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Wibke, wer bist du und was machst du?

Leserin bin ich. Schon immer, so kommt es mir vor. Ich liebe Geschichten. In Büchern, aber auch in Filmen, Hörbüchern oder in Spielen. Ich lese aber auch Spuren des Alltags: Unter #printtwitter sammle ich Skurriles aus dem Kleinanzeigenteil der Tageszeitung und bei Vine und Instagram poste ich gesammelte Geräusche und Augenblicke.

Ach so, beruflich? Ich habe mir den Beruf des Social Web Rangers erfunden. Ich begleite Menschen im Landschaftsraum Internet und entwickle mit ihnen Ideen und Geschichten, um Analoges und Digitales sinnvoll miteinander zu verbinden. Außerdem experimentiere ich mit den Herbergsmüttern, wie wir Kunst, Kultur und Digitales miteinander verbinden können.

Selbstständig bin ich seit 2010. Vorher habe ich Kunstgeschichte studiert, war Buchhändlerin und habe als Onliner in Verlagen gearbeitet.

Vor nunmehr drei Jahren trat ich der Welt der öffentlichen Bibliotheken bei, indem mich die Fachstelle für öffentliche Bibliotheken für Projekte in der Initiative Lernort Bibliothek engagierte.

Was verbindet dich mit Bibliotheken im Allgemeinen?

Tja, das ist schon ein bisschen verrückt mit den Bibliotheken. Ich bin in dieser Hinsicht ein Spätzünder. Ich entstamme nicht dem Büchereien-Adel, diese Dynastien von Lesenden, die quasi mit Mitgliedsausweis auf die Welt kommen. Aufgewachsen bin ich in einem Dorf, in dem es zwar dreimal so viele Kühe wie Einwohner gab – aber keine Bücherei. Die Segnungen der Stadtbücherei wie auch der Schulbücherei gingen an mir vorüber. Obwohl sie ein großes Problem hätten lösen können: Bücher! Es gab immer zu wenig davon, als einzige Kettenlesende in der Familie. Ich fühlte mich offenbar nicht angesprochen, weiß der Himmel … Die Uni-Bibliotheken waren nun nicht so beschaffen, dass ich große Liebe fasste. Ich wusste nur: Ich war unwürdig!

Noch immer fühlt es sich etwas unwirklich an, wenn ich ohne konkreten Handlungsauftrag in der Stadtbibliothek bin. Umso mehr genieße ich es, mit den Menschen zu arbeiten, die in den öffentlichen Bibliotheken arbeiten. (Nicht nur) Meiner Ansicht nach leisten diese Menschen einen unschätzbaren Beitrag zu unserer Gesellschaft: Sie schaffen einen Ort der Teilhabe an Kultur, Wissen, Geschichten und Technologien. Einen Ort ohne Konsumzwang, oft der einzige nicht-kommerziell genutzte Ort in einer Stadt oder in einer Region. Ob für Städte oder im ländlichen Raum: Die öffentlichen Bibliotheken schaffen Orte der Begegnung von Menschen aller Alters-, Einkommens- und Bildungsschichten. Ich bin immer wieder verblüfft ob der Vielfalt, die hier mit aller Bodenständigkeit und Selbstverständlichkeit geschaffen wird.

Was ich mir sehr wünsche, ist, dass dies sichtbarer wird und dass mehr Menschen bewusst wird, dass öffentliche Bibliothek ein Angebot für alle ist. Wir sprechen so viel über Medienkompetenz, Kultur und Bildung – nun, die Bibliotheken schaffen den Zugang dazu.

Und was verbindet dich mit den Stadtbüchereien Düsseldorf im Besonderen?

Nun klingt es so, als seien die Bibliotheken leer und benötigten dringend Werbung. Das ist nicht wirklich der Fall. Mögen vielerorts die Ausleihzahlen zurückgegangen sein, was angesichts digitaler Angebote nachvollziehbar ist, so wird der Ort Bibliothek doch immer mehr genutzt. Immer wenn ich in die Zentralbibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf komme, ist ordentlich was los. Ob zum Arbeiten, Spielen, Lesen oder einfach Treffen: Menschen benutzen ihre Bibliothek.

Und das wundert mich auch nicht: Ich habe die Düsseldorfer Bibliotheksmenschen als ausgesprochen nett, lustig und tatkräftig kennengelernt. Es gibt immer wieder neue Ideen für ausgeklügelte oder schräge Aktionen und das Veranstaltungsprogramm ist super. Was ich besonders schätze, ist der Mut und die Lust, sich in Neues zu stürzen und die Fähigkeit, mit anderen und über sich selbst lachen zu können. Ein gutes Team. Deshalb komme ich auch einfach gern immer wieder.

Und meinen Espresso nehme ich übrigens mit viel Zucker. Prost!

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