Einige Bücher entfalten ihre Wirkung erst lange nach ihrer Entstehungszeit. Als 1936 in Paris der gekürzte und redaktionell bearbeitete Aufsatz „L’oeuvre d’art à l’époque de sa reproduction mécanisée“ von Walter Benjamin in der „Zeitschrift für Sozialforschung“ erschien, wurde er kaum beachtet. Trotz weiterer Veröffentlichungen 1955 und 1963 mit dem Titel „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ wurde die medientheoretische Relevanz dieses vierzigseitigen Aufsatzes als erst fünfzig Jahre nach der Erstpublikation wahrgenommen. Die erste materialistische Kunsttheorie beschreibt die Wechselwirkung von technischen Entwicklungen und der Produktion von Kunstwerken mit ihren Auswirkungen die Gestaltung von Kunstwerken sowie die Wahrnehmung selbst. Einige zentrale und eigens kreierte Begriffe von Walter Benjamin wie Aura oder Chocwirkung sind über die Kunstästhetik hinaus heute zu Begriffen der Beschreibung von sinnlichen Wahrnehmungen geworden. Am 15. Juli 1892 in Berlin geboren musste Walter Benjamin 1933 als Jude und „linker Außenseiter“, wie er sich selbst bezeichnete, vor der nationalsozialistischen Diktatur nach Paris fliehen. In der dortigen Bibliothèque nationale schrieb er weitere wichtige Werke wie Über den Begriff der Geschichte oder Das Passage-Werk. 1936 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Detlev Holz in dem Luzerner Verlag Vita Nova eine Briefsammlung unter dem Titel Deutsche Menschen, mit der Hoffnung, so die deutsche Zensur umgehen zu können. In der Befürchtung, an die Nazis ausgeliefert zu werden, nahm er sich vor 75 Jahren, am 26. September 1940, in Portbou, in der Nähe zur rettenden Grenze nach Spanien, das Leben. Das Gründungsdokument der modernen Medientheorie befindet sich in der Zentralbibliothek unter der Signatur Rbm Benjam und als E-Book in der onlineBibliothek. Die Werkausgabe von Walter Benjamin befindet sich unter der Signatur Plv 1 Benjam Benjam in der Zentralbibliothek.
(kph)

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