nobel1Jedes Jahr am 10. Dezember, zum Gedenken an den Todestag von Alfred Nobel, werden die Nobelpreise verliehen. Der Literaturnobel 2014 wird Patrick Modiano verliehen für „die Kunst der Erinnerung, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen hat und die Lebenswelt während der Besatzung sichtbar gemacht hat.“ Patrick Modiano ist ein sehr scheuer Autor, wie die Fernsehauftritte kurz nach der Bekanntgabe des Preises zeigen. Er ist zugleich aber ein sehr reflektierter Autor, wie neben seinen Romanen auch seine Nobelpreisvorlesung vom 7. Dezember 2014 beweist.

Seit seinem ersten Roman – Place d’Etoile, 1968 veröffentlicht, aber erstmals 2004 ins Deutsche übersetzt – bestimmen die Themen Erinnerung, Identität und Schuld die bisher fast 30 Romane von Patrick Modiano. In dem Roman „Ein Stammbaum“ erzählt er autobiographisch sein Leben als erster Sohn einer flämischen Schauspielerin und eines jüdischen Kaufmanns, der sich während der Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten in Paris versteckt gehalten hat. Viele seiner Romane sind in Paris angesiedelt, ein Paris, das heute infolge der permanenten Stadterneuerung nicht mehr existiert. Dank seiner exakten Beschreibungen können viele Handlungswege buchstäblich nachvollzogen werden, obwohl die Orte sich verändert haben. Die Erinnerung an die untergegangenen Welten erzählt Patrick Modiano in einer klaren, präzisen und poetischen Sprache, die auch in den deutschen Übersetzungen u.a. von Peter Handke und Elisabeth Edl erhalten geblieben ist. Zahlreiche Romane von Patrick Modiona können gedruckt in deutscher und französischer Sprache oder als E-Book entliehen werden. (kph)

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