CovermitTitel27

„Schatz, hast du auch alles gepackt?“, rief die Mutter aus der Küche.

„Ja, ich denke schon“, entgegnete der Vater genervt.

Kurze Zeit darauf stiegen die Eltern mit ihren Kindern Tom, Sara und Leon in das Auto ein und fuhren in Richtung wohlverdienten Urlaub. Nach fünf Stunden Fahrt kamen sie am Hotel an, es war genau wie sie es sich vorgestellt hatten: große Poolanlage, kurzer Weg zum Strand, an dem sich wohl bemerkt eine kilometerlange Promenade befand, auch der versprochene Panoramaausblick vom Zimmer aufs Meer war vorhanden. Voller Vorfreude betraten sie das Hotel, es war ein sehr altes Hotel, in einer der besten Lagen.

„Guten Tag, Schneider mein Name, wir haben zwei Zimmer für das Wochenende gebucht.“, sagte der Vater zur freundlich aussehenden Dame an der Rezeption.

„Oh ja genau… hier ihre Schlüssel. Zimmer 7 und 9.“

Der Vater nahm die Schlüssel, bedankte sich und brachte zusammen mit seiner Frau das Gepäck auf das Zimmer. Sie räumten ihre Sachen aus und bestaunten das Zimmer. Die drei Kinder suchten direkt nach einer Beschäftigung, das Einräumen des Zimmers hatte schließlich noch Zeit.

Sie gingen an die hoteleigene Poolanlage und freuten sich schon auf das Programm. Jedoch fand an diesem Tag kein Programm statt, so stand es zumindest auf einem kleinen Schild neben der Poolanlage. Enttäuscht und gelangweilt gingen sie wieder ins Hotel.

Gerade als sie die knirschende Hoteltreppe hinaufgingen, fiel Leon, dem ältestem Sohn, ein, dass sie doch Verstecken spielen könnten. Da wie immer keiner freiwillig suchen wollte, lösten sie das Problem wie immer: Sie spielten „Gerade – Ungerade“. Tom, das jüngste der drei Kinder, zog mit seinem Bruder Leon jedes Mal dieselbe Masche durch, sie sprachen sich ab, so dass ihre Schwester, Sara, jedes Mal suchen musste. So war es auch dieses Mal.

Leon versteckte sich im Zimmer der Eltern unter dem Bett. Tom ging über die knirschende Hoteltreppe hoch in den 4. Stock, er war verlassen. Alle Türen waren geschlossen, bis auf die Hinterste. Es lag ein leicht modriger Geruch in der Luft, es war ein beißender Geruch, der mit jedem Schritt intensiver wurde. Jedoch wollte er nicht riskieren als Erster gefunden zu werden, weswegen er sich der leicht geöffneten Tür am Ende des Gangs näherte. Er öffnete die Tür einige Zentimeter, sie quietschte, es erschütterte ihn bis ins Mark. Mit leicht zittrigen Knien betrat er das Zimmer.

Auf der Tür war nur noch schwer erkennbar die Nummer 27 zu sehen. Als er ein paar Schritte in das verwaiste Zimmer machte, knallte die Tür hinter ihm zu wie durch einen heftigen Windstoß. Sofort versuchte Tom die Tür zu öffnen, doch es klappte nicht, egal wie feste und lange er es auch probierte.

Zur selben Zeit hatte Sara Leon schon im Zimmer ihrer Eltern gefunden, da es so üblich war, musste Leon nun mit suchen. Minuten, fast Stunden vergingen, ohne dass sie Tom fanden. Als sie noch einmal das ganze Hotel durchsuchen wollten, begegneten sie den Eltern in der Eingangshalle, sie kamen wohl gerade von einem Besichtigungsgang durch das Hotel.

„Und habt ihr auch viel Spaß, Kinder? Wo ist denn Tom?“, fragte die Mutter neugierig. „Ja…wie sollen wir es sagen, wir haben Verstecken gespielt und suchen Tom schon seit fast zwei Stunden. Wir haben das ganze Hotel schon durchsucht.“

Völlig außer sich erzählte die Mutter dem Vater, was passiert war.

Währenddessen entdeckte Tom, auf der Suche nach einem anderen Ausgang des Zimmers, eine weitere Tür hinter einem Vorhang. Mit zittrigen Knien und vor Nervosität leicht feuchten Händen stand Tom nun vor dem Vorhang der versteckten Tür. Mit langsamen Schritten ging er auf den Vorhang zu, mit einem Ruck riss er den Vorhang beiseite.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Eltern immer noch außer sich, doch der Hotelmanager versuchte mit ihnen zu reden und sie zu beruhigen.

„Wir werden ihn schon finden, behalten sie nur die Ruhe.“, sagte er zu ihnen.

Gerade als sie sich auf die Suche machen wollten, kam ein weitere Vater zu dem Hotelmanager. Völlig aufgelöst erzählte er dem Manager, dass er seine Tochter vermisse und schon seit über einer Stunde suche. Auch ihn versuchte der Hotelmanager zu beruhigen und schlug vor gemeinsam nach den Kindern zu suchen. Natürlich hatte keiner der Eltern etwas dagegen einzuwenden.

Zur gleichen Zeit öffnete Tom vorsichtig die Tür, nach einigen Sekunden hielt er inne. Er hörte ein leises Schluchzen, fast schon ein Weinen. Er öffnete die Tür nun ganz, er konnte keinen Meter weit gucken, so eine Dunkelheit hatte er vorher noch nie erlebt. Da war es schon wieder, das Schluchzen aus der hintersten Ecke. Seine Knie fingen immer mehr an zu zittern, ängstlich stand er nun da in dem düsteren Raum. Er bemerkte noch ein weiteres Kind. Ein Mädchen, welches weinend in der Ecke hockte.

„Spielst du auch Verstecken?“ fragte er sie. „Nein.“, sagte sie schluchzend „Ich wollte nur in mein Zimmer, aber der Mann vom Hotel hat mich dann hier eingesperrt.“

Daraufhin fängt sie wieder an zu weinen, Tom kniete sich neben sie und versuchte sie zu trösten.

Bei der Suche nach den Kindern fiel Toms Vater auf, dass der Hotelmanager komischerweise alleine nach den Kindern suchen wollte. Das fand der Vater merkwürdig, denn der Hotelmanager hat sich seit dem Verschwinden der Kinder sehr seltsam verhalten. Deswegen folgte er dem Hotelmanager heimlich in den dritten Stock, dies war schwerer als gedacht, da die Hoteltreppe bei jedem Schritt quietschte. Plötzlich stieg der Manager in den Aufzug, der Vater musste jetzt schnell handeln. Er beschloss, kurz bevor sich die Türen schlossen, mit in den Aufzug zu steigen. Mit erschrecktem und nervösem Blick schaut der Manager den Vater an. Nach wenigen Sekunden drückt der Vater voller Zorn den Notschalter. Der Aufzug blieb mit einem kräftigen Ruck stehen. Ein Schweigen lag in der Luft. Der Vater baut sich vor dem Hotelmanager auf, das Licht flackert und geht aus.

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