Das LibraryLab-Team: Sonja Meier, Stephan Schwering, Maike Lins, Ursula Baur, Tom Kissel und Simon Ostendarp (von links nach rechts)

Ich habe schon eine Weile hin und her überlegt, mit welchem Satz ich diesen Blogbeitrag anfangen soll. Nun, das wäre damit erledigt, ha. Was lange währt…

Aber warum habe ich überhaupt so lange darüber nachgedacht? Eigentlich ganz einfach: Weil ich heute über etwas schreiben will, dass für uns hier in der Zentralbibliothek ziemlich aufregend ist, das neu ist, das uns wichtig ist und von dem wir glauben, dass es uns und vor allem natürlich Euch viel Spaß machen wird. Deshalb hoffe ich, dass mein  Beitrag hier so interessant ist, dass ihr ihn auch lesen möchtet.

Überlegt habe ich aber auch, weil das, über das ich hier schreibe, noch in der Entwicklung ist, das meiste noch nicht richtig anfassbar, erst im Aufbau und deshalb manchmal schwierig zu beschreiben ist. Wir stehen nämlich am Anfang von etwas Spannendem, Aufregendem, das manchmal noch abstrakt klingt, aber jetzt endlich konkret wird.

Also worum geht es? Es geht um unser LibraryLab. Komischer Name, ihr könnt euch nichts darunter vorstellen? Das macht nichts, denn das ist etwas, das es so noch nicht gibt. Wenn ihr aber gleich erfahrt, was dahintersteckt und was wir uns dabei gedacht haben, dann macht der Name hoffentlich auch für euch Sinn.

Die Vorgeschichte

Um das Projekt LibraryLab zu erklären, muss ich aber ein bisschen ausholen:

In der Bibliothekswelt passiert, wie überall, im Moment ganz viel: die Wünsche unserer  Besucher sind andere als noch vor 10 oder 20 Jahren, viele Informationen werden heute ganz selbstverständlich online gesucht, die Medien und die Ausleihzahlen verändern sich und unsere Räume werden anders genutzt. Und das sind nur ein paar von vielen Veränderungen. Dazu gibt es immer mehr neue Dienstleistungen, die in Bibliotheken gewünscht werden oder angeboten werden können.

Wir wollen euch gerne eine Bibliothek geben, die ihr gerne besucht, na klar, und wir wollen mit unserem Angebot auf gesellschaftliche Entwicklungen und digitale Trends reagieren und uns mit verändern. Um das zu schaffen, wurde bei uns ein „Zukunftsprozess“ gestartet, an dem sich alle Kolleginnen und Kollegen beteiligen können und nach dessen Auftakt ein Bild, eine Wunschvorstellung, von unserer zukünftigen Bibliothek stand, als „Vision Zentralbibliothek 2020 – bewegen – entdecken – entwickeln“. Darin geht es vor allem darum, wie wir sein wollen, was wir bieten und wie wir in Zukunft arbeiten. Über die Zukunftsvision gibt es übrigens auch schon einen Blogbeitrag, den ihr hier nachlesen könnt:

https://stadtbuechereienduesseldorf.wordpress.com/2016/05/31/vision-2020-zentralbibliothek-der-zukunft-bewegen-entdecken-entwickeln/

Unsere Vision – wie wollen wir sein?

Bevor es gleich endlich konkreter wird, wird es jetzt noch einmal etwas abstrakt.

Es gibt einen ganz wichtigen Satz in unsrer Zukunftsvision, der lautet so:

„Die Zentralbibliothek lernt aus ihrem Tun. Die Bereitschaft zum Lernen und Experimentieren hat einen hohen Stellenwert. Sie bleibt für zukünftige Entwicklungen flexibel. Angebote werden prozesshaft gesehen und immer wieder hinterfragt“

Diesen Teil der Vision wollen wir mit dem LibraryLab zum Leben und in die Bibliothek bringen.

Wie soll das aussehen?

