Mit Nobelpreisträgern auf Weltreise

Nobelpreis Medaille

Zum vierten Mal lädt die Düsseldorfer Zentralbibliothek Sie ein, in der Reihe „Ausgezeichnete Literatur“ an vier Abenden Literaturnobelpreisträgerinnen und Literaturnobelpreisträger aus aller Welt kennenzulernen. Die Österreicherin Elfriede Jelinek ist auch nach der Verleihung des Literaturnobelpreises 2004 noch immer umstritten. Wir stellen Ihnen die Autorin in einem Vortrag im März vor und erleichtern auf unterhaltsame Art den Zugang zu ihrem umfangreichen und anspruchsvollen Werk. Das besondere Verhältnis von Thomas Mann zur Musik steht im Fokus des zweiten Abends. Wie dessen Künstlerroman „Doktor Faustus“, ein Briefwechsel mit Theodor Adorno und mit dem Komponisten Arnold Schönberg zusammenhängen, klären die Künstlerinnen und Künstler des Maiabends auf. Im Herbst dürfen Sie sich auf eine Begegnung mit dem Chilenischen Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda freuen. Mit Musik, Gesang und Rezitation lassen wir seine Lyrik für Sie lebendig werden. Zum 100. Geburtstag von Albert Camus gratuliert die Reihe dem Franzosen mit einem Vortrag im Oktober. Sein Zitat stellen wir als augenzwinkerndes Motto diesem Programm voran, in der Hoffnung, dass Ihre Aufmerksamkeit für die vier bevorstehenden Abende geweckt ist und wir Sie zum Neu- und Wiederentdecken der Porträtierten und ihrer Texte anstiften können: „Man sollte auch gute, ja, ausgezeichnete Bücher verbieten, bloß damit sie mehr gelesen und beachtet werden.“ (Albert Camus)

Sie sind herzlich eingeladen!

Übrigens, der Eintritt ist frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In der Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1

Dienstag, 26.03.2013 um 20 Uhr
„Keiner kann dann sagen, er hätte es nicht gewusst….“ –
Elfriede Jelinek – politische Autorin und Wortkünstlerin

Nobelpreisträgerin für Literatur 2004

Elfriede Jelinek

Elfriede Jelineks Texte verwischen bewusst die Grenzen literarischer Gattungen und lassen keine Identifikation mit den handelnden Personen zu. Sie treffen den Leser oder Zuhörer durch ihre direkte Sprache und sind radikal sozial- und gesellschaftskritisch. Der Zugang fällt selten leicht, aber er lohnt sich! Dr. Bärbel Lücke zeigt in ihrem Vortrag Gründe dafür auf, sie zeichnet die Biographie der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin nach, und erläutert Jelineks Hauptthemen von ihren frühen Prosatexten wie „Lust“ oder „Die Klavierspielerin“ bis zu aktuellen Theaterprojekten wie „Rechnitz“ oder „FaustIn and Out“.

Die Schauspielerin Anna Barbara Hagin spricht Auszüge aus dem umfassenden, einzigartigen und vielseitigen Werk von Elfriede Jelinek.

Dr. Bärbel Lücke

Dr. Bärbel Lücke studierte Germanistik und Anglistik und arbeitete als Studienrätin an Gymnasien in Hannover und Celle. Mit der Promotion 2002 über die Prosa von Elfriede Jelinek verschob sich ihre Forschungstätigkeit vom methodischen Ansatz der Interpretation hin zur Analyse, also zur dekonstruktivistischen Lektüre im derridaschen Sinne. Mit Elfriede Jelinek fand sie eine Autorin, deren Sprache und Werk auf der Dekonstruktion gleichsam zu beruhen scheinen.

Anna Barbara Hagin

Anna Barbara Hagin besuchte die Westfälische Schauspielschule Bochum. 14 Jahre lang hatte sie feste Engagements an verschiedenen großen und kleinen Schauspielhäusern in Deutschland. Heute lebt sie als freie Schauspielerin, Rundfunksprecherin und Autorin in Bochum.

 

Mittwoch, 15.05.2013 um 20 Uhr
„Fülle des Wohllauts“ – Thomas Mann und die Musik

Nobelpreisträger für Literatur 1929

Thomas Mann 1929

Wenn er nicht Dichter geworden wäre, hätte er Musiker sein mögen, hat Thomas Mann einmal gesagt. Musik begleitet Thomas Manns Leben und Schaffen, er hat über Musik geschrieben, Musikbeschreibungen an Schlüsselstellen seiner Werke platziert und sie selbst nach musikalischen Prinzipien gebaut. Während seiner Arbeit im amerikanischen Exil an seinem großen Künstlerroman „Doktor Faustus“ stand Thomas Mann in einem regen und geistreichen Briefwechsel mit Theodor W. Adorno, mit dem ihm eine lebenslange Freundschaft verband. Ein Aspekt des Briefwechsels bezog sich auf den Ärger mit dem Komponisten Arnold Schönberg, der Thomas Mann heftig angriff und ihn des geistigen Diebstahls bezichtigte. Er warf nämlich Thomas Mann vor, sich durch seinen Helden im „Doktor Faustus“ zum Erfinder der Zwölfton-Musik aufgeschwungen zu haben.

Die Briefwechsel zwischen Thomas Mann und Theodor Adorno, das berühmte Kapitel Nr. 8 aus dem Roman „Doktor Fautus“, die Musikstücke op. 33 von Arnold Schönberg und Ludwig van Beethovens große Klaviersonate op. 111 lassen dieses „Musik- und Rezitationsprojekt“ zu einem ganz besonderen Abend werden.

