Annette (ak), Lektorin bei den Stadtbüchereien und verantwortlich für die Veranstaltungen in der Zentralbibliothek
Annette (ak), Lektorin bei den Stadtbüchereien und verantwortlich für die Veranstaltungen in der Zentralbibliothek

Vor einiger Zeit habe ich hier schon über die eine Hälfte meines Arbeitsplatzes berichtet, nämlich über meine Tätigkeit als Lektorin für Belletristik – ein typischer Job für mich als Diplom-Bibliothekarin.

Wie versprochen folgt jetzt der Bericht über die zweite Hälfte meiner Aufgaben bei der meine Qualifikation als Germanistin so richtig zur Geltung kommt. Im ersten Teil hab ich einfach behauptet „Veranstaltungsarbeit können sich die meisten Leute vorstellen“ – stimmt das? Auch auf die Gefahr hin Langeweile zu verbreiten, erzähle ich jetzt trotzdem mal wie das hier so läuft:

 

Konzept? Wozu braucht man das denn?

Der Veranstaltungsarbeit der Zentralbibliothek liegt ein Konzept zugrunde, das ich in Absprache mit der Direktion der Stadtbüchereien und in Hinblick auf unsere Selbstdefinition erstellt habe.

„Ach, muss man sich jetzt schon selbst definieren?“ – so könnte eine berechtigte Frage lauten. Ja, denn die Aufgaben von Bibliotheken haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten extrem verändert. Sie sind nicht mehr nur reine „Medienausleihstellen“, sondern verfolgen viele andere Zwecke. Auf unserer Homepage heißt es: „Die Stadtbüchereien Düsseldorf sind ein leistungsorientiertes, professionelles Informations- und Kulturzentrum.“ Wer noch mehr über unsere Aufgaben wissen will und sich auch für Zahlenmaterial interessiert, dem/der empfehle ich hier genauer nachzulesen: Zahlen und Fakten über die Stadtbüchereien

 

Theorie? Auch das noch?! Hilft!

Wir sind also auch ein Kulturzentrum! Und da komme ich ins Spiel.

In meiner Abteilung werden die Azubis immer zuerst mit ein bisschen Theorie gefüttert, bevor es an die Praxis der Veranstaltungsarbeit geht. Diese Theorie ist jetzt auch hier nötig und geht so: Kultur bestimmt das Wesen unserer Gesellschaft und dient der Identifikation des Einzelnen. Bibliotheken bieten kulturelles Wissen, das uns Orientierung gibt und die zwischenmenschliche Kommunikation befördert. Sie ist von entscheidender Bedeutung für unser Zusammenleben. Gezielte Veranstaltungsarbeit hilft kulturelles Wissen zu vermitteln, zwischenmenschliche Kommunikation zu fördern und Interesse an Kultur (und im speziellen an der Literatur!) zu wecken, bzw. dieses zu fördern und zu pflegen. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur demokratischen Gesellschaft.

 

Nur Blablabla? Wozu braucht man das?

Diese Aufgabenbeschreibung erklärt sehr gut, was die Veranstaltungsarbeit macht: sie will für die Besuchern vor allem den Spaß an der Literatur fördern und den Zugang dazu erleichtern. Die Zentralbibliothek ist auch ein Podium für die lokale und regionale – sogar nationale – Literaturszene. Mit Veranstaltungen können wir Wissen vermitteln, Menschen zum Nachdenken anregen, Meinungsvielfalt fördern, Denkprozesse anstoßen, Menschen miteinander ins Gespräch bringen und damit soziale Netzwerke fördern, ihren Denkradius erweitern, neue und andere Perspektiven eröffnen.

 

Lesen macht gesund und ist sogar als Therapie anerkannt?

Inzwischen ist ja sogar wissenschaftlich belegt, dass der Konsum von Literatur gesund ist –  im Ernst! Wer das nicht glaubt, liest mal hier nach: Bibliotherapie

Wer liest, kann sich entspannen und abschalten von den Alltagssorgen, hat automatisch Einblick in andere Lebenswelten und versteht vielleicht, dass er/sie mit Problemen gar nicht allein ist. Die Lektüre von Romanen kann trösten, anregen, relaxen, unterhalten, amüsieren und Denkprozesse in Gang setzen, die ein offenes Ende haben. Man kann Menschen gar nicht genug dazu motivieren, zu lesen – es ist zu ihrem eigenen Besten 😉

 

Wie mache ich das konkret?

