imageFrau Möllers, Sie sind Bibliothekarin und haben früher einmal in der Zentralbibliothek der Stadtbüchereien gearbeitet. Jetzt sind Sie seit etlichen Jahren in der Landesregierung im Kulturressort und dort u.a. für die Bibliotheksförderung zuständig. Warum sind Bibliotheken aus Sicht der Landesregierung wichtig, und was müssen Bibliotheken tun, damit sie eine Zukunft haben?

Ja, warum sind Bibliotheken wichtig? Weil es Orte braucht, an denen man sich in der ganzen digitalen Informationsflut orientieren kann, Orte, an denen man allein oder mit anderen lernen kann, an denen man über Literatur sprechen kann. Orte, an denen unterschiedlichste Menschen sich begegnen und an denen auch Menschen aus anderen Kulturkreisen sich geschützt und willkommen zugleich fühlen. Wichtiger als ein umfangreicher Buchbestand sind heute tatsächlich diese Funktionen. Trotzdem haben die Kernaufgaben der Bibliothek weiter Bestand: Sie sind ein unverzichtbares Informationszentrum, unabhängig und nicht kommerziell ausgerichtet, sie sind ein wichtiger außerschulischer Lernort und sie sind eine Kultureinrichtung mit niedriger Hemmschwelle.

Was bedeutet das für die Zukunft der Bibliotheken?

Zum einen müssen Bibliotheken natürlich immer wieder fragen, wie sie denn ihre Kernaufgaben erledigen können, wenn die Rahmenbedingungen sich so sehr verändern, wie wir es gerade erleben. Leseförderung zum Beispiel bleibt eine ganz wichtige Aufgabe von Bibliotheken. Aber Lesen findet nicht mehr nur analog im gedruckten Buch statt, sondern auch digital. Darauf müssen Bibliotheken sich einstellen. Und bei der Informationsvermittlung geht es nicht mehr darum, alle Informationen vorrätig zu haben, sondern bei der Suche danach zu helfen. Schon immer haben Bibliotheken Informationskompetenz vermittelt – aber sie haben es heute mit ganz anderen Medien zu tun, müssen fit sein im Umgang mit mobilen Endgeräten und den vielen Möglichkeiten des Internet.

Genauso wichtig ist es aber, die Bibliothek als attraktiven Ort zu gestalten, der funktional ist und eine hohe Aufenthaltsqualität hat. Ich glaube, dass wir solche Orte in den Städten unbedingt brauchen, gerade jetzt, wo wir uns immer mehr in digitalen Welten bewegen.

Das Wichtigste für die Gestaltung der Zukunft ist es wohl, die Welt, die Gesellschaft, die Menschen genau zu beobachten, um mitzubekommen, was sich verändert und dann mit den spezifischen Kompetenzen der Bibliothek auf neue oder veränderte Anforderungen reagieren kann.

Wird man denn Bibliotheken auch künftig noch als Bibliothek erkennen?

Das hängt natürlich ein bisschen von den Bibliotheken selbst ab. Aber eigentlich bin ich da ganz zuversichtlich. Ich bin zum Beispiel fest davon überzeugt, dass Bücher ein wichtiger Teil des Bibliotheksangebots bleiben – vielleicht nicht in der Menge wie bisher, aber sehr sichtbar. Und Bibliotheken werden ihre ganz spezielle Art, auf die Gewohnheiten und Bedürfnisse der Menschen zu reagieren, weiterentwickeln: mit neuen Formen der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz, aber auch mit neuen Freizeit- und Kulturangeboten, mit Gaming und Makerspaces, mit Räumen für bürgerschaftliches Engagement und kulturelle Entfaltung. Da passiert schon ganz viel – auch hier in Düsseldorf. Das beobachte ich mit meinem beruflichen Blick genauso wie als Nutzerin – und bin gespannt darauf, wie die Entwicklung weitergeht!

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