Alex Capus: Königskinder
Alex Capus hat ein besonderes Talent Paare zu beschreiben. Das hat er 2011 schon mit seinem Erfolgsroman Leon und Louise bewiesen, in Königskinder von 2018 gelingt es ihm sogar in doppelter Hinsicht: Da ist zum einen das Paar der Rahmenhandlung, Max und Tina, die auf einem verschneiten Alpenpass stecken bleiben und die Nacht im Auto verbringen müssen. Ihre Ergänzung finden sie in Jakob und Marie, den Protagonisten einer Erzählung, die Max anstimmt, um Tina die Zeit zu vertreiben und die Angst zu nehmen. Jakob ist ein Hirte aus der Bergwelt um Gruyère, der sich in die Tochter eines reichen Bau-ern verliebt. Gegen den erklärten Willen des Vaters folgt Marie ihm in freier Liebe. Doch im Strudel der Französischen Revolution landet Jakob bei den Soldaten und gerät schließlich an den Hof Ludwigs XVI. Dort entwickelt er mitten im Aufbruch und Umbruch Europas ein wahres Schäferidyll. Dieses rührt Prinzessin Elisabeth, die Schwester des Königs, so sehr, dass sie es sich zur Aufgabe macht, „den zwei Liebenden das glücklichste aller möglichen Wiedersehen zu bereiten.“Elegant und mühelos springt Capus zwischen den beiden Erzählebenen hin und her, lässt Max immer wieder seine Geschichte unterbrechen. Weil Tina nachfragt und Einwände bringt, weil sie Varianten vorschlägt, schließlich, weil sie eingeschlafen ist. Im Dialog des Paares, in seinem miteinander eingeschlossen Sein und dem gemeinsamen gedanklichen Ausflug in eine andere Epoche, treten eine intellektuelle Vertrautheit und Nähe zutage, die das Paar ausmacht und doch auch die Individuen durchschimmern lässt.Auf ganz anderer Ebene bewegen sich Jakob und Marie, bei denen das Verstehen nahezu wortlos ist. Seelische Nähe und körperliche Sehnsucht bleiben auch während der jahrelangen Trennung erhalten, eine geradezu mystische Verbindung besteht zwischen den beiden. Capus beschreibt diese romantische Liebe als Projektion des modernen Paares, das im Auto in einer Eiswelt festsitzt und nur den Verstand und die Sprache hat, um die Fiktion einer solch archaischen Liebe zu entwerfen. Der Roman ist unter der Signatur Z Capus (–) in der Zentralbibliothek und allen Stadtteilbüchereien vorhanden. In der Zentralbibliothek gibt es außerdem das von Ulrich Noethen eingelesene Hörbuch.

Cora Elbin, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit