meisterWas für ein Roman! Geschrieben zwischen 1929 und 1940, unvollendet geblieben, erstmals 1966 zensiert veröffentlicht, von Dissidenten in der Sowjetunion auswendig gelernt, schrieb Michail Bulgakow den Faust-Mythos in seinem Roman „Meister und Margarita“ neu.
Im Handlungsort Moskau, irgendwann unter der Stalinistischen Herrschaft zwischen 1927 und 1939, geschehen merkwürdige und phantastische Dinge.
Ein Schriftsteller kommt – vorhergesehen von einem unbekannten Fremden – zu Tode, nachdem er mit diesem über Gottesbeweise diskutiert hat. Allein diese kurze Passage zu Beginn des Romans ist schon voller meisterhafter Poesie und Satire.
Da nicht sein darf, was nicht sein soll, finden die Berichte über die skurrilen und unerklärlichen Phänomene, die in der Folgezeit passieren, nicht nur keinen Widerhall bei den zahlreichen staatlichen Ordnungsmächten, die Zeugen und Berichterstatter werden ihrerseits für verrückt und unzurechnungsfähig erklärt und eingesperrt. Als eine junge Frau – Margarita – auf der Suche nach ihrem Geliebten – dem Meister, namenlos, ein Schriftsteller, der gerade ein Buch über Pontius Pilatus beendet hat – sich unbefangen und unvoreingenommen den Verursachern der merkwürdigen und verstörenden
Phänomene stellt, nimmt der Dämonische, Phantastische und Skurrile seinen Lauf. Bulgakows Beschreibung des Satansballs steht mit seiner Eindringlichkeit ebenbürtig neben Goethes dramatische Schilderung der Walpurgisnacht in Faust II.
Vor 75 Jahren, am 10. März 1940, starb Michail Bulgakow im Alter von 48 Jahren nach schwerer Krankheit. Bis zuletzt hat er, dem es verboten worden war, seine Werke zu publizieren, an dem Roman gearbeitet, ohne dass er ihn vollenden konnte. Alexander Nitzberg hat, auch mit Unterstützung des
Düsseldorfer Kulturamts, den Roman kongenial ins Deutsche übertragen.
Seine Anmerkungen zu der Übersetzung sind genauso lesenswert wie der Roman selbst, da Nitzberg nicht nur seine Prinzipien der Übersetzung offenlegt, sondern auch wichtige Hinweise zur literarischen Einordnung dieses Meisterwerkes der Weltliteratur gibt.
Der Roman steht in der Zentralbibliothek und in der Bücherei Wersten unter Z Bulgak. (kph)

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