Damit unsere Kunden auf dem riesigen Buchmarkt zu den richtigen Texten greifen, bieten wir Veranstaltungen an, bei denen lohnenswerte Lesestoffe vorgestellt werden.

Ich werde über einige Veranstaltungsformate der Stadtbüchereien sprechen, die diese genannten Zwecke verfolgen – es gibt aber noch viel mehr!

Hier findet man die aktuelle Liste aller  Veranstaltungen der Stadtbüchereien

 

Musik und Literatur? Wozu der Aufstand?

Die Düsseldorfer Literaturkonzerte finden seit acht Jahren an vier Donnerstagen im jeweils ersten Halbjahr statt. Gemeinsam mit ihrem künstlerischen Leiter, dem Schauspieler Peter Welk, suche ich literarische Inhalte aus, für die wir das Publikum begeistern wollen. Vor allem Klassiker und Lyrik stehen im Mittelpunkt, denn die werden oft nicht so gerne freiwillig gelesen. Und nun mal ehrlich: so einen Shakespeare zwischendurch – der liest sich eben auch nicht einfach so weg, oder? Wenn uns das aber Sprechprofis  laut vorlesen und dann noch Musik passend zum Text dazu kommt, wird daraus ein großes sinnliches Vergnügen! Die Klassiker werden auf der Bühne wieder lebendig und machen Spaß. Vorgestellt wurden in den vergangenen Jahren zum Beispiel schon Texte von Münchhausen, Claire Waldoff, Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Odysseas Elytis, Shakespeare, Cervantes, Bulgakow, Georg Kreisler, Hans Arp, Ray Bradbury, Rilke, Stefan Zweig und vielen andere mehr.

Musikalische Begleitung kam von Düsseldorfer Musikern auf dem Flügel, mit der Gitarre oder dem Saxophon. Kontakte zu Musikern und SprecherInnen haben Peter Welk und ich jede Menge, wir können also aus dem Vollen schöpfen.

 

Literatur von Rhein und Ruhr? Ist da was Interessantes dabei?

Die Veranstaltungsreihe „Frisch gepresst. Neue Bücher von Rhein und Ruhr“ organisiere ich gemeinsam mit unserem wichtigsten Kooperationspartner, dem Literaturbüro NRW e.V. Bereits im siebzehnten Jahr stellen wir darin an jedem dritten Dienstag des Monats um 18 Uhr im „Lernstudio“ der Zentralbibliothek ein neues Buch aus der Region vor. Damit fördern wir die regionale Literaturszene und geben gleichzeitig unserem Publikum die Gelegenheit, einen Überblick über die Neuerscheinungen von Rhein und Ruhr zu bekommen. Man kann die AutorInnen hautnah erleben und im moderierten Gespräch rund um die Lesung neben einem neuen Lesetipp auch über die Person hinter dem Text einiges zu erfahren. Die Auswahl des Programms fällt dem Leiter des Literaturbüros NRW e.V., Michael Serrer, und mir immer sehr schwer. Wir achten auf gleichbleibend hohe Qualität, und viel Abwechslung bei den Inhalten und Autoren. Der nächste Termin: Düsseldorf Krimi

 

Richtig wichtige deutsche Literatur?! Wozu soll man die kennenlernen?

