Planungsteam: Dr. Norbert Kamp, Direktor der Stadtbüchereien Düsseldorf, Stephan Schwering, Leiter Zentralbibliothek und Jörg Kahl-Gillen, Verwaltungsleiter der Stadtbüchereien Düsseldorf (v.l.n.r.)

Eine neue Zentralbibliothek für die Landeshauptstadt Düsseldorf
von Dr. Norbert Kamp, Stephan Schwering, Jörg Kahl-Gillen

Am 18. Mai 2017 stimmte der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf dem Umzug der Zentralbibliothek in das Gebäude Konrad-Adenauer-Platz 1 zu. Damit fand die langjährige Suche nach einem neuen Standort ein Ende. Warum ist der Standortwechsel so dringend geboten? Die Zentralbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf am Bertha-von-Suttner-Platz wurde im Februar 1986 eröffnet. Zu Grunde lag seinerzeit das Konzept einer Ausleihbibliothek: Die Kundinnen und Kunden kommen in die Bibliothek, um Medien auszuleihen oder zurückzugeben, halten sich dort nur für einen begrenzten Zeitraum auf. Entsprechend wurden lediglich 180 Kundenarbeitsplätze eingerichtet, auf einen Veranstaltungsraum oder ein Lesecafé wurde verzichtet. Eine Jugendbibliothek für Heranwachsende fehlt ebenfalls bis heute. Beim Einzug in die Räumlichkeiten hatte wohl kaum jemand den stetig wachsenden Kundenansturm auf die neue Zentralbibliothek erwartet, bei der Eröffnung galt sie bundesweit als Vorzeigeobjekt. Verzeichnete die Zentralbibliothek im ersten vollen Betriebsjahr 1987 am Standort Bertha-vonSuttner-Platz 1,17 Millionen Entleihungen mit 349.500 Medien, so sind es heute mittlerweile über 2,2 Millionen Ausleihen bei einem Bestand von über 400.000 Medien.

Lernort Zentralbibliothek
Die Nutzerstruktur und das Nutzerverhalten der Bibliotheksbesucherinnen und -besucher sowie die Erwartungen an die Bibliothek als öffentlicher Ort haben sich seit der Eröffnung 1986 tiefgreifend verändert und gewandelt. Die Bibliothek dient heute als lebendiger Treffpunkt und als Lern- und Arbeitsort für Einzelne und Gruppen. Täglich zählt die Zentralbibliothek am Bertha-von-Suttner-Platz rund 2.500 Besucherinnen und Besucher. Von Bedeutung ist auch die Veränderung in den Zielgruppen der Zentralbibliothek. Im Vergleich zu den Stadtteilbüchereien zählt die Zentralbibliothek den höchsten Anteil von jungen Besucherinnen und Besuchern zwischen 16 und 30 Jahren. Zudem wächst die Verweildauer der jungen Menschen in der Zentralbibliothek stetig, die Bibliothek ist zum Lernort geworden.
Die Folge dieser Entwicklung ist täglich zu beobachten. Insbesondere in den Nachmittagsstunden sind alle Arbeitstische in der Zentralbibliothek belegt, der Geräuschpegel steigt an. Unterschiedliche Kundenerwartungen an eine Bibliothek, klassischer Ort der Ruhe oder moderner Kommunikations-raum, prallen aufeinander. Daneben sind Öffentliche Bibliotheken heute ein niederschwelliger Ort der kulturellen Bildung mit hoher Anziehungskraft. In der Zentralbibliothek findet eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, in der die Literatur und die Musik im Mittelpunkt stehen. Außerdem ist die Bibliothek ein Begegnungsort der Kulturen. Das regelmäßig stattfindende Willkommen-Café für Menschen mit Migrationshintergrund ist dafür nur ein Beispiel.

KAP 1
Die hier beschriebene Entwicklung führte dazu, dass in Politik, Verwaltung und bei den Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürgern die Notwendigkeit einer räumlichen Veränderung als geboten erschien. Aus Sicht der Stadtbüchereien ist mit dem Gebäude am Konrad-Adenauer-Platz 1 nun eine Standortentscheidung gefallen, welche die Realisierung einer von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zentralbibliothek entwickelten Bibliotheksvision zulässt: „Die Bibliothek der Zukunft ist ein öffentlicher Raum mit hoher Zugänglichkeit (bürgernahe Öffnungszeiten), sie ist Lernraum, Inspirations-raum, Treffpunkt, Trendlabor, Ausstellungsort und Bühne gleichermaßen. Sie ist öffentliches Stadtzentrum, in dem sich Menschen aller Altersgruppen und Kulturen gemeinsam aufhalten und zusammen kommen können. Die Bibliothek im digitalen Zeitalter ist in erster Linie ein Ort für die Menschen, die sich trotz bester virtueller Vernetzung nach einem realen Raum mit inspirierender Atmosphäre zum Austauschen und zum Zusammensein sehnen. Hier finden die Menschen für ihre Fragestellungen alle Medien, die sie benötigen, sowie die professionelle Hilfestellung zum Auffinden von Informationen und die Möglichkeit, Kenntnisse zu erlangen, die im digitalen Zeitalter unerlässlich sind.“
Die zentrale Lage vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof erfüllt den Hauptwunsch des Bibliothekspublikums: die Erreichbarkeit. Täglich pendeln mehrere Hunderttausend Menschen über den Bahnhof zu ihrem Arbeitsplatz oder zu ihrer Ausbildungsstätte, zur Schule, zur Hochschule oder zum Betrieb. Mit einer Gesamtfläche von über 12.600 qm auf nur zwei Ebenen kann die bisherige Publikumsfläche fast verdoppelt werden. Das Gebäude ist barrierefrei erschlossen. Kundenwünsche nach einer gesonderten Jugendbibliothek, nach einem Lesecafé, nach separaten Veranstaltungsräumen, nach Gruppenarbeitsräumen, nach ruhigen Arbeitszonen und einer ausreichenden Anzahl von Arbeitsplätzen können erfüllt werden. Schließlich ist die Zentralbibliothek nicht allein im KAP 1, wie das Gebäude heute vielfach im Volksmund genannt wird. Vielmehr wird hier ein zentraler Ort für kulturelle Einrichtungen entstehen. Die Stadtbüchereien freuen sich auf die Nachbarschaft und Kooperation mit dem Forum Freies Theater (FFT), dem Theatermuseum sowie weiteren Kulturinstituten, die mit Depotflächen im Hause vertreten sind. Außerdem findet das Schulverwaltungsamt hier ein neues Zuhause.