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Uns allen ist der Begriff „Revolution“ geläufig. Doch was wir unter ihm verstehen oder mit ihm als erstes verbinden ist sehr unterschiedlich. Manche von uns denken an einen längst vergangenen Geschichtsunterricht, an Absetzung von Königen, Stürmen von Gefängnissen, die Farbe Rot und Männer mit langen Bärten, die Zigarre rauchen.
Andere unter uns verbinden den Begriff wiederum mit der Kunst, Musik, Sport, Wissenschaft mit Menschen, die ihr Spezialgebiet bzw. Interessensgebiet grundlegend verändert haben.
Das zeigt, dass der Begriff der „Revolution“ seit seiner Popularisierung durch die Französische Revolution eine Erweiterung erfahren hat und unterschiedlich definiert werden kann. Denn nicht ohne Grund werden Richard Fosbury, Marie Curie und Wladimir Iljitsch Lenin nur selten in eine gedankliche Schublade gesteckt. Warum also entschied sich Marc Engelhardt das von ihm herausgegeben Buch “Die Flüchtlingsrevolution“ zu benennen, anstatt eine geläufigere Bezeichnung zu wählen, wie „Die Flüchtlingskrise“? Wie aus der von ihm verfassten Einleitung dieses Werkes hervor geht hat das hauptsächlich zwei Gründe:
Zum einen, weil er in den Ankommenden keine Bedrohung sieht, sondern schutzsuchende Menschen, die aus blanker Not ihre Heimat verlassen mussten. Zum anderen betont er, dass die aktuelle Situation keine zu bewältigende Krise sei, die sich lösen ließe. Vielmehr habe man es mit großen Wandeln zu tun, die die Verhältnisse dauerhaft und unwiderruflich verändern und auch weiterhin werden. Mit diesen Revolutionären der unfreiwilligen Art, Ihrem Schicksal und politischen Hintergründen zu Ihrer miserablen Lage setzt sich „Die Flüchtlingsrevolution – Wie die neue Völkerwanderung die Welt verändert“ auseinander. Dabei geht man auf sehr unterschiedliche Themen ein.
Von dem nigerianischen Wirtschaftsflüchtling, den seine politisch verfolgten Kameraden als ebenso asylwürdig ansehen als wie sie sie sich selbst, über konkrete und persönliche Schicksals- und Fluchtgeschichten einzelner Personen, die sich vom Flüchtlingslager in die Gesellschaft gearbeitet haben, bis hin zu Fragen, ob wir die Flucht fördern und ob die Politik im Angesichts dieser monumentalen Situation versagt. All dies wird in dem Buch behandelt.

Die verschiedenen Autoren schaffen es tatsächlich einen großen Überblick über das Thema Flucht, Ihre Gründe und Konsequenzen zu schaffen, meist am Beispiel von Einzelschicksalen.

Besonders bemerkenswert finde ich, dass sich einige Autoren auch mit Themen auseinandersetzten, die nicht ganz alltäglich im Diskurs zum Überthema „Flüchtlinge“ sind; beispielsweise ist ein Kapitel dem Schicksal der Roma gewidmet und inwiefern der Balkan für diese ethnische Minderheit ein „sicheres Herkunftsland“ ist. Ein anderes Kapitel, dass dem grausamen Schicksal der muslimischen Minderheit im Vielvölkerstaat Myanmar, den Rohingyas, gewidmet ist, die keine Staatsbürger sind, immer wieder Opfer brutaler und sinnloser Gewalt durch verschiedene Diktatoren wurden und werden und denen nicht einmal die aller grundlegendsten Rechte gewährt werden, ist ebenfalls in diesem Kontext erwähnenswert.

Heute kommen Herausgeber Marc Engelhardt und Mitautorin Birgit Kaspar in die Stadtbücherei Bilk, berichten von ihren Erfahrungen und lesen aus ihrem Buch „Die Flüchtlingsrevolution“. Der Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Wer gerne mehr über dieses sehr persönliche aber gleichzeitig auch höchst informative Buch erfahren möchte, den lade ich ganz herzlich ein, sich am Mittwoch in der Friedrichstraße 127 einzufinden. Es lohnt sich auf jeden Fall. (ts, Azubi)

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