Georg Büchner. Ein literarischer Schnellkurs an vier Abenden

Georg Büchner
© akg-images

Mit dem Literarischen Schnellkurs gratulieren die Stadtbüchereien Düsseldorf in diesem Jahr Georg Büchner zum 200. Geburtstag. An vier Abenden stellen Büchner-Experten die Biographie des Autors und Teile seines Werkes vor. Dabei prägen vor allem die Kompetenz der Gäste und die Möglichkeit zur sinnlichen Erfahrbarkeit von Büchners eindrücklichem Werk das Programm der Veranstaltungsreihe. Schauspieler verleihen Büchners Gestalten ihre Stimme, erwecken sie zum Leben und bringen Auszüge der Dramen auf die Bühne.
Georg Büchner gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dichter des frühen 19. Jahrhunderts. Seine Werke gehören noch heute zur Schullektüre. Sie finden internationale Verbreitung, werden auf vielen Theaterbühnen der Welt immer wieder neu inszeniert und wurden vielfach verfilmt.
In nur drei Jahren verfasste Georg Büchner sein Gesamtwerk, das sich durch sozialkritische Analysen und eine experimentelle Ästhetik auszeichnet. Neben zeitaktuellen Aspekten der Naturwissenschaften reflektiert er Konzepte philosophischer Tradition, religiöse Überzeugungen und politische Ideologien. Seine literarischen Analysen moderner Krisensituationen machen die zeitlose Bedeutung seiner Texte aus.
Lassen Sie sich im Literarischen Schnellkurs über Georg Büchner informieren, zu einer Begegnung mit einem der spannendsten Autoren der frühen literarischen Moderne anregen – und sich dabei auch noch gut unterhalten. Sie sind herzlich eingeladen!
Übrigens, der Eintritt ist kostenlos und eine Anmeldung ist nur für Gruppen erforderlich. (Unter Telefon 0211.89-94027 oder E-Mail: annette.krohn@duesseldorf.de)

In der Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1

Mittwoch, 06.11.2013 um 20 Uhr

„Georg Büchner – der melancholische Revolutionär“
Einführungsvortrag zu Leben und Werk

Das literarische Werk Georg Büchners zeichnet sich durch eine nachhaltige Durchschlagskraft aus: Das ‚Revolutionsdrama‘ „Dantons Tod“ lässt die ‚Helden‘ der Französischen Revolution in einem ungewohnten Bild erscheinen; im Dramenfragment „Woyzeck“ werden uns die Folgen menschlicher Ausbeutung eindrucksvoll vor Augen geführt, und das nachromantische Lustspiel „Leonce und Lena“ bietet eine melancholische Liebes- und Politsatire. Einen der eindringlichsten Erzähltexte in deutscher Sprache wiederum stellt die aufwühlende Künstlernovelle „Lenz“ dar.

Dr. Jürgen Nelles

Der bebilderte Vortrag des Literaturwissenschaftlers Dr. Jürgen Nelles skizziert das kurze Leben Georg Büchners und würdigt seine bedeutendsten, bis heute aktuell gebliebenen Texte.
Dr. Jürgen Nelles lehrt nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Pädagogik, Promotion und Habilitation an der Bonner Universität Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Außerdem ist er seit vielen Jahren für Bildungsträger, Buchhandlungen und andere Institutionen in der Region als Referent tätig.

Georg Büchner 1833

Zu seinen literarischen Interessensgebieten gehören Literaten und Literaturen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert, das Verhältnis von Kunst, Künstlern und Gesellschaft sowie Kriminal- und Regionalliteratur.

Mittwoch, 13.11.2013 um 20 Uhr

Georg Büchners „Woyzeck – mehr als ein soziales Drama“

Georg Büchner war nicht nur einer der bedeutendsten Literaten und radikalsten Revolutionäre seiner Zeit, sondern auch als Privatdozent der Philosophie mit Schwerpunkten in der vergleichenden Anatomie und der Philosophiegeschichte ein vielseitiger Wissenschaftler. Prof. Gideon Stiening unterzieht Büchners Werk einer kontextualisierenden Analyse und setzt es ins Verhältnis zu den politischen Texten und der Dichtung. Die differenzierte Berücksichtigung der zeitgenössischen Wissenschaften erweist sich für das Fragment „Woyzeck“ als außerordentlich produktiv und erlaubt den Nachweis, dass die philosophischen und wissenschaftlichen Kompetenzen Büchners einen Einfluss auf seine Literatur hatten, der demjenigen seiner politischen Einsichten gleichwertig ist. In seinem Vortrag über „Woyzeck“ wird Prof. Stiening einen Eindruck seiner grundlegenden Re-Lektüre der Büchner Texte geben. Der Schauspieler Olaf Reitz spricht Auszüge aus den Texten Büchners.

