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Buchstabensuppe – Blog der Stadtbüchereien Düsseldorf

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„Fack ju Gutenberck“

Fack ju #Gutenberck – Andys Geschichte

CovermitTitelZwei Schatten

Mein Bett knarrte als ich aufstehen wollte. Als ich die Augen öffnete, sah ich das gleiche dunkle und verstaubte Zimmer wie jeden Morgen. Im Bad sah ich die Narben, die meine Mutter mir jahrelang zugefügt hatte. Mein Vater verließ uns. Meine Mutter, schwach wie sie war, ließ ihre Wut an mir aus, seit ich vier war. Bis vor wenigen Tagen. Sie hatte getrunken, wurde wütend. Sie nahm den alten Gürtel meines Vaters, wie immer, und wollte zuschlagen. Doch dieses Mal wehrte ich mich, nahm ihr den Gürtel ab und schlug zu. Immer und immer wieder, bis auf das Echo von dem Schlag nicht mehr ihr Gestöhne folgte.

Ich ging in die Küche, ich musste mich fast übergeben. Der faule Geruch ihres verwesenden Körpers lag jetzt schon in der Luft. Ich musste die Leiche wegschaffen oder mich stellen. Ich wusste nicht weiter, ich ging erstmal wie immer zur Schule und setzte mich hin und beobachtete meine Mitschüler. Heute fiel mir ein unbekanntes Gesicht auf. Ich glaubte, sie hieß Amy oder Amanda? Ach egal, Amy hört sich gut an. Sie war klein und schmächtig, sie gefiel mir. Ich malte mir aus, wie ich sie zum alten Fabrikgelände lockte. Ein großer Klotz aus Stahl und Beton hinten im Industriegelände, fünf Stockwerke, fünftausend Quadratmeter Gesamtfläche. Doch dann wurde mir klar, worüber ich nachdachte. Ich wollte sie töten. Ich weiß nicht wieso, aber sie erinnerte mich an meine Mutter.

In der Pause ging ich auf sie zu und sprach sie an. Dies war eigentlich nicht meine Art, ich vermied im Allgemeinen Kontakt mit anderen.

Ich saß auf einer Bank ganz hinten auf dem Schulhof und fühlte mich einigermaßen wohl. Plötzlich kam jemand auf mich zu, sie wirkte nervös. Sie trug einen schwarzen Pullover, an den ich mich nicht mehr erinnerte. Sie sprach mit rauer Stimme und stellte sich vor. Sie wirkte freundlich und erzählte von einem alten Fabrikgelände. Ich war überrascht, bisher hatten mich alle ignoriert. Ich war ja auch kaum da. Seit der Kindheit immungeschwächt, dumm und hässlich. Jede Sekunde wurde ich von meinen Eltern, nein von meiner ganzen Familie verachtet und jetzt kam jemand auf mich zu?! Ich wollte sie anschreien, doch ich konnte nicht. Verlegen bat ich sie sich neben mich zu setzen. Wir unterhielten uns über dies und jenes, aber vor allem darüber, wie einsam wir waren. Als ich sie auf ihre Familie ansprach, schwiegen sie und ich. Plötzlich fragte sie nach einem Fabrikgelände und wollte, dass ich sie dorthin begleite.

Ich war also mit ihr verabredet. Wie war nochmal ihr Name? Ach egal. Ich sagte ihr, wir treffen uns um 16 Uhr am Haupteingang. Ich kam fünf Minuten zu spät. Sie war schon da, schon länger, denn sie zitterte und es war frisch. Ich gab ihr meine Jacke, denn sie hatte etwas von einer Immunschwäche erwähnt. Wir gingen rein und die Treppe zum Dach herauf. Doch ohne Jacke fror ich oben, sie bemerkte es und wollte schnell wieder runter. Im 5. Stockwerk war es schon angenehm, doch bei jedem Schritt knarzte der Boden, wie mein Bett. Sie kam wieder hoch, die Wut. Ihre Ängstlichkeit erinnerte mich an meine Mutter. Sie sah mich an und ich sie, ich rannte auf sie zu und umarmte sie. Ich war verwirrt. Verzweifelt sagte ich ihr, was ich vorhatte.

