https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Lanzmann#/media/File:Claude_lanzmann.jpg
https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Lanzmann#/media/File:Claude_lanzmann.jpg

Es gelingt nur wenigen Menschen, Zeitzeugen eines Verbrechens, Opfer wie Täter, zum Reden zu bringen. Claude Lanzmann gehört zu ihnen. Sein zwischen 1974 und 1985 gedrehter Film „Shoah“ zählt zu den wichtigsten Filmen über die Ermordung der europäischen Juden. Während der langjährigen Dreharbeiten zu „Shoah“ interviewte er 1979 auch Yehuda Lerner, einen Überlebenden des Aufstandes in dem Vernichtungslager Sobibor. Dieses Interview veröffentlichte er 2001 als Film „Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr“. 2013 erschien der Film „Der letzte der Ungerechten“, das 1975 geführte Interview mit dem Rabbiner Benjamin Murmelstein über Theresienstadt. Neben der wichtigen Erinnerung an das Menschheitsverbrechen des Holocausts sind diese Dokumentarfilme auch Meilensteine in der Filmgeschichte geworden.

 

In seiner 2010 veröffentlichten Autobiographie „Der patagonische Hase“ erinnert sich Claude Lanzmann als Freund von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre an die wichtigsten Ereignisse der blutigen 20. Jahrhunderts. Als Jude und Kommunist in der Resistance, als Journalist u.a. von Les temps moderne erlebte er zahlreiche Umbrüche hautnah mit. Obwohl er anfänglich stark von Jean-Paul Sartres Diktum geprägt war, wonach der Jude erst durch den Blick des Antisemiten geschaffen wurde, setzte er dem später entgegen, dass Juden keine Antisemiten benötigen, um zu existieren. Heute vor 90 Jahren, am 27. November 1925, wurde Claude Lanzmann in Paris geboren. Bon anniversaire, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, עד מאה ועשרים, Ad meah-we’esrim. (kph)

Advertisements