Annette Krohn, Veranstaltungsarbeit,
Organisation Literarischer Schnellkurs

„Happy Birthday, Literarischer Schnellkurs!“ 20 Jahre literarische Bildung und Unterhaltung in der Zentralbibliothek von Annette Krohn

Der Literarische Schnellkurs wurde 1997 in der Zentralbibliothek ins Leben gerufen. Die Idee war, dem Düsseldorfer Publikum einzelne Autorinnen und Autoren näher zu bringen, an sie zu erinnern, Furcht vor der Lektüre von Klassikern zu nehmen, ihre zeitlosen Inhalte auf besondere Art erfahrbar zu machen und natürlich: das Publikum gut zu unterhalten. Wie bei allen Veranstaltungen der Zentralbibliothek geht es uns immer darum, die Freude am Lesen und den Spaß an der Literatur zu fördern. Das Konzept des Schnellkurses ist schnell erklärt: Die Werke deutschsprachiger Autorinnen und Autoren werden im wöchentlichen Turnus vorge-stellt. Die Termine werden in einer Kombination aus literaturwissenschaftlichem Vortrag und der Rezitation von Auszügen aus Originaltexten durch Schauspielerinnen und Schauspieler gestaltet. An vier Abenden stand zum Start 1997 der Düsseldor-fer Klassiker Heinrich Heine im Fokus der neuen Veranstaltungsreihe. Sehr schnell sprach sich in der Stadt herum, dass man im Schnellkurs nicht nur gut unterhalten wird, sondern auch ganz neue Aspekte eines Autors kennenlernt.

Autoren und Autorinnen
Die von Anfang an sehr erfolgreiche Reihe – bis heute besuchen im Schnitt 110 Interessierte jeden einzelnen Abend – beschäftigte sich zunächst mit den Klassikern: Bertold Brecht, Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann, Hermann Hesse, Franz Kafka, Erich Kästner, Friedrich Schiller, Ingeborg Bachmann, Heinrich Böll, Paul Celan, Max Frisch, Günter Grass, Georg Büchner, Uwe Johnson und Thomas Bernhard. Zweimal hatten die vier Abende thematische Klammern: 2008 hieß die Überschrift „Verboten, verbrannt, vergessen – Werke der verlorenen Generation“. Erinnert wurde an Literatur, die der nationalsozialistischen Bücherverbren-
nung 75 Jahre zuvor zum Opfer fiel. 2015 rückten die bis dahin vernachlässigten weiblichen Anteile der Literaturgeschichtsschreibung in den Vordergrund. Unter dem Motto „Widerstand mit Worten – deutschsprachige Autorinnen“ wurden Rose Ausländer, Irmgard Keun und Selma Meerbaum gewürdigt. Im Folgejahr stand erstmals eine (damals) noch lebende Autorin auf dem Programm: Christa Wolf. Aufgrund gesundheitlicher Probleme konnte sie selbst leider nicht nach Düsseldorf kommen, schickte aber per Brief herzlichste Grüße.

