Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“
„In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ist ein Zeitroman über den Beginn und den Verfall der DDR, aber auch ein Familien- und Gesellschaftsroman. Am Schicksal der Familie Powileit gibt der Autor Eugen Ruge ein detailliertes Bild des SED -Staates mit all seinen Problemen, Verleugnungen und den Arrangements und den Tücken des Alltags. Dreh- und Angelpunkt des Romans ist der 1.10.1989, der neunzigste Geburtstag des Patriarchen Wilhelm. Enkel Alexander verlässt  genau an diesem Tag die DDR, so dass Wilhelm den Ausziehtisch für das kalte Büffet selber aufbauen muss. Da er die Klapptechnik nicht versteht, nagelt der Demenzkranke  kurz entschlossen die vermeintlichen Schwachstellen der wackeligen Konstruktion. Die Folgen sind fatal, während der Feier kracht der Tisch mit dem gesamten Büffet zusammen. Zurück bleibt ein Chaos, gewiss ein Symbol für die gesamte private und politische Situation. Eugen Ruge, Sohn des DDR-Historikers Wolfgang Ruge, hat seinen ersten Roman meisterlich aufgebaut. Er erzählt chronologisch die Rahmenhandlung seit 1952  und das Leben von Alexander im Jahr 2001. Zusätzlich lässt er alle Familienmitglieder am Tage des Geburtstages des Großvaters zu Wort kommen und ihre Eindrücke und Erinnerungen erzählen. Dabei fühlt er sich in die jeweiligen Personen perfekt ein. Alles beginnt mit den kommunistischen Großeltern Charlotte und Wilhelm, die in den 40 er Jahren im mexikanischen Exil lebten und  später hohe Parteifunktionäre werden, führt über die Geschichte von Charlottes Sohn Karl und dessen russische Frau Irina und dem besonders anrührenden Monolog der Mutter Irinas, Nadjeshda PIwanowna bis zum Urenkel Markus, der auf dieser langweiligen  „Saurierparty „ einige der heißgeliebten Erinnerungstücke aus der Exilzeit in Mexiko  ergattert. Ein beeindruckender, gut lesbarer Roman, der im letzten Jahr mit dem Buchpreis des deutschen Buchhandels geehrt wurde. Unbedingt lesen!