© Kiepenheuer & Witsch
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Dieser komische und zugleich tragische Roman ist der mittlere Teil einer Trilogie. Er knüpft an den Erstling „Alle Toten fliegen hoch. Amerika“ an, den der Wiener Burg-Schauspieler Joachim Meyerhoff 2011 veröffentlichte und auch als Theaterzyklus performte. Darin ging es um sein Auslandsjahr in der Oberstufe, das durch einen familiären Schicksalsschlag eine jähe Unterbrechung erleidet. In dem zweiten Teil von 2013 erinnert sich Meyerhoff noch weiter zurück: an seine Kindheit und Teenagerjahre in der besinnlichen und etwas spießigen Kleinstadt Schleswig, ständig gemobbt und doch geliebt von seinen beiden älteren Brüdern, einer bürgerlich auftretenden Mutter, die nur unter gelegentlichen Aus-setzern leidet, und dem ganz und gar einzigartigen Vater, der ärztlicher Direktor der psychiatrischen Anstalt ist. Die ganze Familie nebst Hund wohnt auf dem Anstaltsgelände, so dass die „Nachbarn“ sich aus Verrückten aller Schattierungen rekrutieren. Meyerhoff beschreibt sie in ihrer Individualität anschaulich, schonungslos und so vorurteilsfrei, wie es nur Kinder wahrnehmen können. Fast noch besser gelingt ihm das Porträt des Vaters: ein schon auf Grund seiner Stellung respekteinflößender Mann, der sich im Privaten aber immer wieder in unfreiwillig komische Situationen manövriert, was nicht selten mit seiner Leibes-fülle zu tun hat. Hochintelligent und auf den eigentümlichsten Gebieten überaus belesen, scheitert er an den einfachsten Alltagsdingen, besitzt aber genügend Humor, um über sich selbst als Erster zu lachen. Seine abgründige Seite offenbart sich den Söhnen erst sehr viel später. Das Buch ist eine Kindheitserinnerung wie mit dem Seziermesser, und sicher nicht zufällig hat Meyerhoff seine Erinnerungen von der Mitte aus aufgerollt: zum Zeitpunkt der Nestflucht, des Erwachsenwerdens und einer Traumatisierung im ersten Band, sich von da aus rückwärts arbeitend in der Erinnerung. Im November wird der dritte Band der Trilogie „Ach, diese Lücke- diese entsetzliche Lücke“ erscheinen, der von seinen Studienjahren an der Münchner Schauspielschule handelt. Der vorgestellte mittlere Roman ist in mehreren Exemplaren in der Zentralbibliothek und in allen Stadtteilbüchereien unter der Signatur -Z- Meyerh ausleihbar. (ce)

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