Heinrich-Heine-Universität und andere Kooperationen
Von Anfang an legte die Organisatorin Wert darauf, Lehrkräfte der Heinrich-Heine-Universität mit ins Programm einzubeziehen. Zu Gast waren unter anderem: Prof. Dr. Sibylle Schönborn, Prof. Dr. Bernd Witte, Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Prof. Dr. Volkmar Hansen, Prof. Dr. Joseph A. Kruse. Von auswärts kamen Literaturexperten wie zum Beispiel der Spiegel-Redakteur Volker Hage, der Cheflektor des Suhrkamp Verlags Raimund Fellinger, die Kölner Germanistik-Koryphäe Prof. Dr. Volker Neuhaus, der Leiter des Günter Grass-Hauses in Lübeck Dr. Jörg-Philipp Thomsa, der Inhaber der Uwe Johnson-Professur an der Universität Rostock, Holger Helbig, und Viktor Böll, langjähriger Mitarbeiter und Neffe Heinrich Bölls und späterer Leiter des Heinrich-Böll-Archivs der Stadt Köln. Schnell war klar, dass das Publikum auch Abweichungen vom üblichen Veranstaltungskonzept mit offenem Interesse wahrnimmt. Literarisch-musikalische Abende wurden gestaltet: Das Esslinger Lyrik Bühne Duo porträtierte Ingeborg Bachmann, Paul Celan und Mascha Kaleko in Ton und Wort. Der Schauspieler Peter Welk konzipierte eigens ein Düsseldorfer Literaturkonzert zum Schnellkurs 2014 mit der Überschrift: „Zwei Mecklenburger Dickschädel beim literarischen Ritterspiel“ – ein Literaturkonzert zum Briefwechsel von Uwe Johnson mit Walter Kempowski. In Zusammenarbeit mit Studierenden der Bergischen Universität Wuppertal wurde 2012 begleitend zum Schnellkurs gezeigt: „Günter Grass – Düsseldorfer Jahre (1947–1952). Eine Ausstellung zum 85. Geburtstag des Nobelpreisträgers“. Zweimal gab es im Programm der Schnellkurse auch Theaterinszenierungen in der Zentralbibliothek zu sehen: „Kassandra“ in einer exklusiven Inszenierung der Wuppertaler Bühnen 2009, außerdem „Woyzecks Tod/Lenz und Lena“ des Bochumer artENSEMBLE THEATERs im neu eröffneten Lesefenster der Zentralbibliothek 2013. Filmvorführungen ergänzten das Programm der Schnellkurse: In Kooperation mit dem Gerhart-Hauptmann-Haus wurde begleitend zum Schnellkurs über Uwe Johnson dort die vierteilige Verfilmung seines Klassikers „Jahrestage“ gezeigt. 2017 ergänzte die Vorführung des Dokumentarfilms „Wer hat Angst vor Sibylle Berg?“ in der Filmwerkstatt Düsseldorf perfekt die Veranstaltungsreihe über die Autorin.

Schauspieler und Künstler
Eng verbunden mit den Literarischen Schnellkursen sind unter anderem diese Schauspielerinnen und Schauspieler: Claudia Burckhardt, Anna Barbara Hagin, Bernt Hahn, Olaf Reitz, Petra Kuhles, Caroline Keufen und Moritz Führmann. Zum 20-jährigen Geburtstag des Literarischen Schnellkurses gab es 2017 einige Besonderheiten: Erstmals wurde die komplette Reihe – über Sibylle Berg – in enger Kooperation mit Dr. Verena Meis, Heinrich-Heine-Universität, und ihren Studierenden in zwei Seminaren konzipiert. Zwei Abende fanden in Kooperation mit der Filmwerkstatt bzw. mit dem Festival „die digitale düsseldorf “ statt. Als Premiere gab es eine künstlerische Umsetzung des „Berg-Werkes“. Der Bergp@villon des Düsseldorfer Studios „Drasdos – Form follows us“ – „eine Huldigung der digitalen Präsenz, eine generierte Materialisierung der virtuellen Sibylle Berg“ – stand für die Dauer der Veranstaltungsreihe im Lesefenster der Zentralbibliothek. Drei der vier Abende wurden in dialogischer Form durchgeführt und von Dr. Verena Meis moderiert. Die „Frischekur“ für den Literarischen Schnellkurs wurde vom auffallend altersgemischten Publikum begeistert angenommen. Weit über hundert Besucherinnen und Besucher kamen pro Abend. Das Programm wurde finanziell vom Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf unterstützt. Der Literarische Schnellkurs hat in 20 Jahren mit großer Qualität und variantenreichem Konzept ein treues und sich stetig wandelndes Publikum gewonnen. An seiner Fortführung besteht auch für das kommende Jahr kein Zweifel.