Unser Kollege und Musikbibliothekar, Thomas Kalk, berichtet vom internationalen IAML-Kongress, der in diesem Jahr vom 20. bis zum 27. Juni in New York als gemeinschaftlicher Kongress mit der International Musicological Society (IMS) stattgefunden hat. Daher waren für den Kongress mehr als 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet, wobei die Musikbibliothekare gegenüber den Musikwissenschaftlern in der Mehrheit waren. Tagungsort war die Juilliard School, eine der weltweit renommiertesten Hochschulen für darstellende Künste mit Ihren Abteilungen für Tanz, Schauspiel und Musik. Die Juilliard School ist Teil des Lincoln Center, zu dem vor allem die Metropolitan Opera und mehrere weitere Theater und Konzertsäle gehören.

Das Thema des Kongresse was „Music Research in the Digital Age“ und bot mit rund 225 Vorträgen, 26 Sitzungen verschiedener Arbeitsgruppen, 20 Poster-Präsentationen, der zweiteiligen Mitgliederversammlung und einer begleitenden Ausstellung durch Musikverlage und Anbieter von Datenbanken ein überaus reichhaltiges Programm. Dabei wurden zahlreiche fertige oder in Arbeit befindliche Digitalisierungsprojekte vorgestellt, wie zum Beispiel in der ersten Plenumssitzung, bei der sich die Archive der Carnegie Hall, der New Yorker Philharmoniker und der Brooklyn Academy of Music (BAM) mit ihren umfassenden digitalen und öffentlich zugänglichen Sammlungen präsentierten. Dort sind außer den zu erwartenden Konzertprogrammen viele Fotos und auch Dokumente aus den Verwaltungen – wie etwa Künstlerverträge – zu finden. Viele Vorträge beschäftigten sich auch mit der technischen Seite der Digitalisierung insbesondere von Noten.

In der Sitzung „Americana Research and Public Libraries“ berichtete Susanne Hein, Leiterin der Musikbibliothek der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, über die Sondersammlungen von Noten und Tonträgern US-amerikanischer Komponisten, die bis in die 80er Jahre hinein durch Spenden amerikanischer Institutionen in die Musikabteilung der Amerika-Gedenkbibliothek kamen und beleuchtete damit auch das transatlantischer Verhältnis dieser Zeit. Im Rahmen derselben Sitzung stellte der Leiter der Musikabteilung der New York Public Library of the Performing Arts, George Boziwick, die gesellschafts- und frauenpolitischen Auswirkungen der fiktiven Katie Casey dar, die in dem Lied „Take Me Out to the Ball Game“ besungen wird. Anhand zahlreicher Dokumente aus dem Bestand der NYPL zeichnete er dabei die Entwicklung nach von der bei Sportveranstaltungen verpönten Anwesenheit von Frauen bis zur Akzeptanz und Übernahme des Liedes als Hymne am Beginn von Baseballspielen.

Bei den Führungen und Begleitveranstaltungen konnten Bibliotheken besucht und Ausstellungen besichtigt werden. An der Bibliothek der Columbia University wurde extra für den Kongress eine Ausstellung aus dem Jahr 2014 mit bedeutenden Prokofjew-Autographen wieder zusammengestellt.

Beim Farewell Dinner ließ es sich die Big Band der Music Library Association (MLA = US-Ländergruppe der IAML) nicht nehmen, zum Tanz aufzuspielen und lenkte so von der fantastischen Aussicht von der Ostseite des Eastriver auf die Manhattaner Skyline ab.

Im kommenden Februar wird der IAML-Vorstand für seine Frühjahrsitzung bei den Stadtbüchereien Düsseldorf zu Gast sein. (tk)

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