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http://www.eblida.org/right-to-e-read-campaign

 

Ebooks gibt es bei uns schon ziemlich lange – seit 2007 sind wir mit der Onleihe dabei. Und wie wir an den Zahlen, Statistiken und natürlich euren Rückmeldungen sehen, benutzt ihr sie auch wirklich gerne, genauso wie wir. eBooks sind eben immer da, wo ihr seid, ihr könnt sie zu jeder Tages- und Nachtzeit ausleihen und herunterladen, ihr könnt viele auf einmal mitnehmen, ohne, dass es eure Tasche schwerer macht. Aber woran liegt es, dass ihr manches, dass ihr als eBook erwartet, bei uns nicht finden könnt?

Jedes Buch auch als Ebook?

Es ist euch sicher schon einmal aufgefallen –  in der Onleihe gibt es nicht immer alle Bücher, die ihr vielleicht erwartet. Manche Bestseller zum Beispiel, die wir als gedruckte Bücher ganz selbstverständlich und unmittelbar nach Erscheinen in unseren Regalen stehen haben und zur Ausleihe anbieten, sucht man dann in den Ebooks vergeblich. Was das für Gründe haben kann und welche Schwierigkeiten Bibliotheken beim Ausleihen von Ebooks haben, das wollen wir heute für euch einmal zusammenfassen.

Bei eBooks ist alles anders

Hier muss ich jetzt ein wenig ausholen:
Bei gedruckten Büchern ist das Bücherkaufen und – verleihen für öffentliche Bibliotheken vergleichsweise einfach:  jedes Werk, das auf den Markt kommt, können wir kaufen und an unsere Leser verleihen. Dahinter steckt im Kern der sogenannte „Erschöpfungsgrundsatz“: nachdem ein Werk veröffentlicht wurde, ist das Recht des Urhebers bzw. Rechteinhabers, darüber zu entscheiden, erschöpft. Ein Käufer kann mit dem gekauften Buch nun machen, was er möchte. Und: Ab dem Zeitpunkt, zu dem das Werk im Handel erhältlich ist, können gedruckte Werke von jeder öffentlichen Bibliothek erworben werden.
Übrigens: Um die Urheber dafür zu entschädigen, dass ihre Werke kostenlos an viele Leser ausgeliehen werden (die die Bücher ja dann nicht kaufen), zahlen Bibliotheken eine Ausgleichszahlung, die sogenannte Bibliothekstantieme. Die wird jährlich an die Urheber ausgeschüttet. Dieses Verfahren ist im deutschen Urheberrecht so festgelegt. Soweit so gut.

Aber wenn wir zu den Ebooks kommen, gibt es einen Haken:
diese rechtliche Regelung im Urheberrecht gilt ausschließlich für körperliche Gegenstände oder Werke auf physischen Träger (z.B. Papier) – also für gedruckte Bücher, DVDs oder CDs.
Ebooks (also EPUBs, PDFs etc.) gehören demnach aber eben nicht zu dieser Gruppe und fallen damit auch nicht unter die gesetzliche Regelung im Urheberrecht.
Was filgt daraus? Bei den elektronischen Büchern die Verbreitung und damit auch die Ausleihe immer von der (Einzel-)Entscheidung des Rechteinhabers abhängig – der Urheber oder die Urheberin bzw. der Verlag, in dem das Ebook veröffentlicht wird, entscheiden darüber, ob und zu welchen Bedingungen diese gekauft werden können. Allein sie können festlegen, ob ein Ebook an Bibliotheken verkauft wird oder nicht. Es kann also durchaus sein, dass auch begehrte Titel oder Werke sehr bekannter Autoren überhaupt nicht als Ebook gekauft werden können.

Soweit schonmal die grundsätzliche Info.

Lizenz statt Kauf

Aber es geht noch weiter. Ebooks werden „gekauft“, indem man eine Lizenzvereinbarung abschließt. Das heißt, dass das Ebook nicht das Eigentum des Käufers wird, sondern dieser lediglich ein Nutzungsrecht erwirbt, das ihm oder ihr nur gestattet, das Ebook zu benutzen. Man darf es nicht einfach so verschenken oder verleihen oder sonst irgendwie weitergeben, wenn man es fertiggelesen hat.

Für uns als Bibliothek kommt hinzu, dass Verlage  für den Erwerb dieser Nutzungslizenz von Bibliotheken oft ein Mehrfaches des Preises verlangen, den ein Privatnutzer zahlt.  Besonders, wenn dann noch die Regelung hinzutritt, dass die Lizenz nur für einen begrenzten Zeitraum (z.B. 48 Monate) oder bis zu einer maximalen Anzahl von Ausleihen gültig ist  und danach erneut gekauft werden müsste, müssen Bibliotheken schon sehr genau überlegen, ob dieses Modell überhaupt finanzierbar und – besonders wichtig – die Ausgabe wirtschaftlich vertretbar ist . In vielen Fällen ist sie das nicht.

„Windowing“

Und es gibt noch eine weitere Schwierigkeit, die es Bibliotheken unmöglich macht, bestimmte Titel direkt nach dem Erscheinen als Ebook anzubieten: das ist das sogenannte „Windowing“, oder auch „Library Block“. Das bezeichnet ein Verfahren, nach dem einige Titel erst nach einer Sperrfrist von z.B. 12 Monaten für die Lizenzierung durch Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden. Da kann man dann leider nichts Anderes tun, als warten. Und das Ganze bei berechtigten Nachfragen von Lesern immer wieder neu erklären.

Was machen wir nun?

Tja, eine gute Frage. Ihr seht, das mit den Ebooks ist für uns nicht immer ganz einfach und die Entscheidung, ob wir euch etwas anbieten können, liegt nicht immer in unserer Hand. Beim jetztigen Rechtsstand wird es immer wieder Titel geben, die wir euch nicht zur Ausleihe anbieten können, obwohl wir es gerne wollten.
Für uns und alle anderen öffentlichen Bibliotheken ist es wichtig, dass das Ausleihen von Ebooks künftig mit dem Ausleihen gedruckter und anderer Medien gleichgestellt wird und wir auf verlässliche und eindeutige Lizenzmodelle zurückgreifen können. Das geht aber nur durch eine dringend nötige Aktualisierung des Urheberrechts.

Für alle Bibliotheken ist das ein wichtiges Thema, deshalb gibt es seit einiger Zeit eine Kampagne mit dem Titel „E-Medien in der Bibliothek – Mein gutes Recht“, die versucht, genau zu diesen Änderungen zu bewegen. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, dann schaut euch doch mal auf den Seiten des Deutschen Bibliotheksverband e.V. um, der das Unternehmen in Deutschland koordiniert. Hier gibt es auch Infos dazu, wie ihr die Kampagne unterstützen kann:

https://www.bibliotheksverband.de/dbv/kampagnen/e-medien-in-der-bibliothek.html

 

(ml)

 

 

 

 

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