt sich tief in meine Handfläche, als ich mich auf die andere Seite fallen lassen will. Ich verziehe kurz das Gesicht, bevor ich meine Hand mit einem Ruck befreie.

Der Aufprall lässt mich einen Moment lang stolpern, bevor ich weiterrennen kann. Meine Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten, fällt mir zunehmend schwerer: das Gift setzt ein.

Ich weiß nicht, wie lange ich noch renne, bevor mein Körper aufgibt. Mein Fuß knickt um und dann falle ich. Ich habe nicht mehr genug Kraft, um mich noch aufzurichten. Meine Gliedmaßen zucken bei dem Versuch, wieder aufzustehen. Mir ist, als würde sich ein Schleier über meine Wahrnehmung legen.

Über mir kann ich den Himmel sehen. Er dehnt sich schier endlos aus, wohin ich auch schaue. Bevor ich das Bewusstsein verliere, denke ich noch: Ich war frei.

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