Espresso

Unser Frage an Tanja von B. (das ist so einfacher für uns ;))

Was ist das Besondere an der Arbeit in den Stadtteilbüchereien?

„Es ist natürlich alles ein bisschen kleiner als in der Zentrale, doch das sehe ich nicht immer als Nachteil. Im Gegenteil: Durch den kleinen Bestand weiß man oft ziemlich genau welche Medien gerade da sind und wo man sie am Morgen eingeräumt hat, ohne erst im online im Bibliothekskatalog nachzusehen.

Man läuft dann einfach mal eben mit den Lesern durch die halbe Bücherei, berät sich am Regal und wird auch nach persönlichen Tipps gefragt. Durch den kleineren Leserkreis kennt man nach einiger Zeit viele Familien mit Namen. Und natürlich ihre Lesevorlieben. Frau Schmidt kann man blind alle neuen englischsprachigen Bücher zurücklegen und dem Sohn von den Müllers hält man schon ungefragt das neue Star-Wars-Buch entgegen. Frau Weber holt sich jede Woche Montag immer zur gleichen Zeit den neuesten „Focus“ ab, also weiß man schon, dass man diese Zeitschrift gar nicht erst einsortieren muss. Und so spielt sich nach und nach der Arbeitsalltag mit vielen kleinen Besonderheiten und Begegnungen ein.

In einem Stadtteil kennen sich die Leute natürlich auch untereinander. Ich muss jedes Mal lächeln, wenn sich wieder Nachbarn überraschend hier treffen und sich eine halbe Stunde zum Tratschen in die Ecke setzten. „Hast du in letzter Zeit etwas von der Tina gehört?“ klingt es da, oder „In welcher Klasse ist der Ben jetzt eigentlich?“. So etwas finde ich super, denn dafür sollte eine Stadteilbücherei heutzutage auch da sein: Kultureller nicht-kommerzieller Treffpunkt und gemütlicher Aufenthaltsraum in der Nachbarschaft.

Die Zweigstelle, in der ich arbeite, ist auch noch sehr schön im Schlosspark Benrath gelegen. In der Mittagspause kann man hier ganz toll spazieren gehen. Viele Familien oder Spaziergänger verbinden den Besuch des Parks mit einem Besuch in der Bücherei. Sie ist ein Zwischenstopp auf Fahrradtouren oder liegt für viele auf dem Weg zum Spielplatz. Wahrscheinlich hält die Bücherei Benrath den absoluten Rekord für vergessene Kinderfahrradhelme. Deren Besitzer turnen unterdessen auf der Sitzfläche herum und wühlen sich lautstark durch die Bilderbücher. Eben diese Kinder krallen sich auch heulend an den Regalen fest, wenn es irgendwann heißt: „Wir müssen jetzt aber los!“.

Wenn einem dann noch eine Leserin beim Verlassen der Bücherei fröhlich zuwinkt, seufzt und sagt: „Hach, das ist ja so schön entspannend hier. Ich habe eben die Frau Schneider getroffen, die habe ich ewig nicht mehr gesehen. Und dann habe ich mir ein Buch genommen und mich einfach mal eine halbe Stunde hingesetzt und gelesen. Dazu kommt man ja in der heutigen Zeit sonst gar nicht mehr. Das war toll, das mache ich jetzt öfter!“… dann hat man als Stadtteilbücherei, meiner Meinung nach, alles richtig gemacht!“

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