Schon seit 1997 führen wir im Herbst den „Literarischen Schnellkurs“ durch. An vier Mittwoch-Abenden um 20 Uhr nehmen wir im „Lesefenster“ der Zentralbibliothek eine/n AutorIn genau unter die Lupe. Dafür werden Literaturwissenschaftler, die sich mit dem/der vorgestellten AutorIn besonders gut auskennen, eingeladen. Zum Vortrag des Wissenschaftlers kommt jeweils ein/e SchauspielerIn dazu, die Originaltexte vom vorgestellten Autor lesen. Im Fokus des Schnellkurses standen alle großen Namen der deutschen Literaturgeschichte: Hermann Hesse, Goethe, Schiller, Brecht, Ingeborg Bachmann, Thomas Mann, Franz Kafka, Günter Grass, Max Frisch, Christa Wolf und viele mehr. Man lernt viel dazu, versteht auf einmal besser, welche Themen in der Weltliteratur Relevanz haben, lernt klassische Autoren von einer ganz neuen Seite kennen und kann Texte für sich entdecken, die einen in der Schule in Form von gelben, kleinen Heftchen den letzten Nerv geraubt haben. Doch, doch Weltliteratur ist nicht immer anstrengend, gar nicht verstaubt und eben deshalb so wichtig, weil ihre Themen völlig zeitlos sind. Schon 1779 schrieb Gottlieb Ephraim Lessing über Toleranz in seinem Stück „Nathan der Weise“ und  das ist ja nun wirklich ein Thema, das die Menschheit für immer begleitet. Beim „Literarischen Schnellkurs“ lernt man also dazu, ohne dass man es merkt, weil man vor allem gut unterhalten wird. Der nächsten Literarische Schnellkurs

 

Gibt’s jetzt sogar Partnervermittlung in der Zentralbibliothek?

Ein ganz neues Format in der Zentralbibliothek heißt „Book-Dating. Buchfans lernen sich kennen“. So wie beim Speed-Dating sitzen sich jeweils zwei Personen gegenüber und stellen sich ihr Lieblingsbuch vor. Wenn die Sanduhr nach zehn Minuten durchgelaufen ist und der Gong ertönt, rutschen alle einen Stuhl weiter und haben Zeit, wieder einen Buchtipp zu bekommen und abzugeben. Der Spaßfaktor bei diesem Veranstaltungsformat ist besonders groß und toll ist für mich zum Beispiel, wenn ich die 23jährige Studentin sehe, die sich über ein Lieblingsbuch mit einem 70jährigen Rentner unterhält und beide verbindet die Begeisterung fürs Lesen. Da schlägt das Germanistinnenherz schon mal etwas schneller vor Freude. Kommunikation wird beim Book-Dating groß geschrieben und nach 5 Runden geht es auch schon mal um was ganz anderes als Bücher. Das ist natürlich völlig in Ordnung – Hauptsache wir haben Menschen zusammengebracht, die sich sonst womöglich nie kennenlernen würden. Das Format ist übrigens ausdrücklich auch für Menschen in festen und glücklichen Beziehungen geeignet – das „Dating“ im Titel meinen wir mit einem Augenzwinkern – man hat eben ein Date mit Büchern und Menschen die Lesen lieben. 😉

 

Das war’s schon? NEIN!

Rund 40 Veranstaltungen im Jahr organisiere ich für die Zentralbibliothek. Hier wurde nur ein kleiner Ausschnitt vorgestellt. Es gibt zum Beispiel auch einen Beitrag zum Ehrengast der Frankfurter Buchmesse – so wird es besonders international: im letzten Jahr hatten wir Besuch aus Indonesien, 2016 kommt unser Gast aus den Niederlanden. In „Wortwelt“  stellen wir zweimal im Jahr besonders gute Literatur vor, die den Blick auf ein Land richtet, aus dem oft einseitig berichtet wird. Wir bringen dann einen Landesexperten mit dem Autor ins Gespräch und nutzen die Literatur als Brücke, um einen persönlichen und tieferen Einblick in ein Land zu bekommen. Viele Veranstaltungen bei uns nehmen aktuelle Themen in den Blick und ermöglichen dem Publikum seine Meinung zu hinterfragen oder mit Argumenten zu untermauern. Dazu gibt es im Herbst zwei gute Beispiele: Erfolgsfaktor Zuwanderung Schuld und Verzeihen

Welche Aufgaben im Einzelnen mit der Organisation von Veranstaltungen verbunden sind und was man dabei erlebt, das werde ich im dritten und letzten Teil des Berichts über meinen Arbeitsplatz erzählen.  (ak)