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Der Freund der Toten: Roman von Jess Kidd, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Dumont Verlag

Wenn man erstmal angefangen hat, diesen magischen und entzückenden Roman zu lesen und den Protagonisten Mahoney kennen gelernt hat, ist man überhaupt nicht mehr bereit, das kleine irische Dorf und die wunderbaren Charaktere zu verlassen.Mahony ist Mitte 20 und ein kleiner Gelegenheitsgauner, der in einem Dubliner Waisenhaus aufgewachsen ist, in dem er einst als Kleinkind abgegeben wurde. Nach einem Hinweis auf seine Herkunft beschließt Mahony die Bewährungsauflagen zu missachten und in sein Geburtsdorf Mulderrig (ein fiktionales Dorf in der Grafschaft Mayo) zu gehen. Hier will er herausfinden, was damals mit seiner Mutter passiert ist und warum er im Waisenhaus gelandet ist. Dabei findet er freundlich gesinnte Bewohner, ebenso wie Gegner in der Dorfgemeinschaft. Zu den Dorfbewohnern gehören sowohl die Lebenden als auch die Toten und Mahony sieht sie alle. Die Toten sind fast so real wie die Lebenden und ebenso wunderbar menschlich.

Diese Kombination aus Irish-Pub-Seemannsgarn, Mystery, Action, Krimi und Folklore ist wirklich sehr charmant. Was mich jedoch am meisten berührt, sind die gelegentlichen Ausflüge in sehr irischbildliche Prosa. Sie haben wirklich die außergewöhnliche Kraft, einen Ort herauf zu beschwören und die/den LeserIn zu bezaubern.

Jess Kidd, deren Debüt dieser Roman ist, schafft mit ihrer wundervollen Sprache, üppige, sanfte Bilder in den Kopf des/der Lesers/Leserin zu malen und diese immer wieder zu verändern. Auch die Übersetzer haben diese wunderbare Sprache im Deutschen lebendig gehalten.

Der Roman ist in der Zentralbibliothek unter der Signatur Z Kidd und in der Onleihe entleihbar.

Karoline Kahmann, Online- und SocialMedia Redakteurin

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