Mich schockierte nicht was er sagte, was er vorhatte. Ich dachte sogar, er hätte mir damit einen Gefallen getan. Er ließ mich los, nahm mich an die Hand und führte mich zum Fenster. Was wir dann sahen, erinnerte uns an unser Leben. Staubig, verdreckt und trostlos. Als wir gehen wollten, bemerkten wir, dass das Gebäude anfing zusammenzufallen. Wir rannten raus und blickten hoch. Ein riesiges Stück aus der Wand begrub uns. Als ich aufwachte, sah ich ein weißes Licht. Ich war aber nicht tot sondern im Krankenhaus. Neben mir meine Mutter und Schwester. Sie sahen so glücklich aus mich zu sehen. Ich war überrascht und froh sie zu sehen.

Ich hoffte, ich sei tot, doch nein, ich bin mit ihr im Krankenhaus. Sie hatte Besuch von Verwandten, doch ich war allein. Vor kurzem war die Polizei da gewesen und befragte mich wegen der Leiche. Ich gestand. Ich werde erst in die Psychiatrie und dann wahrscheinlich ins Heim gehen.

Ich hoffte, dass die Betten dort nicht knarzen. Die Tür öffnete sich, ein Mann trat herein und sagte er sei mein Vater. Ich guckte ihn an und sah dann weiter zur Decke. Er sprach mich mehrmals an, ohne dass ich reagierte. Er fragte nach dem Wieso. Wieso hast du sie umgebracht und so weiter, doch ich war müde und schlief ein.

Sein Vater verließ schluchzend das Zimmer. Ich sah zu ihm. Er schlief. Am nächsten Tag wurde ich entlassen. Nur er nicht, es bedrückte mich. Auch eine Woche später kam er nicht zur Schule. Die Situation zuhause besserte sich. Alle waren glücklich, dass ich noch lebte. Nur ich nicht, ich wollte zu ihm! Jedes Mal, wenn ich es meinen Eltern sagte, schwiegen sie. Er verstand mich, war wie ich. Zwei Schatten, die sich begegnen, verschmelzen, wie zwei Menschen an einem sonnigen Tag spazieren gehen.

Meine Befürchtung ist wahr geworden. Die Betten hier knarrten auch. Ich war froh, dass mein Zimmergenosse nicht auch nur eine leere Hülle mit einem verwirrten Geist war, die wie die anderen durch die Flure der Psychiatrie wandeln. Ich weiß wie es ihr geht, vermutlich hätte ich wohl nach ihrer Nummer fragen sollen, denn ich fühlte mich weiterhin mit ihr verbunden. Wie zwei Schatten in der Nacht unsichtbar und doch vorhanden und eins. Aber der Doktor sagte, dass nach all dem hier das Gefängnis kommen würde.

Wehe, wenn auch da die Betten so knarzen.

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Fack ju #Gutenberck – Susannes Geschichte

CovermitTitelEr sah, wie die Frau ausstieg und einfach ging. Das war seine Chance. Er war sich ziemlich sicher, dass die Frau nicht abgeschlossen hatte. Langsam ging er auf das Auto zu. Schaute sich nochmals um, ob ihn auch ja keiner beobachtete. Er guckte in die Richtung, in die die Frau verschwunden war. Er konnte sie nicht sehen. Offensichtlich war sie in die Eisdiele gegangen. Er schaute durchs Fenstern in den Wagen und sah den Schlüssel stecken. Jetzt musste alles langsam und doch schnell gehen. Schließlich wollte er keine Aufmerksamkeit auf sich lenken, aber er wollte auch nicht, dass die Frau ihn erwischte. Er machte die Tür vorsichtig auf, stieg langsam ein und fuhr los.

Als er um die Ecke fuhr, fuhr er schneller. Er wollte jetzt keine Zeit verlieren. Er musste so schnell wie möglich weg vom Ort des Geschehens. Wenn die Frau die Polizei rief, wollte er nicht in der Nähe sein. Er überlegte sich, wo er das Auto am besten verstecken könnte, bis er es verkaufen könnte. Die Uhr verriet ihm, dass er sich beeilen musste. Er glaubte schon Polizeigeräusche zu hören. Etwas riss ihn aus seinen Gedanken. Es hörte sich nicht nach Polizei an. Er schaute nach hinten und erschrak, als sein Blick auf die Rückbank fiel. Panik überkam ihn. Er konnte nicht zurück. Aber er musste! Er schaute nochmal nach hinten. Er hatte sich wirklich nicht getäuscht. In seinem Kopf machte es Klick. Es ergab alles einen Sinn.

