Wir sprechen gerne über Bibliotheken. Das habt ihr schon gemerkt, oder?
Na klar, denkt ihr, die arbeiten ja auch in einer Bibliothek. Stimmt. Viel wichtiger aber ist: wir machen das gerne. Und nicht nur das: wir machen uns auch Gedanken darüber,  was in Zukunft die Aufgaben von Bibliotheken sein werden, mit welchen gesellschaftlichen Themen Bibliotheken und wir uns beschäftigen müssen und was unsere Besucher überhaupt von uns wollen. Ist ja kein Wunder, dass wir da auch gerne über Bibliotheken sprechen.

Wir machen das auf ganz verschiedenen Wegen – jeden Tag, ganz persönlich unter Kollegen oder mit unseren Lesern, aber auch online, auf Facebook, Twitter, Snapchat und Instagram. Wir teilen dort unsere Themen mit Euch, was es Neues gibt, oder was uns gerade Lustiges einfällt – das heißt, wir gehen mit Informationen in verschiedener Form nach außen. Das macht Spaß und ist wichtig, aber das macht vor allem dann Spaß, wenn ihr auch reagiert, etwas fragt, Anregungen gebt oder sonstwie mit uns ins Gespräch kommt. Also immer dann, wenn wir uns austauschen und auch von Euch erfahren, was ihr Euch von Bibliotheken so vorstellt. Und das gilt sowohl für FachkollegInnen als auch für alle, die sich überhaupt für uns interessieren.

Ein Experiment

Und genau deshalb gibt es seit einiger Zeit ein Experiment. Einer der geistigen Eltern dieses Experiments ist mein Kollege Stephan Schwering, seines Zeichens Leiter der Zentralbibliothek,  und deshalb (aber nicht nur deshalb) will ich heut darüber berichten. Das Experiment ist der BIBChat oder vollständig #BIBChatDE.

Einen Chat kennt ihr alle, und BIB steht natürlich für Bibliothek, aber das besondere ist, das dieser #BIBChatDE nicht über eine isolierte Plattform oder mittels einer bestimmten Software stattfindet, sondern ganz öffentlich beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die Idee: Ein Thema rund um Bibliotheken im Internetzeitalter wird auf Twitter diskutiert, unter dem Dach eines eigenen Twitteraccounts – jeder kann mitmachen und jeder kann mitlesen.

Wie kam es dazu?

Ich schrieb gerade von geistigen Eltern, und die Idee zum #BIBChatDE ist eine Gemeinschaftsarbeit, genauso wie die Umsetzung. Schon vor gut einem Jahr, auf dem letzten Bibliothekskongress in Leipzig, wurde der Gedanke zwischen einigen privat und beruflich twitternden Bibliothekaren diskutiert – geboren wurde er aus dem Vorbild der allwöchentlich twitternd diskutierenden Lehrer des Twitter-Accounts @EDChatDE .

Die Frage damals: Könnte eine regelmäßige digitale Unterhaltung per Kurznachrichten über Twitter auch für Bibliotheken und Bibliotheksthemen funktionieren?

Das Ganze hatte Zeit zu reifen, wurde auf dem BibCamp in Stuttgart weitererfolgt und dieses Jahr dann aus der Taufe gehoben, und der Account @BIBChatDE ging im April an den Start. Zusätzlich gibt es einen Blog, auf dem alle Informationen gesammelt sind: www.bibchat.de
Unterstützt und getragen wird das Projekt übrigens vom BIB Berufsverband Information Bibliothek e.V.

Ein kleiner Ausschnitt aus der #BIBChatDE-Homepage

Aber wozu?

Ja, das muss ich vielleicht noch etwas genauer erläutern – wozu das eigentlich? Klar, wir möchten ins Gespräch kommen, aber es steckt noch mehr dahinter. Es geht auch darum, sich unter Bibliothekaren zu vernetzen, und genauso darum, auch andere Institutionen, Twitterer, Blogger, Journalisten, Medienmenschen und viele andere mit ins Boot zu holen und  für uns zu interessieren. Und natürlich auch darum, mit Euch ins Gespräch zu kommen, mit Bibliotheksnutzern und Nicht-Nutzern (genauso interessant!) Meinungen und Gedanken auszutauschen und sichtbar zu machen.

Wie funktioniert das?

