buelensDichter im strengen Wortsinne als Lyriker werden heute im Allgemeinen hoch geschätzt und bewundert, aber ihre Gedichte werden wenig gelesen und ihre Bücher noch weniger gekauft. Poesie wird oft mit dem Image des Elitären und der Weltabgewandtheit verbunden. Unter den zahlreichen Veröffentlichungen zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren ragt die Studie des belgischen Literaturwissenschaftlers und Dichters Geert Buelens „Europas Dichter und der Erste Weltkrieg“ heraus. Er analysiert die europäische Lyrik von Portugal bis Russland mit zahlreichen bekannten und unbekannten Dichterinnen und Dichtern im Umfeld des Ersten Weltkriegs. In seinem sehr lesenswerten Buch schließt Buelens ein bisheriges Desiderat der Forschung und der Darstellung, da bislang nur jeweils nationale Analysen der Bedeutung der Poesie in dieser für den weiteren Verlauf der europäischen Geschichte wichtigen Epoche existierten. Der gemeinsame Blick auf so unterschiedliche Lyrik wie z.B. von Anna Achmatowa, Guillaume Apollinaire, Gabriele D’Annunzio, Fernando Pessoa, Rainer Maria Rilke, August Stramm, Tristan Tzara und Albert Verwey eröffnet die Erkenntnis, dass die Dichtung im Ersten Weltkrieg kein elitäres Zierrat der Weltferne ist, sondern formende Kraft besaß und eine wichtige Quelle für das Verständnis dieser europäischen Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts darstellt.
Das Buch befindet sich in der Zentralbibliothek mit der Signatur Pdm Buelen. (kph)

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