yeahRebecca Martin: Und alle so yeah

Rebecca Martin ist eine typische Autorin des so genannten „Literarischen Fräuleinwunders“. 2008 trat sie als erst 18-jährige Autorin mit ihrem ersten Roman „Frühling und so“ in Erscheinung. Wegen der sexuellen Freizügigkeit wurde er von den Medien schnell als zweites „Feuchtgebiete“ gehypt, die Autorin war auf Bestsellerlisten präsent und reiste durch Talkshows.

2012 dann der Folgeroman „Und alle so yeah“. Der Titel verweist auf einen Flashmob anlässlich einer Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2009. Aufgefordert durch den handschriftlichen Zusatz „…und alle so: yeah“ auf einem Wahlplakat quittierten die Aktivisten jede Aussage Merkels unisono mit „Yeaahh!“ Das ist aber auch schon fast alles an politischer Auseinandersetzung, was der Roman enthält. Und auch eine sexuelle Provokation braucht der Leser diesmal nicht zu fürchten. Stattdessen geht es um die Zukunftsfindung einer jungen Frau, die einen erfolgreichen Roman geschrieben hat, danach in ein Loch aus Parties, Alkohol und Nikotin stürzt und nicht weiß, was sie aus ihrem Leben machen soll. Eine, die nicht an ihrer Perspektivlosigkeit scheitert wie so viele Jugendliche ohne Beziehungen, Schulabschluss und Ausbildungsplatz, sondern an dem Übermaß der Möglichkeiten. Ein Luxusproblem, wie die Autorin unumwunden zugibt. Überfordert von allem, sagt sie zu allem Nein, verschanzt sich in einem von Drogen vernebelten Dauer-Feiern, das sie körperlich an den Rand ihrer Möglichkeiten bringt. Lediglich ihr Bruder dringt gelegentlich noch zu ihr durch, die Beziehung ist sehr eng, wer will, kann inzestuöses Verlangen herauslesen. Beide brechen auf zu einer Reise von Berlin zum Bodensee, ein Roadmovie beginnt, ein klassischer Entwicklungsroman. Wie beim Abspulen eines Films wechseln sich „play“ und „rewind“ ab, das „fast forward“ am Ende bringt als Lebensausblick ein überraschend konventionelles Idyll. Hinter allen Skandalen meldet sich die Sehnsucht nach einer heilen Welt.

Das ist keine große Literatur, aber die Autorin hat schon ihren Handwerkskoffer. Aufgefallen ist sie mir durch einen klugen kleinen Beitrag im ZEIT Magazin, die „Skandalautorin“ dahinter entdeckte ich erst durch Recherche. Wer einen Blick in die aktuelle Jugendszene werfen will, kann dies hier tun – obwohl die Autorin betont, dass ihre Heldin natürlich kein Paradebeispiel für ihre Generation ist: „Ich kenne junge Menschen, die ihre beruflichen Ziele ganz klar definiert haben und nach der Schule keine Zeit verlieren wollen.“, sagt sie in einem Interview.

Der Roman ist in der Zentralbibliothek unter Z  Martin ausleihbar. (ce)

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