hommes1 Über die Ukraine und besonders die Hauptstadt Kiew wird seit Monaten intensiv berichtet, zahlreiche Artikel informieren über die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe des Landes.  Auf Einladung des Goethe Instituts Ukraine und des Ukrainischen Bibliotheksverband  http://www.ula.org.ua/ fand am 17. und 18. Februar 2014 ein lange geplantes internationales Seminar mit über 60 Teilnehmern aus der Ukraine, Georgien, Kasachstan, Russland, Weißrussland und Deutschland über das E-Book-Angebot in Bibliotheken statt, bei dem ich die große Ehre hatte, in vier Vorträgen die Situation in Deutschland und speziell in Düsseldorf darzustellen. Weiter Bilder findet man in diesem Album.

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Dank der bibliothekarischen Dienstleister in Deutschland wie der DiviBib GmbH und der ekz-Bibliotheksservice GmbH können auch Öffentliche Bibliotheken in Deutschland seit 2007 ihren Kunden E-Books anbieten, (http://www1.onleihe.de/duesseldorf) ohne selbst eine hochkomplexe technische Infrastruktur aufbauen und betreuen sowie für jeden einzelnen Titel aufwändige Lizenzverhandlungen führen zu müssen.

hommes4Von dieser Situation in Deutschland sind die Öffentlichen Bibliotheken in der Ukraine und den angrenzenden Ländern Georgien, Kasachstan, Russland und Weißrussland noch weit entfernt. Zwar haben einige Bibliotheken E-Bookreader wie Kindle oder Tablet-PCs wie iPad im Angebot, diese dürfen aber auf Grund gesetzlicher Bestimmungen nur in den Bibliotheksräumen genutzt werden und nicht an Kunden ausgeliehen werden. Die technischen Geräte bilden jedoch nur einen Aspekt für den erfolgreichen Einsatz von E-Books in Öffentlichen Bibliotheken, entscheidend ist jedoch ein entsprechender Content, das inhaltliche Angebot. Zum einen müssen Verlage E-Books produzieren, zum anderen müssen diese für den Einsatz in Bibliotheken zur Verfügung gestellt werden.

hommes5Die sehr konzentrierten Gespräche und Diskussionen wurden am zweiten Seminartag durch die blutigen und tödlichen Ereignisse auf dem Maidan relativiert, die wenige Tage und viele Tote später zu einem Machtwechseln in der Ukraine führten.

Die Pausengespräche waren ab Dienstagmittag bestimmt von den bluigen Ereignissen und der Sorge, wie zunächst die ukrainischen Teilnehmer nach Wegfall wesentlicher Teile der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur den Seminarort sicher und ungefährdet verlassen können. Die Seminarteilnehmer aus Deutschland, Georgien, Kasachstan, Russland und Weißrussland verfolgten zusammen in der Bibliothek des sehr gastlichen Goethe-Instituts bis spät in die Nacht über Internet mit Livestreams vom Maidan und Twitter die zunächst unübersichtlichen Ereignisse auf dem wenige Kilometer entfernten Maidan, ohne sich jedoch selbst irgendwie gefährdet zu fühlen.

Durch den blutigen Versuch, die Demonstrationen zu beenden, gab es keine Gelegenheit, die Stadt Kiew und Bibliotheken in Kiew kennen zu lernen, die internationalen Gäste wurden am Mittwochvormittag zum weit außerhalb der Stadt gelegen Flughafen gefahren.

Lediglich am späten Sonntagnachmittag erhielt ich durch einen kurzen Rundgang durch Podil, einem der ältesten Stadtteile von Kiew, einen Eindruck von der vielschichtigen Geschichte der Stadt mit ihren freundlichen Bewohnern.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Andriivskatserkva.jpg
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Auf dem Kiewer „Montmatre“ gab es von der barocken St. Andreas-Kirche einen ersten Eindruck von der Stadt.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:St.MichaelsGoldenDomedCathedral.JPG
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Das nahe St. Michaelis-Kloster spiegelt in einem Gebäudekomplex die tragische Geschichte der Ukraine der letzten 100 Jahre. 1936 unter der Terrorherrschaft von Stalin zerstört, wurde das St. Michaelis-Kloster nach Erlangung der Unabhängigkeit der Ukraine historisch getreu neu erbaut. Bei den blutigen und tödlichen Demonstrationen wurde das St. Michaelis-Kloster als Krankenhaus und Lazarett für die verwundeten Demonstranten genutzt.

http://www.reprodukt.com/produkt/graphicnovels/berichte-aus-der-ukraine-erinnerungen-an-die-zeit-der-udssr/
http://www.reprodukt.com/produkt/graphicnovels/berichte-aus-der-ukraine-erinnerungen-an-die-zeit-der-udssr/

Vor dem Kloster erinnert das Holodomor-Denkmal an die Millionen Menschen, die während des unter Stalin staatlich verursachten Hungertodes 1932-1933 (Holodomor) gestorben sind. Über die Hintergründe und die Schrecken des Holodomors gibt die Graphic-Novel „Berichte aus der Ukraine“ des italienischen Autors Igort einen erschreckenden Eindruck.

Foto: Hommes
Foto: Hommes
Foto: Hommes
Foto: Hommes
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kiev-AndriyivskyyDescent-Bulgakov.jpg
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Der Spaziergang führte mich an dem Wohnhaus von dem Wohnhaus von Michail Bulgakov

hommes93sowie an dem dem Tschnerobylmuseum vorbei, das an den GAU am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschornobyl erinnert.

Herzlichen Dank an Frau Teichmann, der Bibliotheksleiterin, und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Goethe-Instituts Kiew für die immer sehr herzliche und umsichtige Organisation. Sie sorgten in einer bedrückenden Situation in der Ukraine für eine sehr freundliche Atmosphäre mit Raum und Zeit für intensive Gespräche über Bibliotheken und deren Zukunft, aber auch über das Leben in den verschiedenen Ländern und die aktuelle Geschichte. Danke auch den Teilnehmern des Seminars, besonders aus Russland und Weißrussland, sowie der Vize-Präsidentin des Ukrainischen Bibliotheksverbandes, Dr. Valentyna Pashkova, für die freundschaftlichen intensiven sachlichen und persönlichen Gespräche. (kph)

Foto: Teichmann
Foto: Teichmann

Спасибі Київ, спасибі Гете-Інституту, До побачення.

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