Prof. Dr. Gideon Stiening

Prof. Dr. Gideon Stiening, geboren 1965, studierte Deutsche Sprache, Literatur und Philosophie. Im Jahr 2000 promovierte er im Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaf ten der Philipps-Universität Marburg. 2012 veröffentlichte er zum 200. Geburtstag Büchners das Buch: „Literatur und Wissen in Büchners Werk – Studien zu seinen wissenschaftlichen, politischen und literarischen Texten“.

Olaf Reitz

Olaf Reitz, geboren 1969, ist als Schauspieler, Sprecher und Theatermacher über die Landesgrenzen hinweg aktiv. Im Vordergrund seiner Arbeit steht die Realisation eigener Theaterprojekte, aber auch Leseprogramme und Hörspiele gehören zum Repertoire, sowie zahlreiche Musikprogramme von alter bis neuer Musik.
www.olafreitz.de

Mittwoch, 20.11.2013 um 20 Uhr

„Die Skala der Liebe“ – Georg Büchners Frauen

Georg Büchner gilt trotz seines schmalen Oeuvres als einer der innovativsten deutschsprachigen Dramatiker. In seinen Werken reicht die „Skala der Liebe“ von bürgerlicher Sittsamkeit bis zu ausschweifender Sinnlichkeit. War der Dichter selbst vielleicht ein Schürzenjäger, ein erotischer Freigeist? Wie verhalten sich Poesie und Wirklichkeit zueinander im Faktencheck? In Auszügen aus seinem aktuellen Buch „Georg Büchners Frauen“ begibt sich Jan-Christoph Hauschild erstmals auf Spurensuche bei Büchners „Frauen“: den realen, mit denen er Raum und Zeit teilte, und jenen weiblichen Geschöpfen, die Imaginationen seiner dichterischen Phantasie waren. Petra Kuhles erweckt Büchners Frauen mit ihrer Stimme zum Leben.

Dr. Jan-Christoph Hauschild

Dr. Jan-Christoph Hauschild, geboren 1955, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf und freier Publizist (u. a. Biographien über Georg Büchner, Heinrich Heine, Heiner Müller und B. Traven), lebt in Bochum. Er gilt seit vielen Jahren als Büchner-Kenner und veröffentlichte allein in diesem Jahr zwei neue Werke über den Autor.

Petra Kuhles

Petra Kuhles studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater Hannover. Danach hatte sie unter anderem am Kölner Schauspiel, Staatstheater Karlsruhe, Düsseldorfer Schauspielhaus und Zürcher Schauspielhaus Theaterengagements. Seit 1993 ist sie freischaffende Schauspielerin und Dozentin und inszeniert eigene Stücke im „Kulturforum Alte Post“ in Neuss.

Mittwoch, 27.11.2013 um 20 Uhr

„Woyzecks Tod/Lenz und Lena“ Szenisches Theater.
Eingerichtet und gespielt von Susanne Hocke und Jürgen Larys

Georg Büchner hat in seinem literarisch überragenden Werk Sätze formuliert, die aktuelle Diskussionen um die Ergebnisse der Hirnforschung und deren Konsequenz für unser Menschenbild vorwegnehmen: Infragestellung des freien Willens, der Mensch als lustgeleitete Fehlleistung der Evolution, in tiefer Skepsis gegen jeden idealistischen Überbau. „Danton“ möchte seiner Geliebten „die Schädeldecke aufbrechen und ihr die Gedanken aus den Hirnfasern zerren“ – als letzten resignierten Versuch, einander wirklich kennen zu lernen. Büchner stand mit seiner ganzen Person im Spannungsfeld zwischen Literatur, Naturwissenschaft und – natürlich Politik.

Susanne Hocke und Jürgen Larys

Nach Veröffentlichung seines „Hessischen Landboten“, den der unsterbliche Satz: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ eröffnet, war er steckbrieflich gesuchter Revolutionär. Er strebte eine von Gleichheit geprägte neue Gesellschaftsordnung an. Gleichzeitig analysierte er in „Dantons Tod“, wie die rigorose Durchführung von Prinzipien wie Freiheit und Gleichheit in eine Lebensfeindlichkeit münden kann, die seine Protagonisten Robespierre und St. Just in die Nähe moderner totalitärer Systeme rückt.

Susanne Hocke und Jürgen Larys

Diese Inszenierung ist eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und den Grenzen der Revolution, angereichert durch moderne Paralleltexte. Es ist ein wilder Ritt durch Büchners Werk.

Advertisements