Eine neue Welle der Panik drohte ihn mit sich fort zu reißen. Es versuchte tief Luft zu holen, doch sein Brustkorb war wie zugeschnürt. Er musste sofort raus aus dem Auto. Immer weniger Sauerstoff kam in seinen Lungen an. Angst und Panik wuchsen. Er glaubte schon Sterne vor seinen Augen tanzen zu sehen. Er musste sich beruhigen, das ging nur schwer, da sein Blick andauernd auf die Rückbank fiel. Er konnte keine Sekunde länger im Auto bleiben. Er hielt an, wollte aussteigen, aber die Autos hinter ihm fingen an zu hupen.

Er fuhr also weiter. Sein Blick streifte unruhig durch die Gegend. Suchte etwas. Sein Ausdruck bekam etwas Gehetztes. Auf einmal wurde sein Blick von einem Gebäude magnetisch angezogen. Er parkte vor diesem Gebäude und stieg aus. Sein Blick ging zur Rückbank und dann zum Gebäude. Er überlegte, was für Möglichkeiten er jetzt hatte. Er könnte einfach weglaufen und verschwinden. Niemand hatte ihn gesehen. Er könnte einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Aber was wäre, wenn niemand das Auto fand. Wenn es für alle Ewigkeit hier stehen würde. Dann wäre er ja ein…. Nein, das durfte er nicht einmal denken! Das wäre feige, einfach wegzulaufen. Er war nicht feige. Er schaute zum Gebäude. Sollte er wirklich… Er holte tief Luft und ging auf das Gebäude zu. Seine Hand griff nach dem Türknauf. Die Tür öffnete sich langsam. Noch konnte er einfach gehen. Keiner hatte ihn gesehen. Er war nicht feige. Er tat seinen vielleicht letzten Atemzug in Freiheit und ging rein.

„Wie kann ich ihnen helfen?“ Er schaute sich um, versuchte zu überlegen, wie er erklären sollte, in was für einer misslichen Lage er war.

„Ich… Ich, ähm… ich wollte….. ich wollte wirklich nicht….. ich wusste das nicht!“, stotterte er. Alles drehte sich auf einmal.

„Jetzt setzen sie sich und beruhigen sie sich einmal.“ Er tat, was der Polizist von ihm wollte. Er setzte sich hin und atmete tief durch. Als er sich soweit wieder im Griff hatte, fing er an, dem Polizisten alles zu erzählen. Vom Diebstahl, vom überraschenden Fund auf der Rückbank. „Mit Kindesentführung habe ich nichts zu tun“.

Fack ju #Gutenberck – Schüler-Workshop

Bild2Abschlusspräsentation in der Bücherei Bilk

Am 21. November lädt die Bücherei Bilk, Friedrichstraße 127, in Kooperation mit der EKZ (Einkaufszentrale für Bibliotheken) zur Abschlusspräsentation des Workshops „Fack ju Gutenberck“ ein.

Ab 17.30 Uhr präsentieren die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a der Realschule Florastraße selbsterarbeitete Kurzgeschichten im eBook-Format.

Einen Monat lang arbeiteten die Schülerinnen und Schüler im Unterricht mehrere Stunden pro Woche als Autoren, Illustratoren und Korrektoren.
Die Ideen für die Geschichten entstammen dabei kuriosen und lustigen Zeitungsartikeln, oder ganz einfach der Fantasie der Jugendlichen.
Der Autor und Computerspieltester Thomas Feibel stand den Schülerinnen und Schülern in dieser Zeit unterstützend und beratend zur Seite. Das gesamte Projekt wurde von Auszubildenden der Stadtbüchereien organisiert.

Neben der Präsentation der e-Stories durch die Jugendlichen wird Thomas Feibel durch den Abend führen, der mit einer kleinen Preisverleihung ausklingen wird.

Der Eintritt ist frei.

Parallel zur Vorstellung in Bilk werden erste Kostproben der Stories auch hier im Blog der Stadtbüchereien zu finden sein.

Ansprechpartnerin:
Annette Schmidt , Stadtbücherei Bilk
Tel. 0211.89-99293

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