Kriegserklärung_Erster_Weltkrieg
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Als der 13. Deutsche Reichstag am 4. August 1914 sich zu seiner konstituierenden Sitzung der neuen Sitzungssezession traf, befand sich das Deutsche Reich bereits im Krieg, denn es hatte am 1. August 1914 Russland und am 3.8.1914 Frankreich den Krieg erklärt – ohne vorherigen Parlamentsbeschluss. Was uns heute undenkbar erscheint, war vor hundert Jahren Realität. Das Parlament, gewählt allein von Männern, nach einem Wahlrecht, das den Stimmen kein gleiches Gewicht zubilligte, durfte nicht über Krieg oder Frieden beschließen, sondern musste sich ganz auf das – sehr wichtige – Budgetrecht beschränken. Ohne Geld gibt es freilich keinen Krieg, ohne Parlamentsbeschluss aber auch kein Geld.

In einer denkwürdigen Sitzung am 4. August 1914 beschließen alle Abgeordneten des Deutschen Reichstags die Bewilligung der für die Kriegsführung erforderlichen Kredite, parallel beginnt – ohne Kriegserklärung – der Krieg gegen Belgien.

Die Lektüre der drei am 4. August 1914 stattgefundenen Sitzungen des Deutschen Reichstags mutet merkwürdig an: Beginnend mit einer Eröffnungssitzung im Königlichen Schloss um 13 Uhr, dem getrennte Gottesdienste für evangelische und katholische Abgeordnete vorangingen, wurde innerhalb von weniger als 5 Stunden die Gesellschaft in Deutschland rechtlich kriegsertüchtigt.

Die vom Reichskanzler Bethmann-Hollweg verfasste Thronrede zur Rechtfertigung des Krieges wurde entsprechend der Regularien vom Kaiser im Berliner Schloss verlesen und mit nationalem Pathos beendet.

Elegant wurden im Reichstag die parlamentarischen Bräuche zeitsparend verkürzt, es mussten ja ein Reihe von Gesetzen – insgesamt 17 – beschlossen werden, um rechtmäßig Krieg führen zu können. Wer auf eine ausführliche Debatte und inhaltliche Klärung hoffte, wird enttäuscht sein. Diese zeitliche Leistung kann nur anerkannt werden, wenn berücksichtigt wird, welche Vorbereitung erforderlich war, um die Gesetzesnovellierungen zu formulieren und für die parlamentarische Verabschiedung vorzubereiten. So dauerte die erste Sitzung auch nur ganze 35 Minuten, exakt von 15.15 Uhr bis 15.50 Uhr. Bereits um 17.21 Uhr wurde die zweite Sitzung eröffnet, 29 Minuten später waren alle erforderlichen Gesetze – ohne Aussprache: „Ich eröffne die Diskussion, – und schließe sie, da sich niemand zu Wort meldet, und darf annehmen, daß dieser Gegenstand damit erledigt ist.“ – einstimmig entsprechend der parlamentarischer Notwendigkeiten beschlossen, die Sitzung konnte um 17.50 Uhr geschlossen werden, nicht ohne sich vorher auf die nächste Sitzung am 24. November 1914 vertagt zu haben. Der Reichskanzler Bethmann-Hollweg formulierte als Fazit – sicher nicht in allen Konsequenzen bedacht: „Was uns auch beschieden sein mag: der 4. August 1914 wird bis in alle Ewigkeit hinein einer der größten Tage Deutschlands sein.“

Dieser größte Tag Deutschlands forderte in unmittelbarer Folge fast siebzehn Millionen Menschenleben. Vier Jahre, drei Monate und fünf Tage später war das Deutsche Kaiserreich Geschichte. Die für den Kriegsausbruch Verantwortlichen entzogen sich ihrer Verantwortung, die erste deutsche Republik zerbrach an den Folgen dieser Verantwortungslosigkeit.

 

In einer Veranstaltungsreihe gedenken die Stadtbüchereien Düsseldorf, die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, der Düsseldorfer Appell/Respekt und Mut, die Heinrich-Heine-Universität, das Heinrich-Heine-Institut und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

 

Nachrichten aus dem Menschenschlachthaus

Der Erste Weltkrieg in Feldpostbriefen

Donnerstag, 25. September 2014, 20 Uhr,

Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90

Eintritt frei

„Wenn man im Graben steht und sich nicht regen darf, wenn die Minen und Granaten kommen, so ist das wohl Kampf, aber keine lebendige Tat, sondern da grauenhafte Gegenteil davon. Das ist überhaupt das Scheußliche in dem jetzigen Krieg – alles wird maschinenmäßig, man könnte den Krieg eine Industrie gewerbsmäßigen Menschenschlachtens nennen (…)

Technikstudent Hans Martens aus Berlin-Charlottenburg in einem Brief von der Ostfront, 4.02 1915. Tödlich verwundet am 14. 07. 1915

Im Verlauf des „Grande Guerre“ wurden Massen von Feldpostbriefen, Postkarten und Telegrammen zwischen den Fronten und den Heimaten hin- und hergeschickt. Allein auf deutscher Seite waren es 28,7 Milliarden Sendungen.

Viele dieser Zeitdokumente sind erhalten, sie sind eine unschätzbare Quelle und erzählen vom zermürbenden Alltag in den Schützengräben, den Todesängsten und Sehnsüchten der Soldaten, aber auch von den vielen Beschwernissen, vom Bangen und Hoffen, der Gattinnen und Familien daheim.