Das ganze muss natürlich organisiert werden. Hierzu hat sich eine Gruppe von vier twitternden Bibliothekaren aus Düsseldorf, Köln, Nürnberg und München zusammengefunden und übernimmt die inhaltliche Gestaltung und abwechselnd die Moderation. Die Vier sind (hier auch mit ihren Twitternamen) Marlene Neumann von der Stadtbibliothek Erlangen unter @marlene_n , Tanja Erdmenger aus der Münchner Stadtbibliothek unter @eLibTanja, Dirk Ehlen, Fachstelle für öffentliche Bibliotheken NRW, unter @dirk_ehlen und Stephan Schwering hier aus der Zentralbibliothek als @StpnLibrarian. Alle vier machen das in ihrer Freizeit, auch das soll hier mal gesagt werden. Jeder #BIBChatDE wird von je zwei der Initiatoren moderiert, die anderen sind aber auch mit ihren persönlichen Accounts dabei.

Der #BibChatDE findet jeweils am ersten Monat eines Monats um 20:00 statt und dauert jeweils eine Stunde, der erste war am 03. April. Wenn ihr das hier lest, dann ist es deshalb auch nicht mehr lange bis zum nächsten Termin, der ist nämlich schon am Pfingsmontag, den 05.06. (gerne vormerken!) – ja, auch an Feiertagen chatten de Kollegen mit euch, das nenne ich mal Einsatz.
Für jeden neuen #BIBChatDE gibt es ein bestimmtes Thema, das ihr mit den BIBChattern diskutieren könnt und zu dem eine Reihe Fragen als Ausgangspunkt schon vorgegeben sind. Und dann wird losgetwittert – zuerst kann sich jeder kurz vorstellen und dann zu den Fragen twitternd Stellung nehmen und diskutieren. Die Fragen sind mit F1, F2, F3 usw, durchnummeriert und jeder der antwortet, versieht seine Antwort mit den entsprechenden Kürzeln A1, A2, A3, damit sie zugeordnet werden können. Wichtig auch: jeder Beitrag zur Unterhaltung sollte mit dem Hashtag #bibchatde versehen werden.

Das erste Mal…

Für den ersten #BIBChatDE haben die Initiatoren ein niedrigschwelliges Thema ausgesucht – es soll eben gerade keine Fachdiskussion sein, sondern eine Unterhaltung von Profis und Nutzern von Bibliotheken auf Augenhöhe. Deshalb war das erste Thema: „Wozu noch Bibliotheken? Es gibt doch Google!“

Ein Tweet kurz vor dem ersten BIBChat-Start im April

Und: es war ein guter Start! Zahlreiche Twitterer haben sich beteiligt und – Überraschung und große Freude – der Hashtag #bibchatde brachte es bei den Twitter-Trends bis ganz nach oben, ein voller Erfolg für alle Beteiligten. Diskutiert haben Bibliothekare, Auszubildende, Studierende und Bibliotheksnutzer oder einfach Interssierte, eine gute Mischung also, und es wurde festgestellt: es gibt reichlich Stoff für viele weitere Ausgaben von #BIBChatDE.

Die Themenfindung

Die Themen werden sorgfältig ausgewählt und basieren auf den vorangegangenen Chats. Die Moderatoren werten die Gespräche aus und stellen dann bei Twitter und auf der #BIBChatDE-Homepage fünf Themen für den nächsten Chat zur Wahl, über die alle dann bei Twitter abstimmen können. So ergeben sich die Themen immer auch aus der Teilnehmergruppe heraus.
Und nachdem beim zweiten erfolgreichen Chat die Frage diskutiert wurde: „Veränderungen in Bibliotheken – Was wollen Mitarbeiter/innen und Nutzer/innen?“,  ist jetzt am nächsten Montag das Thema „Raus aus der Bibliothek. Wo sollen Bibliotheken morgen aktiv sein?“

Das nächste Thema steht. Mitdiskutieren am 05.06.

Also tragt euch den Termin schon mal in euren Kalender ein, erholt euch über Pfingsten gut, macht euch vielleicht schon mal ein paar Gedanken zum Thema und steigt dann am Montag einfach mit ein in die Diskussion. Das Team vom #BIBChatDE wartet nur auch Euch!

Und wie immer bekommt ihr hier noch ein paar Links, zum Weiterlesen und Informieren:

Die #BIBChat Homepage: http://www.bibchat.de/,
@BIBChatDE aufTwitter: https://twitter.com/BIBChatDE
Ein Beitrag im Blog der Münchner Stadtbibliothek: http://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/premiere-am-montag-bibchatde-auf-twitter/
Und eine Info von der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW: https://oebib.wordpress.com/2017/03/20/bibchatde-bibliothekschat-auf-twitter/

 

 

 

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