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Das Literaturbüro NRW bietet nach bisherigen erfolgreichen Projekten für „Seiteneinsteiger“ in die deutsche Sprache gemeinsam mit den Stadtbüchereien Düsseldorf seit dem 7. Februar 2017 ein neues, außerschulisches Angebot an: die SCHREIB-BAR. Das ist ein Workshop für kreatives Schreiben, unter der Leitung von Ursula Nowak. Einmal wöchentlich findet die SCHREIB-BAR im Gerhart-Hauptmann Haus in Düsseldorf statt. Der Workshop ist kostenfrei und richtet sich an Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Die TeilnehmerInnen wurden über Düsseldorfer Schulen eingeladen, sie verfügen über erste Deutschkenntnisse.  Ziel ist es, die Lese- und Schreiblust in der neuen Sprache zu wecken und die Jugendlichen auf Angebote rund um Bücher und Literatur in ihrer neuen Heimatstadt aufmerksam zu machen. Der Workshop wird flankiert von anderen Veranstaltungsformaten rund ums Buch: einer Bibliotheksführung, dem Besuch einer Buchbinderei und Veranstaltungen mit einem Illustrator / einer Illustratorin und einem Jugendbuchautor / einer Jugendbuchautorin. Und nicht zuletzt bietet die SCHREIB-BAR den Jugendlichen ein Ort des Kennenlernens und des Austauschs. Die Atmosphäre ist offen und gastlich, es gibt Tee und Kekse in den Schreibpausen und Zeit für Gespräche.

Inwiefern spielen dabei aktuelle Kinder- und Jugendbücher eine Rolle?  

Aktuelle Kinder- und Jugendbücher werden zu Beginn einer jeden Workshop Einheit vorgestellt und dienen als „warm-up“, um die Fantasie der Teilnehmer anzuregen. Vor allem Bücher zu den Themen Flucht, Krieg und Ankommen in einem fremden Land können jungen Flüchtlingen helfen, das am eigenen Leib erlebte zu verarbeiten. „Dazwischen: Ich“ von Julia Rabinowich beschreibt Situationen, die jugendliche Flüchtlinge häufig in ähnlicher Weise erlebt haben. Wenn die Hoffnung größer ist als die Angst, ist „Kein Weg zu weit“, ein Titel von Brigitte Blobel oder „So fremd, so schön“ von Cornelia Franz zeigt, dass nach der Flucht auch die Rückkehr folgen kann. Vieles ist möglich und der Blick auf Schicksale anderer Flüchtlinge erweitert die Sicht auf das eigene Leben. In einem kreativen Schreibprozess haben die Jugendlichen die Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten. Die Figuren ihrer Geschichten stehen häufig als Wunschfiguren für das eigene Ich, sie symbolisieren Lebensentwürfe und die Geschichten stehen häufig, und das ist das Wichtigste, für ihre Träume von der Zukunft.

Wie müssen Kinder- und Jugendbücher geschaffen sein, damit sie für Ihre Arbeit in der Schreibwerkstatt relevant sind? 

Aufgrund des geringen deutschen Wortschatzes der Flüchtlinge ist es sehr schön, wenn Bücher zweisprachig sind. Da in der „SCHREIB-BAR“ die meisten TeilnehmerInnen aus Syrien kommen, sind Titel wie beispielsweise Kirsten Boie & Jan Birck „Bestimmt wird alles gut“ auf deutsch/arabisch oder „Zuhause kann überall sein“ von Irena Kobald & Freya Blackwood sehr hilfreich. Es gibt viele tolle Bilderbücher wie beispielsweise „Die Flucht“ von Francesca Sanna, die allerdings eher für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren geeignet sind. Für Jugendliche eignen sich neben aktuellen Jugendbüchern auch gerne „Graphic Novels“ an. Dieses Genre bietet den Flüchtlingen eine gute Möglichkeit, mit Text und Bild, den Inhalt zu verstehen. Da die Sprachkenntnisse der Jugendlichen sehr unterschiedlich sind, ist die Auswahl der Titel breit gefächert. (mh)

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