schluck
© Galiani Berlin

Ein Trinker-Roman, bei dem man zum Glück schon am Anfang weiß, dass er

gut ausgeht. Der Autor beschreibt ein Stück weit seine eigene Lebensgeschichte, und da er nicht nur diese geschrieben hat, sondern für sein Werk „Rabenliebe“ 2010 sogar den Ingeborg-Bachmann-Preis bekommen hat, kann er als Mensch und Schriftsteller nicht untergegangen sein.

Trotzdem durchschreiten wir mit dem Helden zuerst alle Stufen der Abhängigkeit, der Erniedrigung und scheinbaren Ausweglosigkeit. Die klassischen Stationen wie Verlust des Arbeitsplatzes, Verlust sozialer Bindungen, Verwahrlosung des Äußeren und der Wohnung und schließlich der totale Verlust der Selbstachtung treten fast lehrbuchmäßig ein. Sehr eindrücklich ist beschrieben, wie schmal und fließend die Grenze zwischen dem Probier-Stadium, den ersten jugendlich-übermütigen Räuschen und der Abhängigkeit verläuft. Die Lektüre ist manchmal hart, aber immer auch ungeheuer faszinierend, denn in einem furiosen Umgang mit der Sprache zieht der Autor den Leser selbst in einen Rausch hinein. Er spielt mit Wörtern, Redewendungen, Sprichwörtern und legt ganz oft deren verborgenen Sinn frei oder gibt ihnen einen ganz eigenen neuen.

Ebenso originell wie Wawerzineks Sprache sind seine Figuren. Allen voran

natürlich Tante Luci! Bei ihr wächst der Held auf und übernimmt neben ihrer Phantasie und Durchsetzungsfähigkeit leider auch die Trunksucht von ihr. Wie sie ihn selbst in den schlimmsten Phasen liebt, konsequent zu ihm hält und schließlich beider Ausstieg aus der Alkoholsucht organisiert, ist mit so viel Witz und Humor erzählt, dass man selbst gern eine Tante Lucie hätte – für alle widrigen Fälle des Lebens.

Der Roman ist unter der Signatur Z Wawerz in der Zentralbibliothek und den meisten Stadtteilbüchereien vorhanden.

(ce)

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