Der Name LibraryLab beinhaltet den Bestandteil „lab“, also Labor. Laut Duden ist das eine „Arbeitsstätte für naturwissenschaftliche, technische oder medizinische Arbeiten, Untersuchungen, Versuche o. Ä.“[1] Ganz so eng darf man unser „Lab“ zwar nicht betrachten, aber der Kerngedanke ist der gleiche: Wir wollen eine „Experimentierbude“ in der Zentralbibliothek aufbauen, einen eigenen Bereich, in dem neue (Bibliotheks-)Angebote und neue digitale Technik, die sonst nicht für jeden so einfach greifbar ist, ausprobiert werden können. Das Angebot wird möglichst offen zum Ausprobieren und Experimentieren bereitstehen, damit ihr es allein, gemeinsam, in Gruppen oder wie immer ihr wollt nutzen könnt. Es soll ein Raum sein, in dem ihr und wir voneinander lernen können, neue Technologien kennenlernen und miteinander reden können. Außerdem wird es verschiedene neue und altbekannte Veranstaltungen zu digitalen Themen hier geben, von uns oder von Gästen. Kommt Euch das teilweise bekannt vor? Ja genau, es steht hier ein ähnlicher Gedanke dahinter, wie bei einem  Makerspace, über den ich neulich erst geschrieben habe. Allerdings wollen wir hier noch einen Schritt weitergehen, quasi ein „Makerspace Plus“. Doch dazu gleich mehr.

Was soll es da geben?

Im LibraryLab wird es ganz verschiedene Dinge geben, manche davon könnt ihr sehen und anfassen, andere nicht.

Ein ganz wichtiger „zum Anfassen“- Teil ist der Bereich Virtual- und Augmented Reality. Im LibraryLab wird es Virtual Reality-Brillen geben, PCs, um Virtual-Reality-Filme zu erstellen und die Möglichkeit, selbst VR-Brillen zu gestalten. Mit Brillen, VR-Stühlen und –PCs können virtuelle Welten entdeckt werden, ob es Kunst und Kultur angeht oder den Bereich Gaming. Dabei heißt es für euch wie für uns: selbst entdecken, was geht.

Im LibraryLab soll es für euch außerdem Raum für Gaming geben – und zwar egal wie alt ihr seid. Das Gaming ist mittlerweile Teil der Alltagskultur und unser Bereich soll nicht nur hartgesottenen Gamern offenstehen, sondern für alle, die uns besuchen, Möglichkeiten bieten, Spiele, Spielekonsolen und virtuelles Spielen auszuprobieren, zu entdecken und gemeinsam zu spielen, unabhängig von Alter und Vorerfahrung. Aber ihr könnt nicht nur selbst spielen, sondern auch das (gemeinsame) Spieleerstellen (Coding) soll hier seinen Platz haben, immer im Sinne des Selbermachens und Voneinander-Lernens.

Wir finden, Gaming hat  immer auch etwas mit Lernen zu tun, deshalb sollen die Spiele hier als Medium gleichberechtigt neben Büchern und anderen Medien stehen. Mit Veranstaltungen zum Bereich Games wollen wir auch einen Beitrag zur Medienbildung leisten.

Diese beiden sind für den Anfang unsere Schwerpunkte im „sichtbaren“ LibraryLab, ihr werdet aber auch noch einen 3D-Drucker hier finden und ganz viele verschiedene kleinere Ausprobiereinheiten auch für jüngere Besucher, den Bereich „makerkids“, z.B. programmierbare Roboter und Materialien zum Bauen von eigenen Robotern, Elektronik- und Technik-Baukästen, Geschichtenbaukästen von LEGO,  und noch vieles andere. Auch einige digitale Dinge, die jetzt noch an verschiedenen Stellen in der Bibliothek stehen, werden hier einen neuen Platz bekommen.

Und all das wird für alle gedacht sein. Egal ob ihr langjähriger Kunde seid, ganz neu hier, nur auf der Durchreise oder ob ihr einfach mal gucken möchtet: Ihr könnt selbst kommen, mit euren Freunden, Eltern, Oma und Opa oder euren Kindern, wir planen für euch alle etwas zum Entdecken.

Soweit so gut! Und was noch?

Das alles erinnert ja an einen Makerspace, aber, wie gesagt, da kommt noch mehr, das „Plus“. Das ganze Projekt soll, um unsere Zukunftsvision auch wirklich real zu machen, uns dabei helfen, zusammen und gemeinsam mit euch, die Bibliothek neu zu denken. Wir selbst werden die Gelegenheit haben, uns hierzu fortzubilden (der nach außen unsichtbare Teil des LibraryLab), aber auch für euch wird es die Möglichkeit geben, uns genau zu zeigen, wie ihr uns gerne hättet. Also denkt euch schon mal was aus!

