frtschernoDie Vertreibung aus dem Paradies erfolgt heute durch die Menschen selbst. Der Name Tschernobyl steht für eine der größten von Menschen hervorgerufenen Katastrophen. Die Explosion eines Blockes des Atomkraftwerks Tschernobyl am 26. April 1986 infolge einer fehlgeschlagenen Simulation wurde zunächst geheim gehalten. Zur Zeit des kalten Krieges informierte die Sowjetunion weder die eigene Bevölkerung, noch die Weltöffentlichkeit über die radioaktive Verseuchung in der Ukraine. Zahlreiche Menschen wurden verstrahlt, erst Tage später wurden sie evakuiert. Weite Gebiete Europas bis nach Skandinavien und Frankreich wurden radioaktiv belastet und verseucht. Hunderttausende Menschen wurden in die hochradioaktive Ruine zum Aufräumen geschickt, zahlreiche Menschen starben durch die extrem hohe Dosis radioaktiver Strahlung. Eine Gruppe französischer Künstler erkundete in Frühjahr 2008 die zur Sperrzone erklärte Umgebung des Atomkraftwerks, in der wieder einige Menschen leben. In eindrucksvollen Bildern zeigt Emmanuel Lepage sowohl die Aufräumungsarbeiten wie auch den heutigen Zustand, besonders aber, wie sich die dort lebenden Menschen unter der permanenten atomaren Bedrohung eingerichtet haben. In Reflexion des eigenen künstlerischen Prozesses nähern sich die Künstler und die in der Umgebung lebenden Menschen vorsichtig an. Mit Verweisen auf andere Katastrophen in der Ukraine, wie dem Holodomor, dem Völkermord durch Hunger 1932-1933 unter der Terrorherrschaft von Stalin oder dem Vernichtungskrieg der Nazis zwischen 1941 und 1945, werden Bezüge zur ukrainischen Geschichte dargestellt. Neben düsteren Bildern, die an Szenen aus „Stalker“ des sowjetischen Regisseurs Andrei Tarkowskij erinnern, zeigt der farbenprächtig gezeichnete beginnende Frühling in der Sperrzone den Zustand einer Welt, aus dem sich die Menschheit selbst ausgeschlossen hat.

Die Graphic Novel befindet sich in der Zentralbibliothek unter der Signatur

Icg Fruehl.

(KPH)

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