Heute: Die Biblioteca Atlantica – die Unterwasserbibliothek der verschollenen Stadt Atlantis

Die Legende um die sagenumworbene Stadt Atlantis, die wohl durch eine Naturkatastrophe binnen eines Tages untergegangen sein soll, kennen wir vermutlich alle. Ob nun der Stummfilmklassiker „L’Atlantide“ von Jacques Feyder aus dem Jahre 1921, oder der fast gleichnamige Disneyfilm („Atlantis“) aus dem Jahre 2001: Es gibt zahlreiche Medien, die sich mit diesem Mythos befassen und die Vorstellung jener Legende begeisterte uns irgendwie schon immer.

Faszinierend für mich als Bibliotheksmensch ist natürlich: Wie kann man sich so eine fantastische Bibliothek denn vorstellen? Dieser Frage werde ich in dieser Rubrik nachgehen und etwas rumfantasieren!

 

Die Vorstellung

…nun spitzt die Lauscher und gebt Acht, was David sich hat ausgedacht…

Ähnlich wie damals die Entdeckung des Feuers beim Menschen, führte das plötzliche Auftauchen von Atlantis bei den Unterwasserlebewesen zu einer rapiden Entwicklung.

Es formte sich mit der Zeit eine Gesellschaft in der Tiefseewelt und Atlantis galt als „die von göttlichen Wesen erschaffene Stadt“. Die Menschenabbildenden Skulpturen, die Atlantis damals mit sich brachte, wurden nicht nur Wahrzeichen jener Stadt, sondern waren auch Symbol des Wissens, der Erleuchtung und des „Höheren“.

Und so ist es nicht weiter wunderlich, dass die Bibliothek zahlreich geschmückt ist mit riesigen, imposanten Skulpturen und Säulen, ganz im Stile der antiken, griechischen Architektur. Betritt man die Bibliothek durch einen kolossalen Säulenbogen, findet man sich in einer riesigen, weiträumigen Eingangshalle, die genug Raum für eine große Servicetheke und einer Garderobe gibt. An den Seiten führen Türen zu kleineren Gruppenarbeits- und Lernräumen. Mittig, durch eine größere, offenstehende Tür führend, gelangt man zur Belletristik, während eine mehrläufige Treppe im Eingangsbereich ins erste Obergeschoss führt, wo der Sachbuchbestand zu finden ist. Wobei hier zu erwähnen ist, dass die Treppe mehr der Ästhetik dient, als Nutzen hat: Die meisten Besucher nehmen den direkten Weg und schwimmen geradlinig ins Obergeschoss!

Für eine ausreichende Beleuchtung sorgen lumineszierende Bakterien. Diese befinden sich in luftartigen Blasen, die im Wasser querbeet in der Bibliothek schweben und Licht spenden.  Zudem sind viele Bücher oft auch die Lichtquelle selbst, da viele von ihnen mit leuchtender Tinte beschrieben sind. Schließlich ist Licht in dieser Tiefe eine Rarität!

 

Neulich aus Atlantis

Es war ein ruhiger Nachmittag in der Bibliothek, als sich ein nervös aussehender Walfisch durch den  Säulenbogen zwängte und das Gebäude betrat.

Mit ängstlicher Miene schaute er sich um, erblickte die Servicetheke und näherte sich ihr langsam. Hinter dem Tresen saß ein Tunfisch, der ihn freundlich grüßte: „Guten Morgen Herr Walfisch, bitte kommen sie näher. Wie kann ich ihnen helfen?“

„Ha-, Hallo. Ich bin hier um dieses Buch zurückzugeben.“

Der Walfisch reichte dem Mitarbeiter einen großen, jedoch schmalen, Band.

Einige Schuppen über der Augenpartie des Tunfisches begannen sich zusammenzuziehen, als dieser das Buch betrachtete. Schließlich sagte er zum Walfisch: „Verzeihen sie, aber das Buch kann ich so leider nicht zurücknehmen. Es hat einen Wasserschaden!“

„Bei meinen Barten!“, schrie der Walfisch auf.

„Wie konnte das nur passieren!?“

Er zögerte kurz verzweifelt, eher er fortfuhr:

„Was soll ich denn jetzt Tunfisch?“

Der Tunfisch antwortete: „Sie haben die Wahl, Fisch.“

Als der Walfisch fragend schaute, knüpfte der Tunfisch daran an:

„Bitte kaufen sie das Buch neu und bringen sie es uns, oder bezahlen sie den Buchpreis mit einer kleinen zusätzlichen Bearbeitungsgebühr.“

Der Walfisch stöhnte erleichtert auf, entschied sich für Ersteres und lies sich vom Tunfisch die Daten des Buches mitgeben.

 

Ende der Vorstellung

An dieser Stelle würde ich Euch gerne wieder aus Atlantis abholen. Ich hoffe Euch hat Atlantis ebenso viel Freude bereitet, wie mir beim Schreiben. Demnächst entführe ich Euch ja vielleicht in die Underground Bibliothek der Pariser Katakomben…?

Übrigens: Der Vorgang bei der Bearbeitung von Medienbeschädigungen oder –Verlusten ist bei uns in Düsseldorf überraschenderweise identisch…! Also keine Panik, falls euch mal ein Missgeschick passiert. 🙂

Ich wünsche euch einen freudig‘ schönen Tag!

David

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