CovermitTitelFerien in Guantanamo

Letzter Aufruf für den Flug nach Havanna. „Ey Jungs, wir müssen uns beeilen“, sagte Mike. Die Gruppe rannte von Gate zu Gate. Leo war erleichtert, dass er ungeschoren durch die Kontrolle kam, weil er fünf Gramm Marihuana dabei hatte. Als sie im Flugzeug saßen, bekam Vanessa etwas Flugangst, doch ihr Freund André saß neben ihr und beruhigte sie. Das Flugzeug startete. Die Gruppe war voller Vorfreude, die jedoch nicht lange anhalten sollte.

Nach acht Stunden Flug geriet das Flugzeug in starke Turbolenzen. Die Passagiere waren sehr unruhig. Der Pilot gab das Zeichen zum Anschnallen. Marina ging zur Toilette. Das Flugzeug wurde durch die starken Turbulenzen hin- und hergerissen. Marina stieß sich in der Toilette ihren Kopf am Spiegel und fiel in Ohnmacht. Nach einer dreiviertel Stunde bemerkte Leo, dass Marina immer noch nicht von der Toilette zurückgekommen war. Er ging zur Toilette und rief ihren Namen, doch sie antwortete nicht. Er ging zur Stewardess und sagte ihr Bescheid. Sie öffneten die Türe von außen und sahen sie dort liegen. Sie sahen, dass sie eine Platzwunde am Kopf hatte. Die Stewardess brachte Marina an ihren Platz und versorgte sie. Mike vergewisserte sich, dass mit der Gruppe alles in Ordnung war.

Der Pilot machte eine Ansage. „Bitte bleiben Sie an ihren Plätzen sitzen. Wir werden in ein Gewitter geraten, doch es gibt keinen Grund zur Sorge.“

Vanessa klammerte sich an ihren Freund und sagte: „Ich habe Angst.“

Er antwortete: „Nicht mehr lange und dann ist es geschafft.“

Es rüttelte ganz schön im Flugzeug. Plötzlich traf ein Blitz die beiden rechten Triebwerke. Es fing an zu brennen. Die Passagiere schrien: „Feuer, Feuer am Triebwerk!“

Das Flugzeug konnte nicht mit zwei Triebwerken fliegen, es brauchte mindestens drei. Das Flugzeug stürzte aus zwölftausend Metern Höhe in das Karibische Meer. Mitten ins Nirgendwo.

„Landeten sie? Wo sind wir?“, fragten sich die Passagiere. Keiner wusste wo sie waren, aber sie bemerkten schnell, dass sie nicht dort waren, wo sie sein sollten. Ihnen fehlte nur noch eine Stunde bis Havanna. Anscheinend waren sie in der Karibik ungefähr einhundert Kilometer vor Havanna entfernt gelandet. Die Türen des Flugzeugs wurden zu schwimmenden Booten. An Bord befand sich Proviant, eine Leuchtkanone mit fünf Patronen, ein Fischernetz, Taschenlampen, eine Axt, eine Schaufel und ein Radio sowie Schreibzeug. André hatte einen Film gesehen, in dem gezeigt wurde, dass es gut war etwas zu Schreiben zu haben.

Das gesamte Gepäck der Passagiere befand sich noch im Flugzeug. André, Vanessa, Marina, Leo und Mike saßen zusammen mit anderen Passagieren im Rettungsboot. Leo und Marina hatten ihr Handgepäck dabei, denn Leo wusste: egal, in was für eine Situation er käme, ohne sein Rauchzeug gehe es nirgendwo hin und Marina war die Art von Mädchen, die ihre Handtasche nie aus den Augen ließ. Es wurde langsam Abend. Die Gruppe versuchte, das Beste aus der Situation zu machen.

Mike fragte in die Runde, ob jemand die Uhrzeit wüsste. Leo hatte zum Glück eine Armbanduhr. Gegen ein Uhr nachts bekamen die meisten Hunger. André packte sich das Netz und warf es ins Wasser. Nach zwanzig Minuten gerieten einige kleinere Fische ins Netz. Sofort dachte jeder nur an sich, denn alle griffen in das Netz ohne Rücksicht auf Verluste und jeder nahm, so viel er nur kriegen konnte.

André stellte den Bunsenbrenner auf, nahm die Axt, spießte die Fische darauf und hielt sie über den Brenner.

Die Zeit verging schleppend. Es wurde dunkel. Jeder versuchte zu schlafen. Einige blieben wach, sie konnten einfach nicht schlafen. Wie viele Kilometer sie schaffen würden wusste keiner. Vermutlich siebzig oder achtzig.

Am nächsten Morgen wachte Leo als erster auf. Er guckte sich um. Vor ihm war Wasser, aber hinter ihm war Land. Alles voll mit Sand. Weiter hinten war alles voll mit Bäumen und Büschen. Leo weckte Mike und André. Er wollte gemeinsam mit seinen Freunden rauchen. Zehn Minuten später weckten sie die Mädchen. Marina bemerkte weit hinter den Bäumen einen Turm. Sie machten sich auf in seine Richtung. Er glich einem Wachturm.

Vanessa rief: „Ey, Leute, seht euch das an!“ Dort war ein Schild mit der Aufschrift Precaución. Prohibida la entrada. in den Sand gesteckt worden. Vanessa konnte ein wenig spanisch und übersetzte Vorsicht. Zutritt verboten.

Sie wussten nun, sie befanden sich an einem Ort, an dem man Spanisch sprach. Sie gingen weiter. Es dauerte etwa drei Minuten, bis sie in der Nähe des Turms waren. Sie blickten auf ein weiteres Schild You are entering Guantanamo. Darunter stand es noch einmal auf Spanisch.

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