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Ein paar einfache Fragen:

Lest ihr am liebsten ganz klassisch die Printausgabe oder lieber das eBook? Gedruckt oder digital? Lieber ein Hardcover oder das kleinere Taschenbuch? Oder vielleicht lieber auf dem Tablet, dem Smartphone, dem eReader oder sogar an eurem PC?

Wenn ihr jetzt kurz überlegen musstet und die Fragen doch nicht so eindeutig zu beantworten wisst, wie ihr vielleicht nach dem ersten Satz dachtet, oder wenn ihr antworten wolltet „kommt drauf an“ dann freut euch, denn ihr seid in guter Gesellschaft. Denn zumindest meiner Wenigkeit geht das genauso. Und ich bin mir sicher, dass wir (also ihr und ich) nicht die einzigen sind.

Damit könnten wir es vielleicht bewenden lassen, aber dieser Blogbeitrag heißt ja: „Warum ich eBooks lese“ und ich will kurz erklären, warum ich es überhaupt nötig finde, das hier zu schreiben.

Zuerst einmal:

Ich arbeite hier in der Zentralbibliothek im Bereich Digitale Dienste und, ja, ich lese eBooks. Aber das ist eben nicht alles.

Wenn ich mich mit anderen Menschen darüber unterhalte, was ich tue, kommt irgendwann, egal ob beruflich oder privat, das Gespräch auch auf eBooks. Und ganz oft kommt es mir dann so vor, als handele es sich bei der Antwort darauf, ob man diese liest oder nicht, für das Gegenüber in Wirklichkeit um ein Bekenntnis darüber, wie man Literatur und Kultur versteht.

Ganz oft höre ich dann auf mein Geständnis, dass ich gerne und viele eBooks lese, Antworten, die sich ungefähr so anhören: „Also, ich kann das nicht, ich bin ein Buchmensch.“ – „Nein, also ich brauche das gedruckte Buch.“ – „Ich brauche das Gefühl von Papier.“ – „Ich finde, das ist kein richtiges Buch.“ – „Das ist nichts für mich.“ „Das ist nicht dasselbe.“

Das alles ist okay, finde ich, jeder kann und soll ja selbst entscheiden, was er mag. Und nebenbei gesagt, ich spreche natürlich auch mit vielen, die eBooks lieben.

Aber egal, wie die Antworten auch lauten, es erscheint mir dann ganz oft, als müsste ich mich irgendwie erklären.

Warum,

fragt ihr jetzt vielleicht – Schwer zu sagen, aber manche Antworten dieser Art und wie sie vorgebracht werden, machen auf mich den Eindruck, dass man eBook-Leser insgeheim für Banausen hält, für eine Art Fast-Food-Literatur-Konsumenten, die den wahren Lesegenuss eines „echten“ Buches nicht zu schätzen wissen. Punkt. Schublade zu. So richtig gesagt hat mir das niemand, zugegeben, aber das war eben immer wieder mal mein Eindruck.

Ich schreibe also hier, weil mir diese Banausen-Schublade nicht gefällt.

Denn, wisst ihr was? Zumindest ein Teil der zitierten Antworten trifft für mich genauso zu. Ich brauche das gedruckte Buch auch, irgendwie, es gehört zu meinem Leben. Es ist großartig, ein Buch aufzuschlagen, von der ersten Seite bis zum Anfang des Textes zu blättern, den Duft eines neu gekauften Buches zu riechen, über ein schönes Cover zu streichen und beim Lesen dieses besondere Gefühl zu haben, das dieser Gegenstand aus Pappe und Papier für mich nun eine ganze Welt bereithält. Das Buch als Gegenstand allein hat für mich und für viele, viele andere Leser einen Zauber, der nicht zu ersetzen ist und der die meisten schon fast ihr ganzes bewusstes Leben begleitet. Ich kann mir nicht vorstellen, darauf zu verzichten – meine Wohnung und mein Nachttisch sind voll von geliebten, viel gelesenen, besonderen (und auch nicht so besonderen) Büchern.

Aber wie bei allem anderen gilt hier ja auch: wir haben alle ganz verschiedene Seiten und Vorlieben und die Liebe zu dem einen Medium muss die andere Medienart ja nicht ausschließen.

