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David, FaMI (Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste) in der Zentralbibliothek macht sich seine ganz persönlichen und sehr emotionalen Gedanken über Bibliotheken.

Philothek: Das Herz und die Seele der Bibliothek

Wir reden hier vom Bibliothekswesen. Aber was genau ist eigentlich das  Wesen  einer Bibliothek? Welchen Sinn und Auftrag verfolgt sie und wie hat sich die Bibliothek im Laufe der letzten Jahrtausende verändert? Und wie wird sie sich in Zukunft verändern?

Diese Frage stelle ich mir, seitdem ich hier angefangen habe zu arbeiten, denn was für mich klar ist: Eine Bibliothek ist weitaus mehr als ein Raum mit vielen Büchern.

Das war vor drei Jahren und mittlerweile bin ich mit den Erfahrungen und der Antwort, die ich gefunden habe, echt zufrieden und würde meine Gedanken gerne mit euch teilen.

Der Wandel der Bibliotheken

Die Bibliotheksgeschichte kann bis ins alte Ägypten verfolgt werden, wo bereits damals große Bestände aus Papyrusrollen in sogenannten „Lebenshäusern“ gesammelt wurden. Bibliotheken waren damals nur für bestimmte Bevölkerungsschichten vorgesehen: Für Studierende, Professoren, Wissenschaftler und Geistliche. Das ist allerdings auch nicht weiter wunderlich, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen damals weder schreiben noch lesen konnten. Dies änderte sich langsam als Gutenberg den Buchdruck erfand und die anschließende Aufklärung das Selbstverständnis des Bürgertums revolutionierte. Die Bibliothek öffnete ihre Pforten für alle Bevölkerungsschichten.

Bibliothek Strahov in Prag; Bild: Pixabay

Zu diesen Zeiten fungierte die Bibliothek als Gedächtnis der Menschheit und war nahezu die einzige  Bezugsquelle für benötigte Informationen.

Ich denke, dass sich die ursprüngliche Bibliothek gespalten hat.  Den Part des Gedächtnisses übernehmen heutzutage Archive und Internetserver. Und dann gibt es noch die Teilung zwischen wissenschaftlichen und  öffentlichen Bibliotheken:

Die wissenschaftlichen Bibliotheken stellen, wie es der Name schon sagt, viele wissenschaftliche Schriften zur Verfügung. Damit aber auch viele sehr spezifische Informationen, die das Internet (noch?) nicht hergibt. Sie ist Hilfsmittel für Studierende und Forschende zugleich.

Was ist aber mit den öffentlichen Bibliotheken? Schließlich findet man die meisten Informationen, weshalb man früher öffentliche Bibliotheken aufgesucht hat, heutzutage auch viel komfortabler im Internet. Wird die öffentliche Bibliothek aussterben?

 

Die Bibliothek als dritter Ort

tatsächlich spricht die weltweite Bibliotheksstatistik eine eindeutige Sprache: Es werden immer weniger Medien ausgeliehen. Denn Wikipedia & Google lösen da zum Beispiel die Sachbücher ab und Spotify, Netflix und Co. lösen die CDs und DVDs ab.

Und das ist auch völlig ok so. Denn die Bibliothek befindet sich gerade jetzt im großen Wandel, was auch uns die Möglichkeit gibt unser Selbstverständnis zu verändern. Interessanterweise bleiben nämlich die Besucherzahlen von Bibliotheken weitgehend konstant. Ich spreche hier von der „Bibliothek als dritter Ort“ (neben den Orten „Zuhause“ und „Arbeit“).

Wie bereits oben beschrieben, ist der heutige Zugang zu Informationen ein ganz anderer, als er früher war und genau hier knüpft die moderne Bibliothek nun an, denn: Auch wenn Informationen nun  komfortabel von Zuhause aus herangezogen werden können, so fehlt doch jetzt vor allem  der Raum der weiteren Informationsverarbeitung. Eine passende Lernatmosphäre und die Möglichkeit in einer Gruppe zu lernen. Aber auch der Diskurs und die praktische Anwendung von theoretisch Erlerntem. Die Begegnung fehlt.

In der Praxis wird sich die Bibliothek insofern verändern, als dass die Bibliothek zunehmend Arbeitsplätze  für das Lernen und Sitzplätze für den Aufenthalt zu Verfügung stellen wird. Vor allem die Möglichkeiten für Leser, sich in Gruppen zu treffen, werden zunehmen. Die Bibliothek wird sich immer mehr vernetzen und mit  Kooperationspartnern sehr viele frei zugängliche Workshops, Ausstellungen, Lesungen, Diskursrunden und sonstige Veranstaltungen anbieten. Sie gibt Raum für den Dialog und die Auseinandersetzung mit Informationen und Geschehen.

Die Bibliothek wird nicht mehr danach streben, alle möglichen existierenden Informationen anzubieten, sondern vielmehr den Medienbestand immer feiner und gezielter aussuchen, um in eben jener Informationsflut, der wir heutzutage ausgeliefert sind, eine Arche Noah zu sein.

Während die Bibliothek früher also die Information selbst als Gegenstand ihres Daseins in den Fokus stellte, legt sie heute ihren Schwerpunkt auf den Raum und die damit verbundenen Möglichkeiten.

Wie ihr sicher wisst, haben wir bei uns in der Zentralbibliothek der Stadtbüchereien vor nun gut zwei Jahren das LibraryLab eröffnet, wodurch wir jedem Interessierten die Möglichkeit geben können, den technischen Wandel selbst zu erfahren und die dazugehörigen Kompetenzen zu erlernen. Mit dem kommenden Umzug (2021) in die neuen Räume der Zentralbibliothek werden wir eine vielfache Anzahl an Bühnen haben und planen bereits jetzt schon fleißig an vielen Ideen und Veranstaltungen.

Jetzt aber nochmal zum Kern der Sache… oder eher zum Kern der Bibliothek:

Was ist denn nun das Wesen der Bibliothek?

Auch wenn sich die „Verpackung“ der Bibliotheken in der Vergangenheit schon oft verändert hat, so ist mir aufgefallen, dass Bibliotheken der Vergangenheit und der Gegenwart schon immer eins gemeinsam hatten: Sie sind in der Regel Orte des Fortschrittes und der Emanzipation. Und das sowohl in intellektueller als auch in gesellschaftlicher Hinsicht.

Eine Bibliothek ist ein Ort, an dem Mensch die Werkzeuge erhält, die er braucht, um voranzuschreiten. Und wie genau das inzwischen aussieht und in Zukunft aussehen wird, ist stetig im Wandel und passt sich den technischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten und Bedürfnissen der Bürger*innen an.

Die Bibliothek schenkt Informationen und den Raum lernen zu können. Gleichwohl ist sie auch eine Institution, die inspiriert und motiviert. Sie lädt zur aktiven Beschäftigung und Beteiligung am intellektuellen und gesellschaftlichen Leben ein und ist Bindeglied all jener Institutionen und Gruppierungen die eben dies in speziellerer und gezielterer Weise tun.

Bibliotheken verbinden. Deshalb hier von mir: „Ja“ zu Büchern und auch „Ja“ zu allem, was uns gut tut, uns begeistert und „Ja“ zu allem, an dem wir an uns und als Gesellschaft wachsen können.

David

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