Christian Nickel

Christian Nickel erhielt seine Schauspielausbildung in Berlin an der „Ernst-Busch-Schule“. Seine wichtigsten schauspielerischen Stationen waren das Schauspiel Frankfurt/Main, das Residenztheater in München und das Burgtheater in Wien, wo er fünf Jahre lang zum festen Ensemble gehörte. Er stand unter der Regie von Peter Stein, Luc Bondy, Karin Beier, Thomas Langhoff u. a. auf der Bühne und ist seit fast 10 Jahren auch selbst als Regisseur tätig. Mit seiner Familie lebt er zurzeit in Wien.

Julia Botchkovskaia

Julia Botchkovskaia studierte am Tschaikowsky Konservatorium in Moskau und an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Sie ist Preisträgerin verschiedener internationaler Klavierwettbewerbe wie „Maria Canals“ in Barcelona und „AMSA World Piano Competition“ in Cincinnati. Julija Botchkovskaia lehrt an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.

 

Dienstag, 24.09.2013 um 20 Uhr
„Der große Gesang“ – Hommage an Pablo Neruda

Nobelpreisträger für Literatur 1971

Pablo Neruda

Pablo Neruda, der große chilenische Dichter, lässt Gedichte und Prosa entstehen, die wie der Gesang seines Lebens sind. Der Freund des damaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende war Idol und Hoffnungsträger für eine ganze Generation friedens- und demokratiebewegter junger Menschen. „Der große Gesang“ ist ein Gedichtzyklus über den Kampf Lateinamerikas gegen den Kolonialismus. Er entstand von 1938 bis 1948/49, als der Autor wegen der Nachstellungen der Regierung im Untergrund lebte. Der Band erhebt den Anspruch, eine Geschichte des gesamten hispanoamerikanischen Subkontinents zu sein und beschreibt die Erschaffung Lateinamerikas, seiner Flora und Fauna, sowie das Auftreten des Menschen, die Eroberung durch die Konquistadoren, die anschließenden Befreiungskämpfe und die Hoffnung auf Unabhängigkeit. In vielen lateinamerikanischen Ländern wird die Verehrung für dieses Werk nur noch von der für die Bibel übertroffen.

Die Hommage an diesen schwelgerischen Poeten wird umrahmt von Musik von Manuel de Falla, Garcia Lorca und anderen Komponisten.

Eva-Maria Coenen

Die Schauspielerin Eva-Maria Coenen war nach dem Schauspielstudium an der Folkwang-Universität an verschiedenen Theaterbühnen engagiert und sammelte Erfahrungen in zahlreichen Film- und Fernsehauftritten. Seit 13 Jahren leitet sie einen Sprechkurs an der Essener Universität und legt den Fokus ihrer künstlerischen Arbeit auf musikalische Lesungen.

Frank und FranciscaDie lyrische Mezzosopranisting Francisca Hahn war zehn Jahre am Essener Aalto-Theater engagiert und ist jetzt freischaffend als Konzert- und Opernsängerin tätig. Regelmäßig gibt sie Liederabende und Konzerte im In- und Ausland. Frank Kedzierski studierte an den Musikhochschulen Duisburg, Köln und Luzern und schloss seine Ausbildung mit dem Konzertexamen bzw. Solistendiplom ab. Der Gitarrist ist Förderpreisträger sowie Finalist und Preisträger internationaler Wettbewerbe.

 

Mittwoch, 30.10.2013 um 20 Uhr
„Leben heißt handeln.“ – Albert Camus zum 100. Geburtstag

Nobelpreisträger für Literatur 1957

Albert Camus

1960, mit gerade einmal 46 Jahren kommt der Franzose Albert Camus völlig unerwartet und auf tragische Weise ums Leben. Sein beachtliches, aber unvollendet gebliebenes Werk zeugt von außergewöhnlicher Schönheit und Kraft. Als Schriftsteller, Journalist, Philosoph, Theaterautor und Regisseur war er ein glühender Verteidiger der Freiheit, der seine Kunst und sich selbst ganz in den Dienst der menschlichen Würde stellte und einen unermüdlichen Kampf gegen jede Form von Unterdrückung führte – ein poète engagé, mit seinen Zweifeln, Wandlungen, seiner Leidenschaft und seinem Zorn. Absurde Motive wie Einsamkeit, Sehnsucht, Auflehnung, Missverständnis, Heimsuchung, Todesurteil und Tod verschmelzen in seinen Dramen und Romanen mit seinem politischen Engagement und mit zeit- und gesellschaftskritischen Elementen.

Michael Serrer, stellt in einem Vortrag das Leben und Werk Camus‘ vor, Bernt Hahn liest Auszügen daraus.

Michael Serrer

Michael Serrer ist Literaturwissenschaftler und lehrte an verschiedenen Universitäten. Er schreibt u. a. für die „Zeit“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ und ist Herausgeber zahlreicher literarischer Werke. Seit 1998 leitet er das Literaturbüro NRW e.V. in Düsseldorf.

Bernt Hahn
© Katja Illner 2006

 

Bernt Hahn ist Schauspieler und war nach seiner Ausbildung an der staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover über dreißig Jahre ohne Unterbrechung an diversen Theatern tätig. Heute lebt er als Freiberufler, hat Engagements bei allen deutschen Rundfunkanstalten, führt eigene literarische Programme im In- und Ausland auf und ist außerdem gefragter Hörbuchsprecher.

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