Als Experimentierbude ist das LibraryLab ja zum Ausprobieren gedacht – niemand der hierhin kommt, muss schon irgendwas können. Trotzdem wollen wir das Projekt und den Raum auch dazu nutzen, uns für alle Themen, die hier interessant sein können, Spezialisten und Experten ins Haus holen, damit wir gemeinsam mit euch auch ein bisschen Input und Anregungen für unsere Geräte, Spiele, Baukästen und digitale Themen bekommen. Also zum Beispiel können wir uns vorstellen, dass hier Workshops zur Spielegestaltung stattfinden, Vorstellung von Spielen, Einführung in die Welt der VR-Brillen, Workshops zum 3D-Druck, oder auch Vorträge und Austausch zu Themen wie Social Media, Cybermobbing, Cyberkriminalität, Erstellen von YouTube-Videos, Bloggen, Wikipedia und so weiter. Ihr seht, da ist unheimlich viel vorstellbar.

Um das zu ermöglichen, beginnen wir gerade, uns mit den entsprechenden Communities in und um Düsseldorf zu vernetzen, Kontakte zu knüpfen und Raum für solche Einheiten zu bieten. Wir wollen uns für unsere digitale Nachbarschaft (noch weiter) öffnen und ein Netzwerk mit verschiedenen Communities und Optionen für gemeinsame Angebote schaffen. Der Anfang ist gemacht.

Habt ihr eventuell selbst ein besonderes Interesse in einem der Bereiche? Meldet Euch, vielleicht können wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen.

Schreibt uns, hier sind unsere Adressen:

stephan.schwering@duesseldorf.de, Leiter der Zentralbibliothek

ursula.baur@duesseldorf.de, IT

maike.lins@duesseldorf.de, Digitale Kundenservices

Aber einen wichtigen Teil habe ich jetzt noch gar nicht erwähnt: Wir wollen nicht nur für Euch und die digitale Gesellschaft offenstehen, sondern auch für unsere Kolleginnen und Kollegen aus dem Bibliotheks- Medien- und Bildungsbereich. Wir machen hier schließlich etwas Neues und wollen, dass alle vorbeikommen können und sich anschauen können, was wir hier tun, Ideen mitnehmen oder uns welche dalassen (immer gerne!) und/ oder mit uns kooperieren und vernetzen.

Das kostet doch Geld – kauft ihr deshalb jetzt weniger Bücher?

Klares Nein! Neue Technik, Ausstattung, Möbel und Veranstaltungen kosten natürlich, deshalb haben wir uns Unterstützung gesucht und einen Projektantrag beim Land NRW eingereicht. Und – wir haben gejubelt! – es hat geklappt und wir erhalten für das, was wir hier vorhaben, eine Förderung vom Landesministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wo steht ihr im Moment? Wann geht es los?

Gute Frage! Nachdem wir kürzlich die Zusage für das Projekt bekommen haben, kann es jetzt endlich losgehen. Unser LibraryLab-Team, das ist eine Gruppe von sechs Kolleginnen und Kollegen, die das Projekt betreuen, und wir haben uns als erstes darangemacht, zu schauen, was wir an Einrichtungsgegenständen brauchen, wie wir unsere verschiedenen Geräte aufstellen wollen und wie das LibraryLab-Logo aussehen soll. Wir haben uns den Makerspace in der Stadtbibliothek Köln angesehen und uns Inspiration geholt (Danke!) und haben verschiedene Communities identifiziert, zu denen wir den Kontakt herstellen oder reaktivieren wollen. Es werden bald mit Hochdruck Bestellungen gemacht, Pläne für Unterbringung aller Materialien, Veranstaltungsideen gesammelt und ein Programm gebaut.

Weil wir wollen, dass unser LibraryLab im Herbst an den Start geht, haben wir jetzt viel zu tun.

Abstraktes wird konkret, Kontakte werden hergestellt und Ideen werden Wirklichkeit – Bleibt dran, wir halten euch auf dem Laufenden, wie es weitergeht. (ml)

[1] http://www.duden.de/node/713591/revisions/1389525/view

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