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Christian Berkel: Der Apfelbaum
Es ist natürlich keine heitere Lektüre, wenn Christian Berkel in seinem Debütroman „Der Apfelbaum“ die NS-Zeit wieder lebendig werden lässt. Aber immer wieder, wenn er über Kriegsereignisse berichtet, die seine beiden Protagonisten Sala und Otto erschüttern, schwenkt er anschließend gekonnt um in eine ganz andere Zeit. Entweder ist der Krieg dann längst vorbei oder hat noch gar nicht angefangen. Die Jüdin Sala und Otto, der später als Sanitätsarzt zur Wehrmacht geht, überleben ihn knapp. Aus dem unbeschwerten Liebespaar, das sich im Jahre 1932 in Berlin kennenlernt und füreinander bestimmt zu sein scheint, sind zwei Menschen geworden, die beide, jeder auf seine Weise, durch die Kriegserlebnisse gezeichnet sind.
Sala flieht aus Deutschland zu ihrer Tante in Paris und wird von dort aus in das Lager Gurs in den Pyrenäen interniert. Sie hat Glück und kann wieder nach Deutschland gelangen. Nach dem Krieg versucht sie, sich ein neues Leben im Ausland aufzubauen, was ihr selbst in Buenos Aires nicht gelingt. Schließlich kehrt sie nach Deutschland zurück. Otto gerät noch kurz vor Kriegsende in russische Gefangenschaft, aus der er erst 5 Jahre später völlig erschöpft und desillusioniert zurückkehrt. Nachdem sie 10 Jahre lang getrennt waren, gibt es endlich ein Wiedersehen. Sie konnten sich ein Leben ohne den anderen schon nicht vorstellen, als sie jung waren, nun erst recht nicht. Aber sie müssen damit zurechtkommen, dass sie grundverschieden sind.
Christian Berkel, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler, hat die Geschichte seiner Familie über drei Generationen hinweg erforscht. Dabei ist ein ungewöhnlicher Familienroman entstanden, in dessen Mittelpunkt das berührende Schicksal seiner Eltern vor zeitgeschichtlichem Hintergrund steht.
Der Roman mit dem Interessenkreis „Erlebnisse, Persönlichkeiten“ ist mehrmals in der Zentralbibliothek und allen Stadtteilbüchereien vorhanden.
Christel Mewes, inzwischen pensionierte Leiterin der Stadtteilbücherei Benrath