Nicht nur Bücher

Hört ihr nicht, genauso wie ich, eure Musik auf verschiedene Arten? Bei mir stehen sowohl Schallplatten im Regal als auch CDs, und auf diversen Speichermedien und Wiedergabegeräten sind massenhaft MP3 gespeichert. Manchmal muss man Musik noch nicht mal dauerhaft speichern, sondern streamt einfach. Das sind schon vier Möglichkeiten, und je nachdem, wie ich Lust habe, wo ich bin oder was ich dabei mache, entscheide ich mich für das eine oder das andere. Oder das andere. Oder das andere. Alles hat seine Vorteile und das ist ja das tolle: ich kann mich jedes Mal neu entscheiden. Mir fallen noch verschiedene andere Vergleiche ein, aber ich glaube, das hier ist tatsächlich der passendste. Und ihr wisst sowieso, was ich meine.

Genauso sehe ich das auch bei den eBooks oder auch beim digitalen Lesen allgemein. Lesen ist lesen und Text ist Text, wie auch immer ich ihn aufnehmen möchte. Nur weil es elektronisch ist und kein Papier, ändert sich doch nichts am Inhalt. Und ist der nicht das Wichtigste?

Geständnis

Bevor ich weiterschreibe, muss ich aber hier eins gestehen: ich habe auch mal zu den eBook-Skeptikern gehört, es ist wahr, wenn auch lange her. Bevor ich einen eReader hatte, hätte ich nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, meine Bücher in elektronischer Form zu lesen. Mir war damals gar nicht klar, was das überhaupt für einen Sinn haben sollte. Ich hatte ja Bücher. Komische Idee, die in anderer Form zu lesen. eBook? Brauchte ich nicht. Damals.

Den ersten eReader habe ich mir nur aus rein praktischen Gründen gekauft. Im Studium gab es unglaublich viele PDFs. Zu viele zum Ausdrucken, zu viele, um sie alle am PC zu lesen. Auch ein Tablet bot sich für mich bei der Menge gar nicht an. (Hatte ich überhaupt schon eins? Ich glaube nicht.) Für die PDFs kam dann der Reader ins Haus und mit ihm auch der Versuch, zu meinem Vergnügen einen Roman in elektronischer Form zu lesen.

Und es war toll! Ich konnte plötzlich zu Hause auf der Couch oder mitten in der Nacht entscheiden, welches neue eBook ich im nächsten Moment lesen wollte, und, zack, war es da. Ich konnte mehrere Bücher auf einmal mitnehmen, ohne schwer zu schleppen. Ich konnte gemütlich lesend im Bett liegen, ohne mit beiden Händen ein Buch zu balancieren – lesen ging jetzt auch einhändig und der Seitenwechsel mit einem Fingerstreich. Ich war begeistert. Und bin es noch.

Keine Monokultur

Aber lese ich seitdem nur noch digital? Ihr ahnt es schon, die Antwort ist nein.

Es gibt bestimmte Bücher, die ich lieber in gedruckter Form lese, und andere, die ich gerne in digitaler Form lese. Zu letzterem gehören z.B. Kurzgeschichten, Krimis oder Biografien, die ich mir allesamt in der onlineBibliothek ausleihe. Gedruckte Bücher leihe ich natürlich auch aus (klar, wir sitzen hier an der Quelle), aber ich kaufe sie mir auch selbst, z.B historische Romane, Fantasy, Gesellschafts- oder Entwicklungsromane oder auch einfach eine schöne Ausgabe.

Je nachdem, was es ist, entscheide ich also, wie ich es lesen will.

warum lese ich eBooks?

Also, um nochmal an den Anfang zu kommen: warum lese ich eBooks?

Weil ich es kann. Weil es einfach ist und flexibel und weil ich in der onlineBibliothek eine super Auswahl habe. Weil ich meinen eBook-Reader mag. Weil ich manchmal schneller an ein eBook komme als an das gedruckte Exemplar. Weil es praktisch ist und eine weitere Möglichkeit, mir Literatur zu beschaffen. Weil ich die Wahl habe.

Und wenn mir gerade ein gedrucktes Buch lieber ist, dann nehme ich ein gedrucktes Buch. Ganz einfach. Keine Regeln.

Und wie macht ihr das? Das Wichtigste: Ihr entscheidet. Und wenn ihr es noch nie mit einem eBook versucht habt, probiert es mal aus. Auch ein elektronisches Buch kann euch eine neue Welt eröffnen. Versprochen. (ml)

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