Aus unserem aktuellen Jahresbericht von 2018.

von Klaus Peter Hommes, Thomas Kalk, Maike Lins.

Nur wenige Menschen können jeden Tag in die Oper, in ein Konzert oder ins Kino gehen. Aber auch im Fernsehen oder im Radio läuft nicht immer etwas, was einen interessiert. Was also tun? In der Bibliothek ein Video oder eine CD ausleihen? Im Internet Filme oder Musik strea-men? Waren dies bislang sich ausschließende Möglichkeiten, so bieten nun die Stadtbü-chereien beides an: Mit einer gültigen Bibliothekskarte können sowohl physische Ton- und Bildträger ausgeliehen werden wie auch über lizenzierte Streamingdienste Filme gesehen und Musik gehört werden. Durch ein vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen unterstütztes Projekt konnte dies nun für die Nutzerinnen und Nutzer der Stadtbüchereien Düsseldorf umgesetzt werden.

Veränderung der Mediennutzung

Im letzten Drittel des Zwanzigsten Jahrhunderts machten Tonträger (Schallplatten, Kassetten, CDs) und Filmwiedergabe-Formate (VHS-Kassetten, DVD, BluRay) den individuellen Medienkonsum zunehmend unabhängig vom Radio- und Fernsehprogramm. Immer
noch an den physischen Träger und das dazu passende Abspielgerät gebunden, war die Auswahl jedoch meist begrenzt. Die Bibliothek stellt hier eine größere Titelauswahl bereit, doch auch deren Nutzung ist durch die Zugänglichkeit des Ortes und die physische Verfügbarkeit des einzelnen gewünschten Mediums bestimmt. Das Internet brachte erneut einen dramatischen Wandel der Seh- und Hörgewohnheiten mit sich. Zahlreiche Film- und Musikangebote sind inzwischen für 90 Prozent der Bevölkerung zugänglich; nahezu alle Familien mit Kindern und Jugendlichen können darauf zugreifen. Kostenfreie Angebote sind darunter, aber auch zahlreiche kostenpflichtige Angebote. Die Auswirkungen zeigen sich im dramatischen Rückgang von Verkaufszahlen für Musiktonträger. So trug 2017 der Verkauf von physischen Tonträgern nur noch zu 53 Prozent der Gesamterlöse der deutschen Musikindustrie bei, das heißt bereits knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes wurde mit digitalen Diensten wie Streaming oder Downloads erzielt. Im Jahr 2018 sanken die Verkaufszahlen von Musik-CDs noch einmal um 24 Prozent.

Streaming bei den Stadtbüchereien

Die Stadtbüchereien Düsseldorf stellen immer noch Tonträger und physische Wiedergabe-medien für Filme bereit. Aber sie möchten das unüberschaubare Download-Angebot im Internet ebenfalls für ihre Kundinnen und Kunden öffnen und klassifizieren. Die Onlei-he stellte als seit 2007 betriebene digitale Zweigstelle der Stadtbüchereien Düsseldorf bereits digitale Musik- und Videoangebo-te zur Verfügung, muss sich dabei aber mit folgenden Marktbedingungen auseinander setzen:

  • Bei vielen Angeboten regelt das Lizenzrecht, dass immer nur ein Zugriff gleichzeitig auf ein Medium möglich ist. Es können also nicht mehrere Nutzerinnen und Nutzer parallel darauf zugreifen.
  • Etliche am Markt eingeführte, erfolgreiche Anbieter zeigen keinerlei Interesse, ihr
    Angebot über Bibliotheken zugänglich zu machen.

Ein vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell gefördertes Projekt konnte 2018 dazu beitragen, dass Nutze-rinnen und Nutzer der Stadtbüchereien Düsseldorf Musik und Filme nun sowohl physisch als auch in weitaus größerem Umfang digital als früher nutzen können. Seit Ende 2018 bieten die Stadtbüchereien mit folgenden Diensten ein neues, umfang-reiches Streaming-Angebot:

Filmfriend – Kino rund um die Uhr

Mit filmfriend kam 2017 ein Filmstreamingdienst auf den Markt, der ein Angebot speziell für Bibliotheken unterbreitet. Über zweitausend Filme können ohne großen technischen Aufwand rund um die Uhr an allen Tagen angeschaut werden. Das Angebot umfasst Filme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich, bereits prämierte Filme, Filmklassiker, aber auch experimentelle Filme sowie Serien.

Medici.tv – die Bühne der klassischen Musik

Tag für Tag eine Oper sehen, Tag für Tag ein Konzert erleben – für manche ein Traum, für alle nun eine realistische Möglichkeit über medici.tv. Über 700 Konzertaufnahmen, 180 Opernaufführungen, 90 Ballettinszenierungen, über 1.000 Dokumentarfilme und über 200 Meisterklassen – Klassische Musik vom allerfeinsten. Neben den weltbekannten Kompositionen mit spektakulären Inszenierungen wie der Aufführung von Giacomo Puccinis Tosca in Masada 2016 oder der Neuinterpretation von Guiseppe Verdis Nabucco in der Arena von Verona 2017, beide unter der Leitung von Daniel Oren, warten auch neue Werke auf die Betrachtung: Moby Dick (nach dem Roman von Herman Melville) von dem amerikanischen Komponisten Dick Heggie oder Benjamin, dernière nuit von Michel Tabachnik mit dem Libretto von Régis Debray über die letzten Stunden des Philosophen Walter Benjamin, der am 26. September 1940 auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Port Bou aus dem Leben schied.

Naxos – Das umfassende Angebot für Klassik, Jazz und Weltmusik

Vier Portale von Naxos ermöglichen den umfassenden Musikgenuss: Naxos Music Library mit über 2,2 Millionen Titeln klassischer Musik, Naxos Musik Library Jazz mit über 205.000 Titeln Jazz, Naxos Music Library World mit über 112.000 Titeln Weltmusik oder Naxos Video Library mit über 3.000 Filmen – da bleibt kaum ein Wunsch offen. Viele Neuerscheinungen klassischer Musik stehen ebenso unmittelbar zum Hören bereit wie Referenzaufnahmen klassischer Musikwerke oder historische Interpretationen von Enrico Caruso über Maria Callas bis zu Vladimir Horowitz oder Wilhelm Furtwängler. Von der Musikbibliothek erstellte Playlists ermöglichen die Vor- und Nachbereitung vieler Konzerte und Aufführungen des Musiklebens in Düsseldorf.
Streamen und Bibliothek ist der Weg, um jeden Tag Opern, Konzerte oder Ballett zu genießen, um sich jeden Tag erneut von Filmen inspirieren zu lassen.

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