Wir lesen Auszüge aus Tagebüchern und Feldpostbriefen von Soldaten und Angehörigen verschiedener Nationalitäten und möchten anhand von Selbstzeugnissen der ins Leiden geworfenen Menschen den „anthropologische Schock“ dieses ersten modernen Maschinenkrieges ein wenig begreifbarer machen.

Info: Katja Schlenker, schlenker@g-h-h.de, Tel: 0211/169 9123, Volker Neupert neupert@respekt-und-mut.de, Tel. 0211/95757-794

Eine Veranstaltung von Düsseldorfer Appell/Respekt und Mut, Stadtbüchereien Düsseldorf und Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

 

Lesung: Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora

Die Geschichte des Ersten Weltkriegs

Mittwoch, 1. Oktober 2014, 20 Uhr

Zentralbibliothek Düsseldorf, Bertha-von-Suttner-Platz 1

Eintritt frei

Es liest Jörn Leonhard, Professor für Westeuropäische Geschichte an der Universität Freiburg

Moderation: Frank Vollmer, Redakteur der Rheinische Post

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs im August 1914 kam wie in der antiken Sage der Büchse der Pandora ein Schrecken in die Welt, der für lange Zeit nicht mehr zu bändigen war. Erst nach vier blutigen Jahren in denen 10 Millionen Soldaten ihr Leben verloren, wurde der Krieg halbwegs eingehegt, um 2 Jahrzehnte später erneut zu beginnen.

Jörn Leonhard legt in seinem Anfang des Jahres erschienen Buch eine gesamteuropäische Darstellung des ersten Weltkriegs vor. Leonhard gelingt es, die in ihrer Grausamkeit nicht für möglich gehaltenen, wechselvollen Ereignisse dieses unübersichtlichen Krieges in eine übergreifende und umfassende Erzählung zu fassen.

Er beschreibt dabei nicht nur die rasanten militärischen Entwicklungen und die Auswirkungen auf die Kriegsgesellschaften, sondern lässt auch ganz unterschiedliche Zeitgenossen vom ahnenden Dichter zum exekutierenden Militär, vom Soldaten im Graben bis zur Frau in der Brotschlange zu Wort kommen.

Info: Volker Neupert volker.neupert@respekt-und-mut.de, Tel: 0211/95757-794

Eine Veranstaltung von Respekt und Mut, Stadtbüchereien Düsseldorf und Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus

 

„Kanns denn keiner hindern und aufhalten?“

Der Erste Weltkrieg und die Dichtung

Donnerstag, 23. Oktober 2014, 20 Uhr

Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1

Eintritt frei

Es liest Frank Schablewski, Düsseldorf

„Warum giebt es nicht ein paar, drei, fünf, zehn, die zusammenstehn und auf den Plätzen schreien: Genug! und erschossen werden … Warum gibt es nicht Einen, ders nicht mehr erträgt, nicht mehr ertragen mag…“ schrieb der Dichter Rainer Maria Rilke angesichts des Schreckens des Ersten Weltkriegs am 11. Oktober 1915 an eine Freundin.

Lyrik besteht nicht nur aus schönen und wohlgesetzten Worten. Dichtung hat seit ihren Anfängen Kriege begleitet, indem sie zu kriegerischen Handlungen aufrief und die Leiden der Kriege beklagte. Auch zwischen 1914 und 1918 entstanden zahlreiche Gedichte in allen Ländern Europas, die den Krieg in all seinen Facetten thematisierten.

Eine repräsentative Auswahl von Rilke über Trakl bis Hasenclever u.v.m. wollen wir in einer gemeinsamen Lesung vorgestellen.

Info: Klaus Peter Hommes klauspeter.hommes@duesseldorf.de, Tel: 0211/899-4401

Eine gemeinsame Lesung von Stadtbüchereien Düsseldorf, Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Heinrich-Heine-Universität und Düsseldorfer Appell / Respekt und Mut

 

„Sing, sing, was geschah…“

Der Erste Weltkrieg. Eine mahnende Revue

Sonntag, den 2. November 2014, 11 Uhr,

Heinrich-Heine-Institut, Bilker Str. 12-14

Eintritt: 6 € / 4 €

Mit Burkard Sondermeier, Rezitation und Gesang und Ulrich Raue, Klavier

Dieses Programm widmet sich dem Ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch sich 2014 zum hundertsten Mal jährt. Es ist eine mahnende Revue, die auf Schuldzuweisungen verzichtet, stattdessen die Unmenschlichkeit des Krieges aufzeigt, eines Krieges, nach dem nichts mehr war wie zuvor. Eine Welt, die maßgeblich von der aristokratischen Elite, dem Nationalismus und dem Militarismus geprägt war, ging unwiderruflich unter.

Burkard Sondermeier und Ulrich Raue präsentieren eine mahnende Revue mit Texten und Musik von Karl Kraus, Kurt Tucholsky, Stijn Streuvels, Ernest Claes, Erich Wolfgang Korngold, Emilie Wesley, Aristide Bruant u.a.

Der Refrain des 1918 erstmals im Druck erschienenen Antikriegsliedes „Zogen einst fünf wilde Schwäne“ gibt dem Programm seinen Titel.

Info: info@cjz-duesseldorf.de, Tel: 0211-95757 792

(kph)

 

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